Donnerstag, 4. März 2021
18.02.2021 11:48
St. Gallen

Initiative gegen Stacheldraht: Gegenvorschlag

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Von: sda

Der St. Galler Kantonsrat hat am Mittwoch in erster Lesung einen Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Stopp dem Tierleid» beraten. Die umstrittenen Ausnahmen vom Stacheldrahtverbot blieben im Entwurf. Damit ist eine Volksabstimmung wahrscheinlich.

Die Volksinitiative «Stopp dem Tierleid» richtet sich gegen Zäune als «Todesfallen» für Wildtiere. Sie wurde gemeinsam von Pro Natura, WWF und den St. Galler Jägern lanciert und mit rund 11’000 Unterschriften eingereicht. Unter anderem würde mit der Initiative ein weitgehendes Verbot von Stacheldraht festgeschrieben. 

Streitpunkt Sömmerungsgebiete

Widerstand gibt es vor allem aus Landwirtschaftskreisen. Der St. Galler Kantonsrat hatte die Initiative als zu extrem abgelehnt und die Regierung beauftragt, einen Gegenvorschlag auszuarbeiten. Zu diesem Entwurf verlangte die vorberatende Kommission verschiedene Anpassungen.

Die Wichtigste: Die Sömmerungsgebiete sollen vom Stacheldrahtverbot ausgenommen werden. In der Version der Regierung würde das Verbot generell ausserhalb von Bauzonen gelten. Das Initiativkomitee kritisierte vor der Session, damit werde der Entwurf der Regierung ausgehöhlt: Stacheldraht bleibe weiterhin grossflächig erlaubt. Der lange Arm des Bauernverbandes mache sich einmal mehr bemerkbar. Ein Rückzug der Initiative werde mit den vorliegenden Änderungsanträgen verbaut.

Volksinitiative «Stopp dem Tierleid»

Das Volksbegehren will verhindern, das unsachgemäss angebrachte Zäune weiterhin Wildtieren schaden. Konkret wird verlangt, dass gefährliche Zäune, die nicht notwendig sind, entfernt werden müssen. Das gelte etwa für Stacheldrahtzäune, die es nicht brauche. 

Für andere gefährliche Umzäunungen wie elektrische Zäune oder Weidenetze verlangt die Initiative klare Vorgaben. Dies könnten Rückbaupflichten mit Terminen oder das Abstellen des Stroms bei Nichtgebrauch sein. Weiter sollen Zäune in Wäldern grundsätzlich verboten werden.

Knappe Mehrheit für Kommission

In der Debatte lehnten die Fraktionen von FDP, Grünen und SP sowie die Grünliberalen die zentralen Anpassungen der Kommission ab. Die Sömmerungsgebiete, die vom Stacheldrahtverbot ausgenommen werden sollten, deckten sich mit dem Lebensraum der Wildtiere, sagte die Sprecherin der FDP.

Für die SVP-Fraktion sprach ein Landwirt, für die CVP-EVP-Fraktion eine Landwirtin. Beide warben für die Anträge der Kommission: Es handle sich «um eine gute Kompromissfindung». Stacheldraht solle in Sömmerungsgebieten erlaubt sein, hiess es.

Volkswirtschaftsdirektor Beat Tinner (FDP) bezeichnete die Version der Kommission als «zahnlosen Tiger», den er bei einer allfälligen Volksabstimmung nicht verteidigen könnte. In der Abstimmung über den entscheidenden Artikel setzten sich dann der Antrag der Kommission mit 56 gegen 54 Stimmen durch.

Damit bleibt im Gegenvorschlag das Sömmerungsgebiet vom Stacheldrahtverbot ausgenommen. Nun folgt noch die zweite Lesung in der nächsten Session. Bleibt es dabei, ist ein Rückzug der Initiative unwahrscheinlich und es kommt zu einer Volksabstimmung.

8 Responses

  1. ProNatura, WWF und ihre Jünger in den Städten verlangen von den Weidetierhaltern mehr Herdenschutz wegen den Wölfen. Also höhere Zäune / Netze, mehr Litzen und mind. 3000 V. Genau die selben Kreise fordern aber möglichst wenig Zaun, damit sich bloss kein Wildtier z.B. Reh darin verfängt. Wölfe dürfen Wildtiere und Weidevieh killen, das ist das wichtigste für diese Organisationen.

  2. Bevor sie um ein in einem Zaun verhängtes Reh trauern und jammern, rechnet Mal aus wie manches Reh von den CH-Wölfen brutal angefressen, gekillt oder halbtod liegengelassen wird. Es ist auch eine Schande, dass die Jäger diese Organisationen unterstützen.

  3. Ganz wenige Rehe ,verenden in einem Stacheldraht. Die gefahr das von heruntergefallen Aesten,der Elektrodraht zu Boden kommt und Nutztiere abstürzen viel ,viel grösser.
    Solche Vorstösse,zeigen einmal mehr wie respektlos und wiederwertig diese Organisationen den Bauern gesinnt sind.

  4. Den Jägern geht es nur darum das sie selber ungehindert überall durchkommen. Dann müssen sie keine Zange mehr dabei haben um die Drähte zu zerschneiden. In den Elektro Maschendrahtzäunen bleiben viel mehr Tiere stecken. Wenn die Stacheldrähte richtig montiert sind bleiben darin keine Tiere hängen

  5. Ich pflichte Franzsepp bei. Ausserhalb der Bauzonen und unterhalb des Sömmerungsgebietes wären die Stacheldrahtzäune nebst der Viehhütung zunehmend nötig um unsere Freizeitgesellschaft wenigstens auf den eingezeichneten Wegen zu halten… das ganze hat sehr wenig mit den Wildtieren zu tun. die sind einfach geeignet um wwf und pro natura ins boot zu holen. Nur für ein bedürfnis auf Landwirtschaftsland möglichst querfeldein zu wandern, biken, schneeschuh laufen usw…

  6. Ein Trauerspiel was die Jäger hier abliefern gegen uns Tierhalter. Das könnte sich als Bumerang erweisen, da sich diese Umweltverbände bei nächster Gelegenheit gegen die Jäger wenden werden. Das Verhalten des Grossteils der FDP ist beschämend und unwürdig einer sogenannten liberalen Partei. Klare Fakten und Statistiken wurden ignoriert und irgendwelchen Ideologien und Emotionen der Linken gefolgt. Dazu kommt noch dass sogar Tierärzte im Initiativkomitee dabei sind.

  7. „Stop dem Tierleid“ ist ein guter Titel! In meinen Augen gehört auch das unkontrollierte Wegwerfen von Abfall dazu. Auf unserem Betrieb haben wir in 4 Jahren 3 Abgänge von Kühen zu verzeichnen. Alle mit inneren Verletzungen von Fremdkörpern verursacht. 2 konnten noch notgeschlachtet werden. Die letzte mit 1050kg Lebendgewicht verendete ohne ersichtliche Symtome. Um Uhr 10:00 war alles i.O. Um Uhr 12:30 hörten wir den Muni sonderbar brüllen. Wir stürmten vom Mittagstisch.

    1. Von allen Seiten stürmten die Tiere der Herde zur Kuh. Alle kamen zu spät. Sie lag im letzten Zug! Sie war innerlich verblutet. Und das geschieht dank dem gedankenlosen Wegwerfen von ausgedienten Getränkedosen, Glasflaschen, Feuerwerkskörpern usw. Und das unter dem Moto „Mein Auto ist kein Abfallkübel“. Dieses Tierleid wird einfach in Kauf genommen. Aus den Augen aus dem Sinn! WWF und STS hin oder her. Keiner kümmerts!

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