Freitag, 20. Mai 2022
19.01.2022 06:44
Wolf

Jagdgesetz: Weg für Revision geebnet

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Von: ats

Der Wolfdruck in der Schweiz nimmt stetig zu, dies führt insbesondere während der Alpsaison zu Konflikten. Die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrats (Urek-N) hat nun eine parlamentarische Initiative zur Änderung des Jagdgesetzes angenommen. Das revidierte Jagdgesetz solle 2023 in Kraft treten, für den Sommer 2022 brauche Notmassnahmen, so der Schweizer Bauernverband (SBV).

Die Wolfsituation in der Schweiz spitzt sich immer mehr zu. Das wird vor allem während der Alpzeit klar. «Durch die exponentiell zunehmenden Wolfsbestände nimmt der Druck immer weiter zu und hat ein für die Bergland- und Alpwirtschaft erträgliches Mass längst überschritten», schreibt die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) in einer Mitteilung.

Die Wölfe reissen längst nicht mehr nur Kleinwiederkäuer, sondern greifen Rinderherden, Equiden und Kameliden an.  «Die im Juli 2021 in Kraft getretene Revision der Jagdverordnung vermochte für die betroffenen Landwirtinnen und Landwirte keine substanzielle Erleichterung der Situation zu schaffen», äussert sich die SAB.

Annäherungsversuche zu Menschen

Der Druck und der zusätzliche Arbeitsaufwand steigen. «Der Verlust an geliebten Tieren, die psychische Belastung der Älpler und der nicht entschädigte Arbeitsaufwand für Herdenschutz führen dazu, dass die Bealpung in betroffenen Regionen kaum noch möglich ist», so der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband (SAV). Herdenschutzmassnahmen sind selbst bei ordnungsgemässer Ausführung kein Garant mehr für eine rissfreien Sommer.

Die Wölfe passen ihr Jagdverhalten an, sind intelligent und geben das gelernte an die Nachkommen weiter. Ausserdem kommt es vermehrt zu Kontakten und Annährungsversuchen zwischen Wolf und Mensch.

Organisationen ziehen am gleichen Strang

Zeit zu handeln, so sehen es auch verschiedene Interessengruppen von Landwirtschaft bis hin zum Umweltschutz. Die Organisationen Schweizer Bauernverband (SBV), Schweizerischer Alpwirtschaftlicher Verband (SAV), Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB), Schweizerischer Forstverein (SFV), JagdSchweiz, BirdLife Schweiz, Gruppe Wolf Schweiz, Pro Natura und WWF Schweiz sind mit einer gemeinsamen Haltung, welche die verschiedenen Anliegen berücksichtigt, bereit für eine erneute Jagdgesetz-Revision.

Die Interessengruppen wollen am gleichen Strang ziehen und sind sich einig, das neue Ansätze und eine Flexibilisierung im Umgang mit dem Wolf, unter anderem eine präventive Regulierung von Wolfbeständen, nötig ist.

Hofft auf rasche Entscheide

Die gemeinsame Haltung konnte bereits vor der Urek-N dargelegt werden. Durch die Zusammenarbeit der Interessengruppen ist eine mehrheitsfähige Vorlage möglich, welche im Parlament eine Chance haben sollte, rasch beschlossen zu werden.

Nun hofft man auf eine möglichst effiziente und rasche Abwicklung des Revisionsprozesses , welcher der breit abgestützten Linie der Interessengruppen folgt, damit das revidierte Jagdgesetzt möglichst bald -voraussichtlich im 2023- in Kraft treten kann.

Für Alpsommer 2023 

«Aus Sicht der Landwirtschaft ist eine Anpassung der rechtlichen Vorgaben zur Regulation des Wolfes zwingend, um den Schaden an den Nutztieren einzudämmen und die Alpwirtschaft nicht zu gefährden», schreibt der Schweizer Bauernverband (SBV) in einer Stellungnahme.

Die Interessengruppen erwarten, dass das Parlament die gemeinsame Haltung berücksichtig, damit es für eine Revision auf die Alpsaison 2023 hin reicht. «Bei der Revision des Jagdgesetzes muss auch der Volkswille aus der Volksabstimmung vom 27. September 2020 berücksichtigt werden», betont das SAB.

«Für die Landwirtschaft ist schnelles Handeln nötig. Das revidierte Jagdgesetz sollte 2023 in Kraft treten können, für den Alpsommer 2022 braucht es Notmassnahmen», schreibt der Schweizer Bauernverband.

 

Stimmen von den weiteren Interessegruppen

Urs Leugger-Eggimann, Zentralsekretär Pro Natura: «Wir haben gemeinsam ein ausgewogenes Gesamtpaket für eine neue Jagdgesetzrevision ausgearbeitet. Die Naturschutzorganisationen sind erfreut, dass jetzt ein Vorschlag für eine rasch umsetzbare, schlanke und mehrheitsfähige JSG-Revision vorliegt.»

Raffael Ayé, Geschäftsführer BirdLife Schweiz: «Bereits im Bundesbüchlein für die Jagdgesetz-Abstimmung vom 27. September 2020 haben die Naturschutzorganisationen eine neue, ausgewogene Gesetzesrevision vorgeschlagen, die den Schutz wildlebender Tiere und eine pragmatische Regulierung des Wolfes beinhaltet. Macht das Parlament mit, sind wir nahe am Ziel.»

David Gerke, Präsident, Gruppe Wolf Schweiz: «Die Regulierung des Wolfs kann flexibler gestaltet werden, wobei sowohl die Tierhaltung als auch die Naturverjüngung in den Wäldern zu berücksichtigen sind. Die heutige Kompetenzordnung zwischen Bund und Kantonen und die Pflicht zum Herdenschutz vor Abschüssen bleiben selbstverständlich bestehen.»

Océane Dayer, Political Advisor WWF Schweiz: «Die Naturschutzorganisationen sind überzeugt, dass bei Bereitschaft aller Seiten, auf einseitige Maximalforderungen zu verzichten, rasch eine gute schlanke, mehrheitsfähige Gesetzesrevision möglich ist. Diese Chance gilt es zu nutzen.»

 

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4 Responses

  1. Endlich. Mal sehen was wirklich ändert wenn alle Umweltorganisationen so schön einverstanden sind!! Eins ist sicher wir bleiben dran.

  2. Geht in Ordnung, aber dann bitte sehr „Luderei“ , „Fleischfährten „legen, Aborte und Nachgeburten in Siedlungsnähe entsorgen etc unterbinden und hart sanktionieren! Lotterhaftes und Laienhaftes zäunen ( wie vielfach immer noch gesehen wird) ebenfalls sanktionieren! Ebenfalls muss die Wilderei viel härter bestraft werden. Wilderei muss für die betreffende Region finanzielle Konsequenzen haben.

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