Freitag, 3. Februar 2023
14.01.2023 10:30
Berner Dragoner

Der älteste Reiter ist 81, der jüngste 27

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Von: Karin Rohner

Die Berner Dragoner 1779 versammeltem sich vor dem Bundeshaus in Bern für den Neujahrsempfang des Diplomatischen Corps durch den Bundespräsidenten Alain Berset. Anschliessend wurden Ehrungen durchgeführt.

Die Berner Dragoner 1779, Inbegriff von Traditionen und Kameradschaft, sind ein nicht mehr wegzudenkendes Bild an diesem jährlichen Event. Aber wer gehört zu dieser offiziellen berittenen Repräsentations- und Ehrenformation des Kantons Bern, und wie sieht das Anforderungsprofil aus?

Antwort weiss Stefan Küng, Inspecteur und Präsident der Berner Dragoner 1779: «Aktuell sind wir gesamthaft 40 Mitglieder, davon 35 beritten. Der älteste der Reitenden ist 81 und der jüngste 27.»

Für Stefan Küng gilt der Pferderücken als ein Ehrenplatz: «Dieses edle Geschöpf verbindet uns in Freundschaft und verleiht uns diese ganz besondere Begeisterung.»

Die Mitglieder identifizieren sich sehr mit der ganzen Philosophie der Dragoner, denen nichts über ihr Pferd geht. Sie stellen hohe Ansprüche an die Ethik gegenüber dem Pferd, die Tradition und die Freundschaft.

Pferde aus Privatbesitz

Die wichtigste Anforderung, um als Reiter bei den Berner Dragonern aufgenommen zu werden ist ein eigenes Pferd, welches sich problemlos in die Formation einbinden lässt. «Die Interessierten werden an Schnuppertrainings beurteilt und sollten sichere Reiter sein. Natürlich ist auch eine ordentliche Portion Geselligkeit ein Teil des Anforderungsprofils», erklärt Stefan Küng. Sämtliche Pferde, die eingesetzt werden, sind privat gehalten und gehören den Reitern.

Dragoner

Nach den Bauernkriegen 1665 wurde die Bernische Reiterei organisiert und die Truppe erstmals als Dragoner bezeichnet. Als Dragoner wurde ein mit Schusswaffen ausgerüsteter Kavallerist genannt.

Der Dragoner blieb in der Schweiz zu allen Zeiten ein sich zu Pferd fortbewegender, aber zu Fuss kämpfender Soldat. 1852 entstand die eidgenössische Armee und 1972 wurde die Kavallerie aufgelöst.

Die Dragoner des 20. Jahrhunderts in der Schweiz waren grossmehrheitlich Landwirte, die gegenüber dem Staat etliche Verpflichtungen eingehen mussten mit dem Kauf eines Pferdes und der Erhaltung der Militärdiensttauglichkeit mittels obligatorischer Mitgliedschaft in einem Kavalleriereitverein.

«Wir hätten auf Grund der Mitgliedschaft bei der Organisationseinheit Schiesswesen und Ausserdienstliche Tätigkeiten (SAT) Anrecht auf Bundespferde, mussten diese Option aber noch nie in Anspruch nehmen. Zudem haben wir mit unserem Kommandanten Ernst Voegeli einen Pferdehalter, welche auch immer mal wieder ein Pferd zur Verfügung gestellt hat, wenn ein Pferd im Hinblick auf einen Auftritt kurzfristig ausgefallen ist.»

«Schon als Bub wusste ich, was ich einmal will»

Jürg Häni ist seit 1996 dabei, ritt heute seinen 12-jährigen Franzosen-Wallach «Baldi». Der Landwirt wohnt in Grafenried und kümmert sich um 32 Angus-Mutterkühe plus Jungvieh. Er entstammt einer Dragoner-Familie und fühlt sich bei den Berner Dragonern 1779 wohl: «Am besten gefallen mir das Reiten und das damit verbundene Training, welches sehr guttut, sowie natürlich die gelebte Kameradschaft»

Auch Landwirt Martin Räber aus Rüti bei Riggisberg teilt die Leidenschaft für das Pferd, ist immer geritten, führt heute einen Betrieb mit 20 Kühen und zehn Pferden und züchtet Trakehner. Er ist seit 2014 Mitglied bei der Truppe und ritt schon in anderen Formationen: «Schon als Bub wusste ich, was ich einmal will, nämlich eine Familie haben, Landwirt sein und zu den Dragonern gehören.»

«Gemeinsam reiten»

Dass alle am selben Strick ziehen, gefällt Landwirt Fredy Liechti am besten. Er ist seit 14 Jahren dabei, führt einen kleinen Reitbetrieb mit Pferdezucht und hält 20 Pferde: «Man lernt hier viel, kann gemeinsam reiten und die Geselligkeit pflegen. Für mich ein idealer Ausgleich und ich schätze die schöne Kameradschaft».

Das Formationsreiten wurde aus der Militärreiterei entwickelt und die Berner Dragoner 1779 konservieren dieses Wissen, geben es weiter und zeigen auf, was mit Freude und Fleiss alles möglich ist. Trainiert wird alle zwei bis drei Wochen. Im Winter in den Reithallen des Nationalen Pferdezentrums NPZ in Bern und im Sommer auf dem Reitplatz im Sand-Schönbühl.

Ohne Fleiss keinen Preis

Um die angestrebte Qualität der Präsentationen zu gewährleisten, ist ein beachtlicher Trainingseinsatz unabdingbar. Die Schwadronsschule, also eine Quadrille im Galopp, stellt hohe Anforderungen hinsichtlich Können und Disziplin.

«Die Vorführungen unserer Schwadronsschule stellen eine Kernkompetenz des Vereins dar, und wir wollen diese Art von Reiterei erhalten und zusammen ausüben. Unsere 1991 gegründete Truppe verkörpert und lässt einen Teil der Berner Geschichte lebendig werden. Unsere Aufgabe ist es, das Wissen rund um die Kavallerie an die nächste Generation weiterzugeben, damit dieses erhalten bleibt», sinniert Stefan Küng.

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