Donnerstag, 8. Dezember 2022
28.09.2022 14:00
Zürich

Bauern verärgert – IG Pro Kulturland gegründet

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Von: blu

Landwirtinnen und Landwirte im Kanton Zürich sind so richtig hässig. Die Behörden haben 1300 Hektaren Ackerland zu Potentialflächen für Feuchtgebiete bestimmt. Mit Plakaten und politischen Vorstössen wollen die Bauernfamilien die Bevölkerung aufklären. Sie haben dazu eine IG gegründet.

Der Kanton Zürich ist mit rund 30 Hoch- und 127 Flachmooren von nationaler Bedeutung einer der moorreichsten Mittellandkantone, teilte der Kanton Mitte April 2021 mit.  Er will nun mehr Feuchtflächen.

So will er nach eigenen Angaben den Biodiversitätsverlust stoppen. «Die Baudirektion des Kantons Zürich hat deshalb als Teil des wissenschaftlich ausgewiesenen Bedarfs an zusätzlichen Moorfächen prioritäre Potenzialfächen von insgesamt 1300 Hektaren für künftige Feuchtgebiete bezeichnet. Sie setzt damit eine Massnahme aus dem 1995 festgesetzten Naturschutz-Gesamtkonzept um», heisst es in einem Infoschreiben der kantonalen Behörde.

Versprechen gebrochen

Die Landwirtinnen und Landwirte sind über die Aussagen empört. «Diese sogenannten Prioritären Potentialflächen für Feuchtgebiete (PPF) hat die Fachstelle Naturschutz auf rein theoretischen Grundlagen bestimmt, ohne vorgängig das Gespräch mit Landeigentümern oder Bewirtschaftern zu suchen», hielten sie am Mittwoch an einer Pressekonferenz fest.

Die Verwaltung hat gemäss den Bauern damit ein Versprechen gebrochen. Die Behörden hätten eine Freiwilligkeit sowie individuelle Speziallösungen bei starker einzelbetrieblicher Betroffenheit zugesichert. «Zudem sind Entschädigungsansätze bei Vernässungen bis heute ungeklärt», führten sie weiter aus.

1300 Hektaren bestes Ackerland werde in Nasswiesen überführt, kritisieren die Landwirte. Marco Pezzatti, Chef des Amts für Landschaft und Natur, spricht im Infoschreiben von rund 400 Hektaren Fruchtfolgeflächen, die in PFF umgewandelt werden. «Dies entspricht nur 0,9 Prozent der 44’575 ha Fruchtfolgeflächen im Kanton Zürich», sagt der Amtsvorsteher. Die Baudirektion habe  im Rahmen der «Strategie drainierte Böden» rund 1825 ha Fläche eruiert, auf denen Bodenaufwertungen mit baulichen Eingriffen möglich seien. Auf den prioritären Potenzialfächen sollen längerfristig Naturschutzziele realisiert werden können, weshalb hier Bodenaufwertungen nicht möglich seien.

Die Baudirektion des Kantons Zürich hat einen Bedarfs an zusätzlichen Moorfächen prioritäre Potenzialfächen von insgesamt 1300 Hektaren für künftige Feuchtgebiete bezeichnet.
Screenshot maps.zh.ch

Mehrere Forderungen

Die Bauernfamilien aus dem Kanton Zürich wollen sich das Gebaren der kantonalen Verwaltung nicht gefallen lassen. Sie haben deshalb die Interessengemeinschaft (IG) Pro Kulturland gegründet. Mitglieder sind direktbetroffene Landwirte und Sympathisanten aus der Bevölkerung. Die IG tritt als zentraler Ansprechpartner für die Bündelung der Interessen seiner Mitglieder gegen aussen auf.

Die IG hat mehrere Forderungen:

  • Freiwilligkeit
  • Auf den ausgeschiedenen PPF darf es keine Bewirtschaftungseinschränkungen geben
  • Auf eine Ausscheidung von potentiellen Feuchtgebieten in zweiter und dritter Priorität wird verzichtet
  • Verbesserungsmassnahmen wie Aufwertungen und Drainagen werden auf den übrigen landwirtschaftlichen Flächen vorangetrieben
  • Bewilligungsverfahren erleichtert

Landwirt Elmar Hüppi aus Gossau ZH ist Präsident der IG Pro Kulturland. Im Interview mit schweizerbauer.ch gibt er Auskunft, weshalb es eine IG braucht, warum die Bauern mitmachen sollen und welche Schritte die IG nun unternehmen wird.

Plakate und Vorstösse

Um auf die Problematik aufmerksam zu machen, wenden sich die Landwirtinnen und Landwirte an die Öffentlichkeit. In einem ersten Schritt hat die IG Pro Kulturland eine Plakatkampagne unter dem Motto «Unsere lokale Landwirtschaft braucht eine Zukunft!» lanciert. Betroffene Ackerflächen werden so in den nächsten Tagen gekennzeichnet. So wird der Bevölkerung aufgezeigt, welche Gebiete vernässt werden sollen und zu welchen Konsequenzen dies führ.

Über einen QR-Code gelangen Interessierte direkt auf die Webseite der IG Pro Kulturland. Auf der Website sind weitere Informationen aufgelistet, zudem kann man als Sympathisant registrieren.

