Mittwoch, 1. Dezember 2021
14.01.2013 07:23
Milchproduktion

Mastitis kostet Bauern 250 Millionen Franken pro Jahr

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Von: Hans-Peter Widmer

Euterentzündungen verursachen höhere Schäden als vermutet. Das wurde am Liebegger Milchtag deutlich.

Die Milchbauern wurden hellhörig, als der Direktor der Landwirtschaftsschule Liebegg Martin Schmutz bei der Eröffnung des Milchtages in der Vianco-Arena in Brunegg AG feststellte, Mastitis-Erkrankungen verursachten jährlich schweizweit Kosten von 250 Millionen Franken. Der aargauische Fachstellenleiter für Tierhaltung Ueli Wolleb verdeutlichte das wirtschaftliche Gewicht des Problems noch detaillierter: Die 250 Millionen belasten jede produzierende Kuh mit 400 Franken und jedes Kilo produzierte Milch mit durchschnittlich sechs Rappen.

Zellzahl-Indikator

Jede vierte Kuh leidet an einer chronischen Mastitis, jede siebte Kuh wird aufgrund einer unheilbaren Euterentzündung ausgemerzt. Die Eutergesundheit ist am Zellzahlgehalt der Milch ablesbar. Er drückt die Anzahl Zellen pro Milliliter aus. Spätestens bei 400’000 Zellen ist mit einer Leistungsminderung von mindestens 10 Prozent zu rechnen. Bei wiederholtem Überschreiten des Grenzwertes gewärtigen Landwirte Abzüge am Milchpreis.

Hauptfaktoren der Krankheit sind das Tier, die Erreger und die Umwelt. Im Spiel sind eine Vielzahl von Einflüssen wie Widerstandskraft, Verletzungen, Stress und Laktationsstadium der Kühe; sodann Stallklima, Fütterung, Melkarbeit, Haltung und Hygiene; und schliesslich die Erreger, insbesondere Streptococcus uberis und Staphylococcus aureus. Die Krux liegt weniger bei den Erregern an sich, sondern vielmehr in den Umständen, die dazu führen, dass Keime in das Euter eindringen und sich darin vermehren können.

Ursachen – Massnahmen

Die Tagung vermittelte vielfältige Informationen über die Entstehung der Euterentzündungen sowie Vorbeuge-, Bekämpfungs- und Therapiemassnahmen. Thomas Manser, Melkberater der Zentralschweizer Milchproduzenten ZMP, machte zum Beispiel elektrische Immissionen wie Kriechstrom in Ställen und Melkanlagen für zunehmende Keimzahlanstiege verantwortlich. Mastitisfördernd sind auch enge Stallverhältnisse, schmutzige Laufgänge und mangelhafte Melkprozesse.

Alles in Schuss halten

Für die Zitzenreinigung empfiehlt sich Einwegmaterial. Landwirt Paul Widmer berichtete über die Verwendung von Euterwolle sowie die Einstreuung von Häckselstroh in den Liegeboxen mit Löschkalkzusatz und die zweimalige Reinigung der Laufflächen im Tag. Die Tierärztin Claudia Syring riet zur sorgsamen Kontrolle der Melkanlage, zum halbjährlichen Wechsel der Zitzengummi, zum Vormelken vor anstatt nach der Reinigung der Zitzen, zum Melken mit Handschuhen und zur Melkreihenfolge entsprechend der Eutergesundheit der Kühe.

Interessante Umfrage

Bemerkenswerte Resultate lieferte eine Umfrage des Landwirtschaftszentrums Liebegg über Zellzahlen im Aargau. Tagungsmoderatorin Nicole Amrein-Scherrer stellte die Auswertung vor. Rund 100 Betriebe beteiligten sich an der Befragung 2011/12. Sie gaben an, dass 26 Prozent Kühe gegen Mastitis behandelt wurden und 4,4 Prozent der Tiere abgingen. Die durchschnittlich 146’732 Zellen/ml im Jahr 2011 bzw. 152’425 Zellen/ml im Jahr 2012 lagen über dem schweizerischen Durchschnitt, was möglicherweise den vielschichtigen aargauischen Betriebsstrukturen zuzuschreiben ist.

Interessante Details: Je grösser die Kuhzahl und je besser die Milchleistung, desto höher die Keimzahlen. Bei Anbindehaltung war der Keimgehalt tiefer als in Laufställen. Je mehr Melkaggregate betreut werden mussten und je mehr Personen wöchentlich beim Melken engagiert waren, desto höher stieg die Zellzahl.

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