Freitag, 23. Juli 2021
16.07.2021 12:14
Wallis

«Fühlen uns verschaukelt und verraten»

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Von: czb

Auf einer Schafalp oberhalb Oberwald VS riss ein Wolf schon 23 Lämmer. Deren Besitzer Markus und Eliane Kreuzer sind verärgert.

25 Kilometer Elektrozaun, vier Herdenschutzhunde und zwei Hirtinnen. So lassen Markus und Eliane Kreuzer und drei weitere Schäfer ihre 800 Schafe vor dem Wolf schützen, die derzeit auf der Alp Geren-Lengis oberhalb Oberwald VS gesömmert werden.

Frust sitzt tief

Trotzdem wurden, seit die ersten Schafe Ende Mai auf die Alp gebracht wurden, schon 23 Lämmer gerissen. «Erst vor zwei Woche war es endlich mal ruhig», erzählt Schafhirtin K.W. (Name der Redaktion bekannt) aus Deutschland, die schon mehrere Alpsommer in der Schweiz verbracht hat, nun aber zum ersten Mal auf einer Schafalp ist. Trotzdem spricht sie davon, dass es sehr viel Energie und Kraft koste, jeden Morgen damit rechnen zu müssen, tote oder schwer verletzte Schafe zu finden.

«Super frustrierend», findet K.W. es vor allem, weil sie und die andere Hirtin alles gemacht hätten, die Schafe zu schützen, doch für die Behörden war das alles nicht gut genug. «Es werden Entscheidungen getroffen aus der Perspektive von Leuten, die weit weg von der Realität sind», sagt sie, nachdem ihr zu Ohren gekommen ist, dass der Kanton Wallis keine Abschussbewilligung für den Wolf erteilt hat. Die 23 auf ihrer Alp gerissenen Lämmer wurden nicht berücksichtigt.

Aus Zeitung erfahren

Dem pflichten auch Markus und Eliane Kreuzer bei, die diesen Sommer genau 333 Schafe auf die Alp gebracht haben. Ihnen stösst auch sauer auf, dass sie von der Nichterteilung der Abschussbewilligung aufgrund angeblich ungenügenden Herdenschutzes aus der Tageszeitung «Walliser Bote» erfahren haben.

«Als uns der Herdenschutzbeauftragte vom Kanton Wallis besucht hat, sagte er kein Wort davon, dass irgendetwas ungenügend ist», erzählt Eliane Kreuzer. Er habe einzig geraten, Blinklichter zu kaufen – was sogar finanziell unterstützt werde. Dass die inzwischen installierten Blinklichter langfristig nützen, bezweifeln Kreuzers.

Markus und Eliane Kreuzer haben 333 eigene Suffolk-Schafe auf der Alp Geren-Lengis.
Christian Zufferey

Hund an Nase verletzt

Aus der Zeitung haben sie etwa vernommen, dass die Risse nicht gezählt werden, weil der Elektrozaun im weitläufigen und unwegsamen Gelände nur drei statt vier Litzen aufwies. Zudem habe man eine Lücke entdeckt – bei einer Felsnase, die nicht ausgezäunt war, aber eine natürliche Grenze darstellt. «Wir züchten Suffolk-Schafe», erzählt Markus Kreuzer, «die jedes Loch im Zaun finden. Doch an dieser Stelle kann kein Schaf raus und bestimmt auch kein Wolf rein.»

Schliesslich wurde ihnen zur Last gelegt, dass die Weide, auf der die Risse stattfanden, mit einer Fläche von 40 bis 60 Hektaren statt maximal 20 Hektaren zu gross war. «Unsere Nachmessung hat ergeben, dass wir eine Fläche von 19,7 Hektaren umzäunt haben», so Eliane Kreuzer, weshalb sie auch davon spricht, dass sie sich verschaukelt und verraten fühle. Schliesslich befinden sich vier Herdenschutzhunde auf der Alp – wovon einer möglicherweise vom Wolf attackiert wurde, worauf inzwischen verheilte Verletzungen auf der Nase hindeuten könnten.

Aufgeben keine Option

Trotz Frust, für Kreuzer ist das Zurückholen der Schafe ins Tal keine Option. «Wir hätten unten im Tal nicht genügend Weiden – oder es würde uns das Futter für den im Obergoms sieben Monate dauernden Winter fehlen», sagt Markus Kreuzer. Er denkt auch nicht ans Aufgeben – was andere Schäfer schon getan haben. Vor 30 Jahren habe er, obschon er nicht auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, von null auf mit der Schafzucht begonnen, seit inzwischen zwölf Jahren ist er Vollerwerbsbauer.

«Wir sind mit der Schafzucht tief verwurzelt und haben sehr viel Geld und Energie in unseren Betrieb investiert», hält Kreuzer fest. Inzwischen wurden von anderen Schafalpen im Goms acht weitere Risse gemeldet, dies auf Alpen, die als gar nicht schützbar eingestuft wurden. Wenn demnach noch zwei Risse hinzukommen, wäre gemäss jüngstem Bundesratsentscheid eine Abschussbewilligung wieder möglich. «Sofern nicht wieder andere vermeintliche Mängel gefunden werden», zeigt sich Kreuzer kritisch, «wobei sich Mängel immer finden lassen, wenn man nur lange genug nach Mängeln sucht.»

Der Herdenschutzberater fürs Oberwallis wie auch dessen Stellvertreter weilen beide in den Ferien, weshalb sie für eine Stellungnahme nicht erreichbar waren.

Trotz teils unwegsamem Gelände wurden die Alpweiden oberhalb Oberwald VS aufwendig mit 25 Kilometer Zaun umzäunt.
Christian Zufferey
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10 Responses

  1. Die Verantwortlichen sind in den Ferien – vermutlich in den schönen Walliser Alpen wandern, wo der Blick so über die wunderbaren Matten gleitet….. Satire!! Diese Sesselfurzer sollten mal an einem Tag 2 km Hag setzen und dann so schön ihren Blick schweigen lassen, wenn sie dann nicht einschlafen. Und dies bei ca. 150 000 (vielleicht 20 000 mehr oder weniger) im Jahr. Zum Kotzen, diese Gutmenschentierschutzpolitik. Warum gibt es eigentlich einen Ort Wolfenschiessen??? Vom Salat fressen?

  2. Wie lange wird da noch gemeckert, zugeschaut und die Hirten, Bauern und Tierfreunde vergackeiert ? Müssen wir HEILIGE WÖLFE haben, nur weil die Inder HEILIGE KÜHE haben ?? Mit dem Unterschied, dass die heiligen Kühe keiner Fliege was zufügen…….

  3. Stimme vollumfänglich zu, wir in GR erleiden momentan eine ähnliche Tragödie, allerdings könnten wir die angebotene Freiwilligenhilfe der naturzerstörenden Organisation ProNatura in Anspruch nehmen…..

  4. Herdenschutz ohne Nachtpferch wird in Zukunft nicht vor Übergriffen schützen. HSH haben keine Chance in solch großen Weiden zu schützen.

  5. SAVE THE ALPS!!! alle die es irgendwie schaffen nicht aufgeben, wir dürfen nicht aussterben, und unsere Tiere auch nicht (Wölfe stürben swieso nicht aus, auch ohne Schutz!)
    Der heutige Schutz ist dieser Bestien ist ein EINGRIFF ins ehemalige Gleichgewicht zwischen tiergerechter Tierhaltung und Natur, ist UNNATÜRLICH!

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