Montag, 17. Mai 2021
21.04.2021 11:18
Agrarinitiativen

«Initiativen gefährden Berglandwirtschaft»

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Von: blu

Ein Walliser Komitee gegen die Trinkwasser- und Pestizid-Initiative trat am Mittwoch vor die Medien. Mit von der Partie waren Bauern, Verarbeiter und Politiker. Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft, die Wirtschaft und die Konsumenten seien massiv, warnen sie.

An der Pressekonferenz stellte Maria Arnold den Medien ihren Betrieb vor. Sie bewirtschaftet einen Milchwirtschaftsbetrieb und eine Alp in Simplon-Dorf.

Knackpunkt betriebseigenes Futter

Bei der Annahme der Trinkwasserinitiative erwartet Arnold, dass Berglandwirtschaftsbetriebe durch die Futterrestriktionen nicht mehr existieren können. «Im Berggebiet wachsen nicht alle Futterpflanzen, die für die ausgewogene Ernährung der Nutztiere notwendig sind», sagte Arnold. Sie wies darauf hin, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz rückläufig sei. Bei IP-Suisse sei dieser sogar um 40% Prozent gesunken.

Thomas Egger, Direktor der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete und Präsident der Sortenorganisation Walliser Raclette, erachtet die Anliegen der beiden Initiativen zwar als berechtigt, jedoch würde diese viel zu weit gehen. Auch er erwartet massive Einschränkungen für die Berglandwirtschaft und die Alpwirtschaft.

«So verlangt die Trinkwasserinitiative zum Beispiel, dass Nutztiere ausschliesslich mit betriebseigenem Futter gefüttert werden. Dies ist gerade in den klein strukturierten Berglandwirtschaftsbetrieben oft gar nicht möglich», so Egger.

Die wichtigsten Anliegen der Initiativen seien in der Frühlingssession ins Gewässerschutz-, Landwirtschafts- und Chemikaliengesetz aufgenommen worden. «Die neuen Anforderungen setzen eine Reduktion um 50% der Risiken beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bis 2027 durch. Zudem sollen die Stickstoff- und Phosphorverluste in der Landwirtschaft reduziert werden», erklärte Egger.

Verarbeiter befürchten höhere Kosten

Vor die Medien trat auch Alexander Walker, Chef des Milchverarbeiters Walker Group. Er wies darauf hin, dass die Käsereien für das Oberwallis eine wichtige Funktion haben. Bei einer Annahme der Agrar-Initiativen seien die Verarbeiter betroffen. «Die Schweizer Lebensmittelindustrie wäre durch die Verteuerung der landwirtschaftlichen Rohstoffe in der Schweiz und das Verbot von Bioziden mit einem deutlichen Anstieg der Produktionskosten konfrontiert», warnte er. Ohne Biozide sei eine einwandfreie Qualität von Milch und Käse fraglich. Die Folge seien verkürzte Haltbarkeit und mehr Lebensmittelverschwendung.

Ständeart Beat Rieder (CVP) warnte von steigenden Preisen bei einer Annahme der Initiativen. «Der Verzicht auf alle Pflanzenschutzmittel und die Vorgabe, nur das eigen produzierte Futter zu verwenden, würde zu hohen Mehrkosten führen und gleichzeitig würde das einheimische Angebot zurückgehen», sagte er. Als Beispiel nannte er Früchte, Zuckerrüben, Raps und Fleisch. Schweizer Lebensmittel würden teurer werden und seien nur noch für Wohlhabende erschwinglich.

Steigender Einkaufstourismus

Nationalrat Franz Ruppen (SVP) geht bei einer Annahme von einen sinkendem Selbstversorgungsgrad aus. Laut Ruppen würde dieser von 60 auf 40 Prozent sinken. Dies könne die Versorgungssouveränität der Schweiz gefährden. Er denkt dabei an Zeiten von schwierigen Importbedingungen oder an die derzeitige Pandemie.

Eine Annahme führt gemäss Ruppen zu einem Anstieg der Importe. «Das ist aus Klimasicht problematisch», so Ruppen. Die neuen Regelungen würden die Preise für Schweizer Produktion erhöhen. Die Folge sei ein zunehmender Einkaufstourismus. «Besonders in den Grenzregionen würde dieser zunehmen. Dies nicht nur, weil die Preise im Ausland niedriger wären, sondern auch, weil die Auswahl viel grösser und attraktiver wäre als in der Schweiz», warnt Ruppen. «

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8 Responses

  1. Was ist schlecht daran, wenn die Bergbauern nicht mehr wie gestört Futter aus dem Unterland und dem Ausland zuführen können?
    Berglandwirtschaft ja, aber bitte mit betriebseigenem Futter!!

    Deshalb JA zur TWI

    1. Gestört ist vielleicht die Wahrnehmung des alten Bauern. Die Futter-Zufuhr wird schon durch die Suisse-Bilanz aufgezeichnet und geprüft. Diese Regelung reicht völlig. Darum 5 x NEIN am 13. Juni.

    2. So alter Bauer wahrscheinlich hast Du nie eingestreut und Salz haben Deine Tiere auch nicht. Es geht hier nicht nur um Raufutterzukauf und Kraftfutterzukauf.Wahrscheinlich lebst Du wie vor 300 Jahre, und das Geld verdienst Du nicht mit der Landwirtschaft. Tierschutz Normen kennst Du wahrscheinlich auch nicht. Wir können schon zurück zu Selbstversorger und Leben wie vor 300 Jahren. Aber denn Alle.

    3. Von Bergbetrieben gehen ja Nährstoffe in Form von Produkten weg. Der Ersatz dieser Nährstoffe durch Futterzukauf ist durchaus sinnvoll.
      Frage an den Profi TWI Befürworter alter Bauer: ist Stroh eigentlich Futter? Wenn nein, muss dann verhindert werden dass Tiere zugekauftes Stroh fressen?

  2. Für alle die die sich noch selbst anlügen im initiativtext steht.
    Erhaltung der Biodiversität, eine pestizidfreie Produktion und einen Tierbestand, der mit dem auf dem Betrieb produzierten Futter ernährt werden kann, umfasst. Ist klar und deutlich kein Futtertausch. Ist nur eine Landwirtschaftsfeindliche Initiative die unbedingt abgelehnt werden muss!

  3. Biobergbäuerin
    Fragen an die Befürworter der Initiative:
    – was passiert wenn ich wegen Missernte oder Trockenheit zu wenig eigenes Futter habe, müssen meine Tiere hungern?
    – was passiert bei Arbeitsteilung von zwei Nachbarn z.B. einer hält Tiere, der andere produziert Futter. Kann der Futterproduzent seinem Nachbarn nicht mehr Futter liefern?

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