Freitag, 23. Juli 2021
15.07.2021 12:10
Fütterung

Fenaco: Futterzusatz gegen Reduktionsrecht

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Von: blu

Der Futterhersteller UFA hat im Mai ein Mineralfuttermittel eingeführt. Ein Zusatzstoff führt dazu, dass die Milchkühe 10 bis 20 Prozent weniger Methan ausstossen. Die Bauern erhalten das Futtermittel ohne Zusatzkosten. Sie treten dafür aber die Emissionsreduktionsrechte an die Fenaco ab.

Gemäss ihrer langfristigen Klimastrategie will die Schweiz ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 halbieren und bis 2050 nicht mehr Treibhausgase ausstossen, als natürliche und technische Speicher aufnehmen können.

75’000 Tonnen Methan

Die Landwirtschaft verursacht in der Schweiz rund 13 Prozent der Treibhausgasemissionen. Laut Fenaco stossen die rund 550’000 Milchkühe in der Schweiz beim Verdauen insgesamt rund 75’000 Tonnen Methan aus, das entspricht 1,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten.

Methan hat jedoch einen massiv grösseren Effekt. Dieser ist rund 25 Mal so gross jener von CO2. Die Fenaco will mit ihrem Tochterunternehmen UFA beim Methan ansetzen. Mit dem Programm UFA Swiss Climate Feed (USCF) will der Konzern einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Bis 20 Prozent weniger Methan

Futterhersteller UFA hat im Mai das Mineralfutter UFA 295 Biotin USCF auf den Markt gebracht. Gemäss Mitteilung enthält diesen den natürlichen Futtermittelzusatzstoff Agolin Ruminant des Schweizer Unternehmens Agolin SA. Dieser Zusatzstoff verbessert die Verdauung der Kühe.

Dadurch stossen die Tiere 10 bis 20 Prozent weniger Methan aus. Diese Wirkung bestätigt der Swiss Clean Tech Report 2020 der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Das Potenzial zur Reduktion des Methanausstosses beziffert die Fenaco auf mehrere 100’000 Tonnen CO2-Äquivalente.

«Mit dem klimaschonenden Futtermittel leisten die Schweizer Landwirtinnen und Landwirte einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz», schreibt die Fenaco. Und es steigert die Effizienz. Die Kühe produzieren mehr Milch und benötigen 2/3 gleichzeitig weniger Futter. Feldversuche bestätigen die hohe Akzeptanz des neuen Futters bei den Kühen.

Gemäss wissenschaftlichen Versuchen und Feldtests verbessert der Zusatzstoff im Mineralfutter die Verdauung der Milchkühe und reduziert damit die Methanemissionen um 10 bis 20 Prozent.
UFA

Fenaco handelt Reduktionsrechte

Die Milchbauer erhalten den Mineralstoff ohne Zusatzkosten. Die Fenaco gibt den Zusatz nicht «kostenlos» ab. Nehmen die Bauern das Angebot der Fenaco an, treten sie die Emissionsreduktionsrechte an den Konzern ab, die durch das Verfüttern des klimaschonenden Futtermittels erzielt werden.

Diese Rechte wiederum sollen in CO2-Zertifikaten umgewandelt werden. Aus den Handelserlösen der Zertifikate will die Fenaco laut Mitteilung die Kosten für das Methan hemmende Zusatzprodukt sowie den Aufwand für den Zertifizierungsprozess decken. «Das ist eine Win-Win-Situation», sagt Anita Schwegler, Leiterin Nachhaltigkeit und Umwelt bei der Fenaco. «Deshalb gehen wir in eine finanzielle Vorleistung und ermöglichen damit ab sofort einen Beitrag zum Klimaschutz», fährt sie fort.

2022 soll Ausdehnung erfolgen

Bei steigenden Zertifikatspreisen könnte sich der Deal für die Fenaco in Zukunft lohnen. Derzeit wird das «UFA Swiss Climate Feed Programm» von unabhängiger Stelle validiert. Bei erfolgreicher Validierung können die Emissionsreduktionen zu handelbaren CO2-Zertifikaten umgewandelt werden.

