Sonntag, 29. Januar 2023
28.11.2022 18:21
Neuenburg

Sabotage, Kuhabgänge und Fast-Brände 

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Von: sal

Seit dreissig Jahren ist Werner Schüttel Bauer im Neuenburger Jura. Im Mai 2022 wurde sein Hof versteigert. Dem «Schweizer Bauer» erzählte er, was er dort erlebt hat und wie es zur Versteigerung kam. 

«Heute, den 20. Mai 2022, einen Monat vor meinem 79. Geburtstag, wurde ich als Nichtlandwirt Eigentümer des Hofes Le Creux in Le Cerneux-Péquignot mit einer Fläche von 64,5 Hektaren.» Das postete ein Mann auf Facebook. Das Newsportal www.arcinfo.ch schrieb drei Tage später, ein Berner Paar habe in La Chaux-de-Fonds NE den Hof für 1,4 Millionen Franken ersteigert und wolle dort Pferde halten.

«Preis viel zu hoch»

Ein halbes Dutzend junge Landwirte aus der Region habe mitgeboten, mit dem Wunsch, sich dort niederzulassen. Dass ein Gläubiger des verschuldeten Landwirts den Zuschlag bekommen habe, habe gewisse Junge aus der Region geärgert. Angesichts des Investitionsbedarfes auf dem Hof seien die 1,4 Millionen Franken viel zu hoch gewesen für sie, die rentabel bauern müsse, sagte eine junge Landwirtin zu arcinfo.ch.

Wer ist der frühere Eigentümer des Hofes Le Creux? Es ist Werner Schüttel. Mit dem «Schweizer Bauer» sprach er offen über seine Erlebnisse im Neuenburger Jura. Er lebt nach wie vor auf Le Creux und besorgt zusammen mit seiner Angestellten die rund 30 Milchkühe der Rasse Simmental (früher hatte er bis 50 Kühe). Er bewirtschaftet neben dem Eigenland von 64,5 Hektaren auch noch Pachtland. Die Molkereimilch wird von der Milchhändlerin Mooh abgeholt. Ende der 1980er-Jahre hatte seine Mutter das Heimwesen gekauft, 1993 kaufte Werner Schüttel ihr es ab.

«Zäune durchgeschnitten»

Schon 1991 habe «es» begonnen, berichtet Schüttel. Mit «es» meint er Sabotage- und Gewaltakte gegen ihn. Man habe ihn von Anfang an weghaben wollen, vermutet Schüttel. Wer wollte ihn weghaben? Laut Schüttel zuerst wahrscheinlich Landwirte aus der Region, später sieht er Verbindungen zu weiteren Kreisen. Es begann mit zerstörten Zäunen entlang der Kantonsstrasse, sodass seine Tiere entlaufen konnten. Schüttel erstattete Strafanzeige gegen Unbekannt, wie viele folgende Strafanzeigen verlief diese im Sand.

Es gibt auch Leute, die sagen, er habe die Zäune vielleicht nicht gut unterhalten. Die Häufigkeit, der Ort des Entlaufens (immer in der Nähe der Kantonsstrasse) und der Zeitpunkt (Schüttel sagt: jeweils zwischen Mitternacht und 2 Uhr morgens) sprechen prima vista gegen diese These. Schüttel betont, das gelbe Zaunband sei durchgeschnitten worden, das habe man am glatten Schnitt gesehen, die Polizei habe das auch entsprechend aufgenommen. Eine Zeitlang liess er die Tiere deshalb nachts nicht mehr auf die Weide.

Er hat auch jahrelang viele Bierbüchsen (Marke Heineken) im Heugras gefunden. Es gehe um Hunderte Alubüchsen, er musste deshalb immer anmähen entlang der Strasse mit Motormäher. Heuer fand er keine einzige Büchse entlang der Strasse – Schüttel vermutet, dass man dachte, er sei angesichts der Versteigerung vom 20. Mai 2022 bereits weg, sodass man jetzt nicht mehr seine Tiere gefährden, ja töten wollte.

Werner Schüttel ist seit 1991 Landwirt in Le Cerneux-Péquignot NE. 
Daniel Salzmann

Tiere plötzlich abgegangen – Gift? 

Vieh wurde vergiftet, Kühe und Kälber gingen innert weniger Tage ab, sein Tierarzt sprach von Nervengiften, die zu Organversagen führten. Schüttel spricht von total um die 150 Kühen, Kälbern und Katzen, die ihm seit 1993 unter sehr verdächtigen Umständen abgegangen seien, sodass er Gift im Spiel sehe.  Das wären ja wahnsinnig viele, ob er da nicht übertreibe? Schüttel versichert, dass es so war. Laboranalysen haben er hier mangels finanzieller Möglichkeiten nicht gemacht. Bei Kühen, Rindern und Kälber habe aber jedes Mal den Tierarzt zugezogen, also über 100 Mal, jedes Mal gleiche Symptome, die laut Tierarzt nach Vergiftung reichen, immer behandelt mit Antibiotika, Schmerzmitteln, Entzündungshemmern. Im Jahr 2017 habe er an einem Durchgangsweg für sein Vieh Fertigbetonmehl mit Viehsalz angereichert am Boden gefunden, das hätte das Milchvieh nicht überlebt, diesen Vergiftungsversuch habe er zum Glück verhindern können, indem er das entdeckte und später in einem Labor in Bern analysieren liess. Hier machte er auch eine Anzeige, und zwar in Bern, nachdem man ihm im Neuenburgischen gesagt habe, es sei ja nichts passiert. 

