Freitag, 3. Februar 2023
18.04.2022 13:34
Tierzucht

Eier von Gentech-Hühner verpönt

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Von: AgE

Forscher in Israel haben Hühner mit dem neuen Züchtungsverfahren CRISPR/Cas so verändert, dass keine männlichen Nachkommen mehr schlüpfen, da sie als Embryo im Ei sterben. Im Erbgut der Legehennen sind laut Hersteller keine artfremden Gene mehr zu finden. Das Verfahren und die Tiere sind bereits zum Patent angemeldet und sollen vermarktet werden. 

Der Verband Lebensmittel Ohne Gentechnik (VLOG) kritisierte , dass die Generalsdirektion Gesundheit der EU-Kommission (DG Sante) in einem Schreiben an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Auffassung vertritt, dass für diese Legehennen und Eier weder Zulassungsverfahren noch Kennzeichnung nötig seien.

Laut VLOG steht dies nicht nur im Widerspruch zum Gentechnikrecht, sondern insbesondere auch zu den Verbraucherwünschen.

Kennzeichnung gefordert

Dies belege eine aktuelle repräsentative Befragung von 2’500 Personen in Deutschland durch das Meinungsforschungsunternehmen Civey im Auftrag des Verbandes. Demnach fordern 85 % der Konsumenten, dass Eier von Hühnern, die von gentechnisch veränderten Zuchthennen abstammen, entsprechend gekennzeichnet sein müssten.

Weitere 70 % der Befragten gaben an, solch Eier nicht kaufen zu wollen. „Die Umfrage zeigt einmal mehr: die Menschen wollen wissen, wie ihre Lebensmittel hergestellt werden“, betonte VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting.

Sollte so ein Verfahren eines Tages nach gründlicher Risikoprüfung zugelassen werden, müsste der Gentechnikeinsatz transparent auf den Endprodukten gekennzeichnet werden. Auch der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) übte Kritik an der EU-Kommission.

Aufweichung?

„Wenn Legehennen und Eier direkt von einem gentechnisch veränderten Tier abstammen, sind selbstverständlich auch sie Gentechnikprodukte“, so Hissting weiter. Er warf der EU-Kommission vor, die Gesetze für die Zulassung und Kennzeichnung von Gentechnik-Lebensmitteln aufzuweichen.

In Deutschland würden jedes Jahr „Ohne Gentechnik“-Eier im Wert von mehr als 1 Mrd Euro verkauft. Dieser Erfolg sei in Gefahr, wenn die EU bei ihrer Bewertung bliebe und die Eier der CRISPR-Hühner ungeprüft und ungekennzeichnet auf den Markt kämen.

Der geschäftsführende Vorstand des BÖLW, Peter Röhrig, mahnte ebenfalls, dass die Bürger Gentechnik im Essen erkennen können und Wahlfreiheit haben müssten. Das gelte auch für Hühner und Eier, die per CRISPR/Cas gentechnisch verändert worden seien. „Europa hat dafür eine passende und moderne Regulierung“, so Röhrig.

Prozessorientierten Ansatz behalten

Die Gentechnik-Referentin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Annemarie Volling, forderte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir auf, sich für eine strikte Regulierung neuer Gentechniken im Sinne des Vorsorgeprinzips einzusetzen.

„Wird im Züchtungsprozess Gentechnik eingesetzt, wie hier bei den mit CRISPR veränderten Zuchthennen, dann müssen die Nachkommen auch der Gentechnikregulierung unterzogen werden“, betonte Volling. Das entspreche dem prozessorientierten Ansatz, der in der EU-Gentechnik-Gesetzgebung festgeschrieben sei und nicht von der Kommission unterlaufen werden dürfe.

Es könne nicht nur das Endprodukt beurteilt werden. Der Obmann der Grünen im Bundestagsernährungsausschuss, Karl Bär, rief die EU-Behörden dazu auf, „jeden einzelnen Fall von Gentechnik in Lebensmitteln einer kritischen Prüfung unterziehen“. Behörden, die Annahmen der Industrie zu umstrittenen Produkten ungeprüft übernähmen, machten ihren Job nicht im Sinne der Bürger.

Transparenz muss geregelt werden

Generell sei es falsch, Tiere mit Gentechnik an die Bedingungen in der industriellen Tierhaltung anzupassen und zu patentieren. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Rita Hagl-Kehl betonte, dass die Verbraucher ein Recht hätten zu erfahren, wie ihre Lebensmittel erzeugt worden seien.

Nur wenn auch der Einsatz neuer Gentechniken konsequent gekennzeichnet werden müsse, könnten sie bewusst auswählen. Auch für neue Gentechniken wie CRISPR/Cas müssten daher Transparenz und Risikoüberprüfung verpflichtend geregelt bleiben. 

 

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