Bei der Fenaco gibt man sich für die Zukunft optimistisch für dieses Geschäftsmodell. Sollte das Konzept bei den Bauern gut ankommen Marktakzeptanz sowie bei erfolgreicher Validierung, plant die UFA ab 2022 die Anreicherung von weiteren Futtermitteln mit dem klimaschonenden Zusatzstoff.

Agolin

Der Futterzusatz Agolin ist ein im schweizerischen Bière VD von der gleichnamigen Firma hergestelltes Produkt, das laut dem Hersteller auf pflanzlichen Wirkstoffen basiert. Es wurde kürzlich auch vom weltgrössten Schokoladeproduzenten Barry Callebaut erfolgreich eingesetzt. Durch Versuche mit Agolin in den USA und den Niederlanden gelang es dem Unternehmen erstmals, die Reduktion des Ausstosses von Treibhausgas verlässlich zu messen.

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15 Responses

  1. Es wird immer besser: Nach dem es den ‚Ablasshandel‘ mit Klimazertifikaten schon länger gibt, führt nun die Fenaco defacto die ‚Leibeigenschaft‘ für Milchbauern, die ihre Produkte kaufen, ein!
    Vor wieviele Karren lassen wir Bauern (Esel) uns eigentlich noch spannen? 😉

    1. Ablasshandel sondergleichen! Und wie immer ganz vorne dabei; die Fenaco. Es geht wie immer um Geld, viel Geld. Ob nun handel mit Futtermittel oder Zertifikaten spielt dabei wohl keine Rolle (aber gleich beides ist natürlich perfekt). Ah sry, es geht der Fenaco natürlich nur um die Umwelt… Schwachsinn 😉

    2. Nicht kaufen ist die Antwort.
      Die Reduktion erfolgt beim Bauern. Also soll dieser über diese Zertifikate verfügen und den möglichen Profit für sich reklamieren.

  2. Ein Futterzusatz der die Energie vom Methan dem Tier zur Verfügung stellt, ist erstmal ein für alle ein Gewinn.
    Dir passt der Hersteller nicht, von wem möchtest du den Futterzusatz abkaufen? Fakt ist, die Fenaco nützt den Bauern. Dass sie dabei wirtschftlich erfolgreich ist schadet uns nicht.
    Vor welche Karren stellst du dich lieber?

  3. Die Versuche können nicht einfach auf die Schweiz übertragen werden, denn bei hohem Grasanteil sinkt die Reduktion unter 10%. Greenwashing lässt grüssen…

  4. Liebe Bauern, macht Euch nicht abhängig von der FENACO, es geht nähmlich auch ganz anderst und einfacher. Behaltet das Heft selber in den Händen. FENACO will die Bauern zu Sklaven machen, so dass abhängig sind und die, Klima Zertifikate müssen die Bauern direkt selber handeln können. Aber bitte, wers nicht lassen kann und denen hörig sein möchte, nur zu.

  5. Schade sind die Zertifikate nicht für den Landwirten bestimmt – Die Fenaco gehört doch den Bauern, schaut aber für ihren eigenen Konzern.
    Alternativen zu Fenaco gibt es immer weniger – Schade!

    1. Dafür kostet das Futter nicht mehr. Leuchtet doch ein, dass der Zusatz nicht gratis ist. Immerhin hat sich die Fenaco überlegt, wie sie die Mehrkosten finanzieren kann, ohne dass wir Bauern tiefer ins Portemonnaie greifen müssen. Gute Sache.

      1. Einzelne Milchabnehmer wie die Mooh bezahlen dem Landwirten den Zuschlag, nur wissen es die wenigsten. So hat der Landwirt zwar beim Einkauf Mehrkosten die aber vom Milchabnehmer dann wieder übernommen werden. Unter dem Strich also ein Nullsummenspiel. Die Rechte des CO2 Ausstosses bleibt somit beim Landwirt. Nur KRONI anfragen.

  6. @Gesunder Menschenverstand
    Fenaco will die Bauern zu Sklaven machen.
    Du unterstützt solchen Mist doch nicht im ernst? Ich zweifle an deinem Verstand.

    1. Du hast mich falsch verstanden!
      Der gute Kommentar beziet sich auf Othmar Bernet!
      Ich glaube der Realist und ich haben die gleiche Meinung!

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