Auch deshalb habe er zweieinhalb Jahre lang, bis Februar 2022, im Stall geschlafen, um weitere Schäden zu verhindern. Die Matratze liege immer noch dort, sagt er. Bezüglich der Tiere habe sich die Situation beruhigt, mit Ausnahme einer Kuh, die Ende Juni 2022 unter sehr mysteriösen und verdächtigen Umständen abging (vgl. Teil 3 dieser Serie). Schüttel führt dies auch auf den Hund zurück, den er sich angeschafft habe und der allfällige Saboteure und Angreifer abschrecke. Wenn er sich zur Wehr setze, dann auch wegen der vergifteten Tiere: «Ich musste so oft zusehen, wie Tiere von mir elendiglich zugrunde gingen.»

Sabotage an Maschinen

Auch Maschinen seien seit Jahren x-fach sabotiert worden, im Sommer 2021 etwa wurde beim Fendt 724 während der Heuernte der Klimakompressor gelöst (Mutter losgeschraubt) und Dieselschläuche angeritzt. Er meldete den Schaden beim GVS-Händler seines Vertrauens, der Juniorchef, der auf Platz kam, sagte ihm, das Problem beim Klimakompressor sei bei Fendt nicht bekannt, das habe er so noch nicht gesehen.

Bei der Rundballenpresse sei die Netzbindung komplett verstellt worden. Bei einem Traktor hätten neue Nägel in den Pneus gesteckt. Beim Doppelschwader Claas 2006 seien mehrere Reifen zerstochen werden. Auch Zitzengummis in der Melkmaschine wurden zerstört. Schüttel weiss auch, dass bei einem Doppelschwader eines Deutschschweizers in der Gegend heuer ein Pneu zerstochen wurde, der Betreffende hat das dem «Schweizer Bauer» bestätigt.

Der Hof «Le Creux» liegt abgelegen an der Kantonstrasse zwischen Le Cerneux-Péquignot und Le Locle. Blick von der Kantonsstrasse aus südlicher Richtung. 
Daniel Salzmann

Beinahe-Brände auf dem Heustock

Im Oktober 2007 brannten auf dem Heustock vier Heuballen, und zwar solche, die er im Juni eingebracht habe, sodass es ausgeschlossen sei, dass sie sich vier Monate später von selbst entzünden könnten. Schüttel vermutet Brandstiftung. Die polizeilichen Ermittlungen verliefen ergebnislos, Schüttel denkt, auch deshalb, weil in der Region alle unter einer Decke stecken würden. Rund ein Jahr später sei ein Landwirt aus der Region auf die Heubühne gekommen und habe zu ihm das Zeichen des Kehledurchschneidens gemacht, die Polizei habe das beobachtet, sagt Schüttel.

Im September 2015 wäre erneut fast ein Brand auf dem Heustock ausgebrochen, fast an derselben Stelle. Schüttel hatte alle Mühe, die lokale Feuerwehr dazu zu bringen, den Schwelbrand nicht mit Wasser zu bekämpfen, sondern mit Schaum, die regionale Feuerwehr gab ihm später Recht.

Doch es kam noch schlimmer. 

Die Serie

Lesen Sie in den nächsten Tagen : 

Teil 2: Der Überfall am 27. Dezember 2014 
Teil 3: Der Einbruch eines Bauernlehrlings am 29. Juni 2022
Teil 4: Wie sich mehrere Interessenten um Schüttels Hof rissen
Teil 5: Warum bei der Versteigerung ein Nichtlandwirt den Zuschlag erhielt

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3 Responses

  1. Der Fall: Werner Schüttel
    wird leider nicht der einzige Fall in der Schweiz sein.
    Das System der Amtsstellen in den Gemeinden , Kanton und Bundesstellen muss dringend auf die Glaubwürdigkeit, Unabhängigkeit zwischen Justiz und Politik verbessert überprüft werden. Geschäftsprüfungsorgane sind überfordert oder
    personell zu wenig kompetent. Sofortige Massnahmen : Ein möglicher Vorschlag, Unabhängige Ombudsstelle für Landwirt/in inkl. Rechtsberatung. Stopp von Missachtung und Amtsmissbrauch.

  2. Ich finde dies eine in der Schweiz tätige Aktionen, und warum nicht einmal einem Jungen die Möglichkeiten geben um einen Hof zu bewirtschaften, wenn mann schon junge findet die das gerne machen würden, denn man könnte auch
    eine Klausel im Vertrag schieben für den Verkäufer, Bank und dem Betreiber ganz einfach. Aber so digt unsere Politike, Bauernverband und die Bauer Politik ist der gleiche Saftladen wie die Hotel und Restaurant Branche inklusiv Gastroverband und Politik.

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