Samstag, 6. März 2021
26.01.2021 11:42
Uri

Vier Monate Schatten

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Von: Max Hugelshofer*

Weil er an einem steilen Nordhang liegt, sieht der Hof der Familie Küttel im Riemenstaldental vier Monate lang keinen Sonnenstrahl. Manchmal zieht es Erna Küttel den gegenüberliegenden Berghang hoch in die Sonne.

Erna Küttel lebt mit ihrer Familie an einem steilen Nordhang. Sie erzählt über ihr «Schattendasein»: «Am 21. Oktober geht hier die Sonne unter, und am 21. Februar kommt sie wieder. Das sind genau vier Monate ohne einen Sonnenstrahl. Viele Leute sagen mir, sie würden trübsinnig werden an so einem Ort. Aber ich bin es gewohnt. Und wir haben hier immerhin keinen Hochnebel».

Hof im Kanton Uri

Den fände sie viel schlimmer. Und sie würden wenigstens die sehen. «Wenn ich es gar nicht mehr aushalte, dann packe ich meine beiden Kinder, den vierjährigen Mike und die zweijährige Ramona, gut ein und mache einen Spaziergang auf die andere Talseite rüber. Im Dorf kommt die Sonne bereits deutlich früher zurück. Und mit jedem Meter, den man die gegenüberliegende Talseite hinaufläuft, wird es noch besser», sagt sie.

Erna Küttel fährt fort: «Bei diesen Spaziergängen wechseln wir nicht nur die Talseite, sondern auch den Kanton. Unser Hof und das Land liegen im Kanton Uri, das in der Luftlinie nur ein paar Hundert Meter weit entfernt liegende Dorf Riemenstalden gehört zu Schwyz.» Das mache gewisse alltägliche Dinge komplizierter.

Gegen Schwyz orientiert

«Immerhin haben wir es geschafft, dass unsere Kinder dereinst in Riemenstalden in die Schule gehen dürfen und nicht den ganzen Weg ins nächste Urner Dorf Sisikon runter müssen. Wir sind sowieso eher in Richtung Schwyz orientiert und fühlen uns als Schwyzer, auch wenn wir eine Urner Autonummer haben», erklärt Küttel.

Ihr Mann Erwin ist im Kanton Schwyz aufgewachsen, auf einem Bergbauernbetrieb am Gersauer Berg. Dort hatte es im Winter weder eine Strasse noch eine Seilbahn. «Als er zu mir ins Riemenstaldental gezogen ist, hat er also einen Tausch gemacht: vier Monate zu Fuss gehen gegen vier Monate Schatten. Er hätte wohl mehr Mühe mit dem Sonnenentzug, wenn er im Winter nicht am Sessellift auf dem Stoos arbeiten würde. Da kann er regelmässig Sonne tanken», lächelt sie.

Neuer Stall geplant

Der Hof läuft auf Erna Küttel, weil sie die nötige Ausbildung absolviert habe. «In der Praxis teilen wir uns aber die Aufgaben. Den Winter über, wenn Erwin zu 100 Prozent auswärts arbeitet, übernehme ich den Hauptteil der Arbeit im Stall bei den Schafen. Im Sommer, vor allem beim Heuen, sieht es dann wieder anders aus», fährt sie fort. Dann helfen auch ihre Eltern noch tatkräftig mit. Trotzdem sind die Küttels in den vergangenen Jahren an ihre Grenzen gestossen.

«Das hat wieder mit der Nordausrichtung unseres Hofs zu tun. Die sorgt dafür, dass das gemähte Heu sehr feucht ist und lange zum Trocknen liegen bleiben muss. Beim Reinholen wird dann meistens alles ziemlich hektisch. Vor allem, wenn Gewitter angesagt sind. Darum wollen wir unseren Stall ausbauen», erklärt die Urnerin.

Er soll ein kleines bisschen länger werden. Vor allem aber gibt es ein höheres Dach und damit Platz für einen gebraucht gekauften Heukran. «So können wir beim Einräumen wertvolle Stunden sparen. Ausserdem fällt der körperlich anstrengendste Teil der Arbeit weg. Vielleicht können wir dann im Sommer sogar mal ein paar Stunden lang die Sonne geniessen», sagt Erna Küttel.

*Max Hugelshofer ist Redaktor beim «Berghilfe-Magazin».

Wm Winter lässt sich die Sonne auf dem Hof von Familie Küttel (unten links auf der gegenüberliegenden Talseite) nicht blicken.
Yannick Andrea

One Response

  1. Ich denke,gerade wenn tendenziell eher mehr trockene Sommer werden,sind die Höfe,die am Anfang der Vegetation weniger ausgetrocknete Böden haben voll im Trend,das sind auch Vorteile.
    Auf gut zwei Monate ohne Sonne bringt es mein Hof auch,finde ich absolut kein Nachteil.

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