Freitag, 24. September 2021
24.07.2021 06:00
Trainblog (18/25)

«Diese Erfahrung kann mir niemand mehr nehmen»

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Von: ats

Mit dem eigenen Freibergerpferd als Trainsoldatin in der Schweizer Armee: Anja Tschannen erzählt im Trainblog von ihren Erlebnissen während der Sommer-Rekrutenschule 2020. Wenn sie nicht gerade mit dem Trainpferd über Stock und Stein stampft, ist sie als Redaktorin beim «Schweizer Bauer» und als Landwirtin tätig. In diesem Teil geht es um die Fahrausbildung der Trainpferde.

Nach einem tierischen Wochenende ohne meine Liebsten, dafür mit Tierwache auf dem Waffenplatz, steht diese Woche die Fahrausbildung an. Da ich die Rekrutenschule mit meinem eigenen Pferd absolviere, darf ich quasi automatisch an der Fahrausbildung teilnehmen.

Eigentlich würde die Fahrausbildung zwei Wochen dauern und mit dem Besuchstag als Höhepunkt enden. Dieses Jahr ist alles etwas anders. Da der Besuchstag coronabedingt ins Wasser gefallen ist, dauert die Ausbildung nur eine Woche.

Eine relaxte Woche auf der Kutsche

Zwei weitere Rekruten und ein Wachtmeister, welcher den Dienst ebenfalls mit dem eigenen Pferd absolviert, dürfen gemeinsam mit der Fahrlehrerin die Woche auf der Kutsche verbringen. Ewig ist es her, seit ich mein Fahrbrevet absolviert habe. Und obwohl ich Zuhause regelmässig einspännig fahre, kommt eine Auffrischung ganz gelegen. Vor allem, wenn wir zweispännig Anspannen.

Für uns bedeutet dies eine recht relaxte Woche. Während unsere Kammeraden mit beladenen Pferden ausrücken, auf den Warmblütern ihre Reitstunden absolvieren oder eine Einführung ins Gefechtsschiessen bekommen, trudeln wir mit unseren Fahrpferden durch den Wald.

Das Wetter dafür könnte nicht besser sein, die perfekten Frühherbsttage. Vor mir an der Kutsche trabt Haydo. Der rhythmische Klang von Eisen auf Stein lässt meine Gedanken abschweifen.

Erfahrungen, die uns niemand mehr nehmen kann

Unglaublich, wie schnell der Sommer vorbeigeflogen ist. Halbzeit der Rekrutenschule. Ich denke zurück an den Anfang, die ersten vier Wochen waren schon etwas happig. Hochsommer, Knochenhautentzündung an den Schienbeinen, Freizeit und Freiheit ade und natürlich eine Schwemme von neuen Eindrücken und Ausbildungen.

Dann kamen die Armeetiere, mit ihnen mehr Verantwortung, aber auch mehr Luft zum Atmen. Ich bin froh, meinen Weg entgegen aller dummen Kommentaren, Kritiken und Zweifeln eingeschlagen zu haben und die Rekrutenschule als Trainsoldat mit meinem eigenen Pferd zu machen.

Erfahrungen und Erlebnisse, die mir niemand mehr nehmen kann und bereits jetzt weiss ich, dass mich die Zeit hier wieder einen Schritt weitergebracht hat und noch weiterbringen wird. Auf jeden Fall ist Haydos und meine Geschichte immer wieder spannend für Aussenstehende.

Trainvorkurs für einen ersten Eindruck

Szenariowechsel. Vor mir an der Kutsche trabt Haydo. Diesmal wird der Klang der Eisen vom Sandgemisch des Reitplatzes verschluckt. Wortfetzen schwappen zu mir rüber. Am Zaun stehen gut zwei Dutzend Zivilisten.

Gerade ist unser Fachinstruktor dabei, ihnen Haydos Geschichte zu erzählen. «Gut», denke ich, wenn sie schon nur jemanden dazu inspiriert, seinen Weg zu gehen, dann ist meine persönliche Mission schon mehr als erfüllt.

Bei den Zivilisten handelt es sich um potenzielle, künftige Trainrekruten. Sie sind für den Vorkurs hier, um einen Einblick in unsere Arbeit beim Train zu erhalten.

Lustig wie das Leben spielt

Ich kann mich noch sehr gut an meinen Vorkurs erinnern. Etwa mehr als ein Jahr ist es her, als der definitive Entschluss gefallen war, an die Aushebung zu gehen. Der Vorkurs gibt nicht nur eine Übersicht über den Traindienst, sondern kann bei der Aushebung als Türöffner für die Einteilung zum Train dienen.

Für mich war es damals die Möglichkeit abzuklären, ob meine Idee mit dem eigenen Pferd in die Armee zu gehen so wie ich es geplant hatte aufgeht und welche Bedingungen wann wie erfüllt werden müssen.

Und jetzt sind Haydo und ich selbst Teil davon. Lustig, wie das Leben spielt, wenn man es in die Hand nimmt.

Bisherige Einträge:

Teil 17: Militärpferde: Arbeiten für Landwirte
Teil 16: Militärpferde: Endlich Patrouillenreiter – Schweizer Bauer
Teil 15: «Meine grösste Angst: Nicht auf  das Pferd zu kommen»
Teil 14: Endlich, die Militärpferde kommen
Teil 13: Vier Wochen ohne Militärpferde
Teil 12: Das eigene Pferd auf den Militärdienst vorbereiten
Teil 11: Ich kaufe Haydo zurück
Teil 10: Armeepferde: Start ins Militärleben
Teil 9: Schlusstest für künftige Militärpferde
Teil 8: Militärpferde auf Inspektion vorbereiten
Teil 7: Trainpferde: Karren ohne Kutscher ziehen
Teil 6: Militärpferde auf das Podest stellen
Teil 5: Trainpferde müssen auch Holz ziehen
Teil 4: Die Königsdisziplin der Trainpferde
Teil 3: NPZ bildet die jungen Militärpferde aus
Teil 2: Sein eigenes Pferd der Armee verkaufen
Teil 1: Mit dem eigenen Pferd in die Armee

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