Samstag, 23. Oktober 2021
12.10.2021 16:04
Milchproduktion

Milch: Bio und Weide besser für Umwelt

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Von: mgt/blu

Biomilch ist aus Umweltsicht vorteilhafter als konventionell erzeugte Milch. Der weitgehende Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger im Futtermittelanbau ist mit deutlich geringeren Umweltbelastungen verbunden als dessen Produktion in konventionellen Anbausystemen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine deutsche Studie.

Die Analyse zeigt, dass besonders die Art und Weise, wie die Tiere gefüttert werden einen grossen Einfluss auf die Umweltbilanz hat.

Milch pro Futtereinheit

Bei der konventionellen Milchherstellung hat die Bereitstellung des Futters einen Anteil von 18 bis 34 Prozent an den gesamten potenziellen Treibhausgasemissionen pro Kilogramm Milch. Bei der biologischen Produktion sind es sechs bis 20 Prozent. Käme vermehrt heimisches Futter wie zum Beispiel Ackerbohnen statt aus Übersee importiertes Soja in den Stall, liessen sich die Treibhausgasemissionen senken.

Dagegen haben in der Bio-Milchwirtschaft die direkten Emissionen, vor allem die Methanemissionen aus der Verdauung der Tiere, einen grösseren Anteil: Bei der Biomilch sind es rund 50 Prozent, bei den konventioneller Milch nur rund 30 Prozent. Der Grund: In der Bio-Milchwirtschaft geben die Kühe weniger Milch pro Futtereinheit. Dieser Effekt wird jedoch durch die genannten Mehremissionen durch die Futtermittelbereitstellung kompensiert.

Weidehaltung hat deutliche Vorteile

Ausserdem zeigte die Studie, dass die Milchproduktion mit Weidehaltung sich durch zum Teil deutliche Umweltvorteile auszeichnet. Dies schlägt sich in einem niedrigeren Energieaufwand und Wasserverbrauch pro Kilogramm Milch nieder. Geringer sind zudem Belastungen für Gewässer etwa durch Nitrate oder Phosphor (Eutrophierung) und für Böden durch den Gülleeinsatz und die damit verbundene Ammoniakbelastung (Versauerung).

«Insgesamt hat die biologische und weidebasierte Milcherzeugung Vorteile für den Umweltschutz und auch aus Sicht des Klimaschutzes kann hier kein Nachteil ausgemacht werden», bilanziert Jenny Teufel, Expertin für nachhaltige Lebensmittelproduktion am Öko-Institut. Sie hebt hervor: «Beim Einsatz heimischer Futtermittel, aber auch beim Weidegang und dem Einsatz von Heu im Grundfutter liegen wichtige Hebel für Landwirtinnen und Landwirte, die Umweltauswirkungen zu minimieren ohne dass dadurch Nachteile für den Klimaschutz einhergehen.»

Die durchschnittliche Milchleistung von Kühen in der biologischen Landwirtschaft weiter zu erhöhen, sei keine geeignete Massnahme zur Reduktion der Umweltbelastung der Milchproduktion. «Der Effekt auf den Klimaschutz ist gering und andere Umweltbelastungen, wie der Flächenbedarf und der Energieaufwand nehmen zu», so Jenny.

Die Studie wurde vom Öko-Institut, INFRAS und KTBL durchgeführt. Im Auftrag des deutschen Umweltbundesamtes wurde die Ökobilanz verschiedener Formen der Milcherzeugung in Deutschland untersucht.

«Versteckte» Kosten trägt die Gesellschaft

Die Studie untersucht zugleich erstmals, welche Kosten durch die Umweltschäden bei der Milchproduktion entstehen können. Dazu gehören beispielsweise Kosten, die aufgebracht werden müssten, um Treibhausgasemissionen oder den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln künftig zu vermeiden oder um Schäden im Ökosystem zu reparieren.

Das Ergebnis: Je nachdem wie die Milch hergestellt wird, entstehen Mindest-Umweltkosten zwischen 21 und 34 Cent pro Kilogramm Milch. Milch aus Weidehaltung ist dabei besonders umwelt- und damit kostenschonend: Sie spart bis zu 24 Prozent der Kosten, die zur Behebung von Umweltschäden nötig wären. Bei den ökologischen Betriebsmodellen entstehen bis zu 19 Prozent weniger Umweltkosten. Kombiniert – öko plus Weide – entstehen die wenigsten Kosten für die Erhaltung der Umwelt.

«Diese Kosten sind heute nicht im Preis der Milch enthalten. Sie müssen dennoch über kurz oder lang von den Menschen in der Gesellschaft gezahlt werden», erläutert Teufel. Die Wissenschaftlerin betont, dass in der Studie nicht alle Umweltkosten berücksichtigt werden konnten, etwa der Schutz der Biodiversität oder eine artgerechte Haltung im Sinne des Tierwohls. Gerade letzteres ist mehr als 70 Prozent der Deutschen laut Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums von 2019 wichtig.

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