Montag, 8. August 2022
08.07.2022 06:00
Bern

Sie setzten auf kulinarisches Erlebnis vom Hof

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Von: Renate Hodel, LID

Hofladen, Gastronomieangebote, Stallvisiten und Theateraufführungen – der Schalleberghof im Berner Oberland betreibt ordentlich Aufwand, um Besucherinnen und Besuchern die Landwirtschaft näher zu bringen. Das Credo der Betriebsleiterfamilie: Die Lebensmittelproduktion greifbar machen und damit Wertschöpfung und Wertschätzung generieren.

Nebst dem normalen Landwirtschaftsbetrieb mit Milchkühen, Mastschweinen und Hühnern bieten Annelis und Martin Mühlemann auf ihrem Hof in Heiligenschwendi auch Agrogastronomie- und Agrotourismusangebote an.

Sie führen auf dem Schalleberghof jährlich rund 50 Anlässe durch – von Hochzeitsapéros und Geburtstagsfesten über Firmenanlässe bis hin zum Hoftheater und dem traditionellen 1.-August-Brunch. Daneben gibt es auf dem Hof Übernachtungsmöglichkeiten und bei einer Stallvisite können Interessierte Einblicke in die Tierhaltung und Pflanzenbau gewinnen.

Wachsendes Angebot

Seit 30 Jahren werden auf dem Hof solche Angebote gepflegt. Angefangen haben bereits Annelis’ Eltern – Barbara und Erich Reusser: «Meine Schwiegermutter hat die Hochzeitsapéros all ihrer Kinder hier auf dem Hof durchgeführt und die stiessen auf so viel Begeisterung, dass wir auf die Idee kamen, dieses Erlebnis von Bauernhof und Kulinarik anderen zugänglich zu machen», erzählt Barbara Reusser.

Und so führten sie 1993 das erste Mal einen traditionellen 1.-August-Brunch mit rund 100 Gästen durch. Nach und nach wurde die Besucherzahl gesteigert und mit der tatkräftigen Unterstützung aus dem Familien- und Freundeskreis ist der Brunch auf dem Schalleberg zu einem richtigen Volksfest angewachsen. «Über die Jahre ist ein eingeschworenes Team zusammengewachsen und das Buure-z’Morge gehört fest ins Programm – ohne Brunch ist es für uns einfach nicht der 1. August», ergänzt Annelis Mühlemann, die zusammen mit ihrem Mann Martin mittlerweile den Hof ihrer Eltern übernommen hat und auch die diversen Gastronomieangebote weiterführt.

Der Schalleberg ist einer der wenigen Höfe, der den 1.-August-Brunch schon seit dem Start 1993 jedes Jahr organisiert. Das üppige Buure-z’Morge ist ein Generationenprojekt geworden und so geniessen die zahlreichen Gäste bereits seit 30 Jahren jeweils am Nationalfeiertag Rösti, Joghurt, Brot, Fleisch und Käse sowie die schöne Aussicht auf Thun und die Stockhornkette.

Hoch über Thun wachsen sogar Kartoffeln, die dann unter anderem zu Rösti für den 1.-August-Brunch verarbeitet werden.
Schalleberg

Möglichst lokale Produktion

Beim Kulinarikangebot setzen Mühlemanns auf Bewährtes – nämlich auf die hofeigenen Produkte. Für die Anlässe werden möglichst nur selbstproduzierte Erzeugnisse aufgetischt oder Produkte aus Schweizer Produktion: «Wir geben 10 Kühe auf die Alp und da kommt dann Alpkäse zurück, daneben machen wir selbst Weissschimmelkäse und Joghurt und auch das Fleisch wie Hamme, Rindstrockenfleisch, Dauerwürste, Braten oder Siedfleisch stammen aus unserer Produktion», erklärt Annelis Mühlemann.

Früher hätten sie für die reichhaltigen Buffets regelmässig Produkte wie Cherrytomaten für die Apéroplatten zugekauft. «Irgendwann haben wir entschieden, dass wir das einfach nicht mehr machen – so gibt es im Winter halt Zuckerhut und den Kopfsalat erst dann, wenn ihn die Schweizer Produzentinnen und Produzenten ernten», ergänzt die Landwirtin.

Aufklärungsarbeit

An den Anlässen lebt das Schalleberg-Team vor, was ihnen am Herzen liegt: Dass beim Einkaufen stärker auf die Regionalität geschaut und überlegt wird, woher die Sachen eigentlich herkommen, die gekauft werden. «Nicht nur weil wir unsere eigenen Produkte vermarkten wollen, sondern auch, weil es mir persönlich zu denken gibt, wenn ich im Grossverteiler einkaufen gehe und sehe woher gewisse Produkte kommen und weiss, dass es das gleiche Produkt aus Schweizer Produktion auch gäbe», erklärt Annelis Mühlemann.