Das Führungsteam der IG Pro Kulturland wird unter anderem mittels Wegrandplakaten die Bevölkerung über ihren Widerstand gegen die Ausscheidung von Ackerland, welches in Nasswiesen überführt und der Nahrungsmittelproduktion entzogen wird. v.l.: Bettina Hübscher ZBV, Lukas Pflugshaupt, Daniel Hess, Elmar Hüppi und Heinrich Wintsch.
Isabelle Schwander

Nebst Aufklärung wird auch der politische Weg begangen. Eine parlamentarische Initiative ist im Kantonsrat hängig. Sie fordert, dass der Boden und sein bestehender Aufbau geschützt werden sollen. Ausserdem fordert eine weitere Initiative, dass bestehende Drainagen zwingend unterhalten und saniert werden müssen. Damit würde eine Vernässung der PPF verunmöglicht.

Auswahl der Potenzialfächen

Die Auswahl prioritärer Potenzialfächen für Feuchtgebiete erfolgte in mehreren Schritten, schreibt die kantonale Verwaltung. Für das gesamte Kantonsgebiet ermittelte das Amt für Land und Natur (ALN) zuerst mit Faktoren wie Gelände und Bodeneigenschaften das Regenerationspotenzial für Feuchtgebiete. Danach wurden aus ökologischer Sicht (Arten, Vernetzung, Trittsteinfunktion) jene 1300 ha bestimmt, die das grösste Potenzial aufweisen und am meisten zum Aufbau einer ökologischen Infrastruktur beitragen.

Die drainierten Böden erstrecken sich im Kanton über 14’400 ha. Davon sind 5500 ha prinzipiell geeignet, um Feuchtgebiete wiederherzustellen. Die festgelegten 1300 ha Prioritätsfäche umfassen davon weniger als einen Viertel. Vorrangiges Ziel auf den bezeichneten Flächen für Feuchtgebiete ist, deren Regenerationspotenzial zu erhalten. Vorhaben, die dieses Potenzial vermindern, sind nicht mehr zugelassen. Deshalb werden auf diesen Flächen keine Subventionen für Drainagesanierungen und -erneuerungen mehr gewährt.

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13 Responses

    1. Ja, Bauern wehrt euch, auch gegen Einzonungen von Bauland, Inustrie, Wohnzonen und Sportplätze. Ich habe in einem Dorf die Lehre gemacht, das fortschrittlich war und alle stolz. Die Bauern verkauften hektarenweise Land als Bauland, wurden reich, für ein paar Jahre und dann ärmer und ärmer, weil sie das Geld verprassten und danach auch kein Land mehr hatten um Geld zu erwirtschaften!!!!!!!!!!!!

  1. Schritt für Schritt wird uns die Lebensgrundlage entzogen, durch Renaturierungen, Infrastrukturbauten, Besiedelung und Feuchtgebiete. Aufertungen ist selbstbetrug, da es im gesamten weniger Kulturland für die Ernährung hat. Auch qualitativ schlechteres Kulturland träg zur Ernährungssicherheit bei. Scheinbar ist das Essen nichts mehr wert. Wie soll da noch der Selbstversorgungsgrad von über „50%“ gehalten werden, Bei diesem rasanten Tempo von der Bevölkerungszunahme ist eine Hungersnot vorpro….

  2. „Selbstversorgungsgrad von über 50%“ ist der Schönwetterspruch des SBV mit dem die Bevölkerung hinters Licht geführt wird, seit Jahrzehnten.

  3. Unglaublich , mit welchen Ungeheuerlichkeiten sich die Landwirtschaft auseinander setzen muss . Der ZBV ist leider kampferprobt, man wird hoffentlich das Ärgste abwenden können. Wann begreift die CH -Bevölkerung endlich , dass wir produzieren müssen, dem Frieden und Wohlstand zuliebe ?
    Muss es zuerst “ räbble“ ?

    1. Herrr Keller, Aufrufe zur Gewalt sind strafbar.

      Wenn Sie produzerien wollen, dann müssten sie sich gegen die Nutzung von 10 % der LN der Schweiz, also rund 100’000 ha für Freizeitpferde stellen.

      Was sagen Sie dazu?

      1. Herr Hinter Bergerg
        Nein ich rufe nicht zu Gewalt auf. Hungrige Bäuche halten wir zurzeit für undenkbar . Es soll auch nicht soweit kommen, der Aufruhr wäre sofort. Die Perdehaltung betreibt jeder Landwirt freiwillig , das Land wird nicht nachhaltig abgewertet.

  4. Meine Lieben Anhänger von BFF Beführworter, wenden wir einmal das Blatt der dauernde Bevormundung. Ab sofort müssen sämtliche Park Anlagen, Privatgrundstücke mit den fleissigen Rasenroboter, Golfplätze usw. auf Biodiversitätsflächen umgestellt werden. Vorteile: kein Strom-, minimaler Treibstoffverbrauch, da nur einmal gemäht werden muss, Erhalt artenreicher Pflanzen, Lebensraum vieler Tiere…
    Erhalt der fruchtbaren landw. Flächen weiter zur Lebensmittelproduktion. Selbstversorgung erhöhen.E

  5. Zwanzigtausend Franken Entschädigung pro Hektar und Jahr und stellt den Naturschützler ein leeren Teller vor die Nase Ja diese Leute werden immer blöder sie wiesen nicht mehr von wo ihr Futter herkommt.Ja langsam wird die Schweizer Landwirtschaft an eine Wand gefahren!

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