Es sei schwierig geworden, saisonal einzukaufen, weil der Grossverteiler ja immer alles habe und schnell vergessen werde, wann eigentlich was Saison habe. «Es ist mir darum ein grosses Anliegen, Konsumentinnen und Konsumenten zu sensibilisieren, was Saison hat und woher die Produkte kommen», führt sie aus.

Für die Bewirtschaftung des Landwirtschaftsbetriebs und die verschiedenen Gastro- und Erlebnisangebote braucht es ein starkes Team – das Schalleberg-Team.
Renate Hodel

Wertschöpfung bis nach Korea

Nebst den Gastroanlässen begrüssen Mühlemanns auch Besucherinnen und Besucher zur Stallvisite auf dem Betrieb, betreiben einen Hofladen und sind Teil des Selbstbedienungsladens Swisshof in Heiligenschwendi. «Im Laden in Heiligenschwendi werden Produkte verkauft, die maximal 20 Kilometer um Heiligenschwendi herum produziert werden und bei denen 80 Prozent der Wertschöpfung in der Region sein müssen», erklärt Annelis Mühlemann.

Im Lädeli auf dem Hof ist die Auswahl an eigenen Produkten beträchtlich: Fleisch, Eier, Käse, Brot, Eingemachtes, Sirup, Konfitüren und Diverses mehr. Idealerweise nehmen Stallvisitenbesucherinnen und -besucher so dann ein Stück vom Erlebten mit nach Hause. Unter Umständen bis nach Asien: «Abgesehen von der Coronaviruspandemie haben wir pro Jahr immer 5 bis 10 Parteien aus Südkorea oder aus arabischen Ländern bei uns auf dem Hof zu Besuch», erklärt Annelis Mühlemann. Jüngst haben auch Schulen das Angebot vermehrt für sich entdeckt.

Bei den Milchkühen verfolgen Mühlemanns ein Low-Input-Prinzip, das heisst, dass die Kühe das meiste Futter draussen auf der Weide fressen.
Schalleberg

Verständnis fördern

«Klar, wenn man Agrogastronomie oder Agrotourismus betreibt, ist man halt schon ausgestellt», sagt Annelis Mühlemann. Und diese Angebote forderten auch ihren Tribut: «Die vielen Anlässe, die sich besonders auf das Sommerhalbjahr konzentrieren und daneben der Landwirtschaftsbetrieb unter anderem mit der intensiven Heuernte sind ‹happig› und im Herbst sind wir dann jeweils schon geschafft und freuen uns auf eine etwas ruhigere Zeit», meint die Landwirtin.

Gleichzeitig sei es auch eine grosse Chance: Vielen helfe ein Besuch auf dem Hof beim Verständnis, was so alles hinter der landwirtschaftlichen Produktion steckt. «Oder warum der eine Bauer seine Kühe vielleicht anbindet und ein anderer nicht – so sind unsere Kühe beispielsweise in einem Laufstall untergebracht und können sich vielleicht etwas freier bewegen, dafür haben wir alle zwei bis drei Jahre eine verunfallte Kuh», gibt Annelis Mühlemann ein Beispiel.

Und die vielen Besucher auf dem Hof seien regelmässig ein Anstoss, aufzuräumen und den Bauernhof sauber zu halten. «Das ist auch wertvoll – wenn wir einmal einen Monat keinen Anlass hatten, gibt es jeweils nämlich etwas mehr zu tun», lacht Annelis Mühlemann. Auf Schalleberghof hätten die Besucherinnen und Besucher entsprechend einen rundum positiven Effekt.

Schalleberghof
Bewirtschafter: Annelis und Martin Mühlemann
Ort: Heiligenschwendi (BE)
Fläche: 26 ha landwirtschaftliche Nutzfläche in der Bergzone 2
Betriebszweige: Tierhaltung (vorwiegend Milchwirtschaft), Direktvermarktung, Gastronomie
Tiere: Milchkühe, Kälber, Rinder, Mastschweine, Legehennen, Katzen, Kaninchen

Der Schalleberg-Hof wird nach IP-Suisse-Richtlinien bewirtschaftet. Alle Tiere können regelmässig nach draussen – entweder auf die Weide oder im Auslauf. Bei den Milchkühen verfolgen Mühlemanns ein Low-Input-Prinzip, das heisst, dass die Kühe das meiste Futter draussen auf der Weide fressen.

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