Donnerstag, 28. Januar 2021
31.12.2020 17:15
Betriebsführung

«Viele Betriebe halten falsche Kuh»

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Von: Adrian Haldimann

Philippe Bise von Desgranges Holstein verkauft seine 75 Elitetiere. Der Mitgründer der Swissbec-Gruppe stellt auf eine 250-köpfige Angus-Herde um und wird fortan für das Label Swiss Black Angus produzieren. Dieser Artikel wurde im Februar 2020 veröffentlicht.

Neugier und der Wunsch, sich weiterzuentwickeln, müssen heute zum beruflichen Gepäck eines jeden Landwirts gehören. Dieser Meinung ist Meisterlandwirt Philippe Bise aus Murist FR, der sich mit der Desgranges-Holsteinherde einen Namen unter den Holsteinzüchtern verschaffte.

Und er ging immer mit gutem Vorbild voraus, indem er neue Projekte anpackte. In diesen Wochen beendet er eines von vielen seiner Projekte. Am 27. Februar verkauft er seine Holsteinherde (siehe Box).

Strategie passte nicht

Bereits vor vier Jahren liess er viele Holsteinzüchter an der Desgranges-Zucht teilhaben, als er seine Milchviehherde an einer Auktion in Burgdorf BE anbot. Dazumal verabschiedete sich Bise von der Milchproduktion mit Melkroboter und wollte sich seither an vorderster Front im Rennzirkus der Genomik positionieren.

Wer die aktuelle Genetik im Verkaufskatalog studiert, erkennt, dass ihm dies gelungen ist. Trotzdem gehört Desgranges Holstein bald der Geschichte an. «Um Kälber und Rinder zu züchten und diese als Kühe zu verkaufen, braucht man eine Milchviehherde und diese fehlte mir. Die Strategie passte nicht», sagt Bise.

Weiterhin bei Swissbec

Als Mitgründer der Swissbec-Gruppe, die Stiere wie Brekem, Power, Jackpot PP oder Pat hervorbrachte, beschäftigt er sich aber weiterhin mit der Holsteinzucht. Swissbec, die mit dem kanadischen Zuchtbetrieb Lorka Farm international aktiv ist, werde sich künftig auf Nischenmärkte wie rote und/oder Hornlos-Genetik konzentrieren. «Bei den schwarzen Holstein haben wir international keine Chance mehr», gibt Bise zu bedenken.

Nur noch Betriebe mit mehreren tausend Tieren könnten KB-Stiere produzieren. Wegen der hohen Kosten in diesem System und dem aufkommenden «Beef on Dairy» frage er sich, wie lange diese Betriebe sich von den KB-Organisationen noch derart treiben liessen. Mit Swissbec war der weltoffene Geschäftsmann, der Erfahrungen in  Kanada, USA, Australien und Neuseeland sammelte, einer der ersten, der mit der genomischen Selektion arbeitete.

Jetzt handeln

«Genomik ist ein hervorragendes Werkzeug, um die Herde innert vier bis sechs Jahren dem Betriebsumfeld anzupassen.» Bise ist überzeugt, dass auf vielen Betrieben nicht die richtige Kuh gehalten wird. Er sagt weshalb: «Die Direktzahlungen bremsen das unternehmerische Denken. Es wird nicht so komfortabel bleiben wie jetzt. Deshalb müssen wir jetzt handeln.» Bise versteht nicht, weshalb viele Züchter immer noch die grosse Holsteinkuh züchten, anstatt Leistungs- und Fitnesseigenschaften verstärkt zu beachten.

Von Holstein zu Angus

In der Berufsbildung würden immer noch zu wenig Kompetenzen vermittelt, ist der Präsident der Westschweizer Berufsbildungskommission überzeugt. Er freut sich aber, dass gute, motivierte und stolze Landwirte den Beruf erlernen würden.

Bise hat sein neues Projekt längst aufgegleist. In Zukunft hält er 250 Angus-Tiere, die er unter dem IP-Suisse-Label vermarkten wird. Weshalb hat sich der Stratege für Angus entschieden? Mit ihnen könne man einfach arbeiten, zudem würden sich Angus eignen, um einen Teil der Grünfläche zu beweiden.

Die Investitionen für die Betriebsumstellung halten sich zudem in Grenzen. Bise rechnet mit rund 100’000 Franken, die er in die Gebäude investieren muss. Er erkennt das Potenzial, welches das gut etablierte Label Swiss Black Angus bietet. Er weiss, weshalb er was tut: «Ich arbeite nur, um Geld zu verdienen.»

Betriebsspiegel

Meisterlandwirt Philippe Bise bewirtschaftet im freiburgischen Murist eine Betriebsfläche von 220 ha LN, davon sind 40 ha Eigenland. Die angebauten Ackerkulturen setzen sich aus 45 ha Kartoffeln, 60 ha Getreide, 25 ha Raps und 17 ha Zuckerrüben zusammen. 2016 wurde die Milchproduktion mit  80 Kühen und einer Jahresmilchmenge von 830’000 kg Milch aufgegeben. Seither konzentrierte sich Bise auf die Jungviehaufzucht und produzierte Holsteintiere im Top-Genomik-Segment aus internationalen Kuhfamilien. Ein weiterer Betriebszweig ist die 360 kW-Photovoltaikanlage, mit der rund 300 Haushalte mit Strom versorgt werden. hal

3 Responses

  1. Ich finde diese Aussagen nicht schlüssig. Kein Betriebszweig ist dermassen auf Direktzahlungen und Zollschutz angewiesen wie die Mutterkuhhaltung. Dünnes Eis…

  2. Ich schliesse mich meinem Vorschreiber an allerdings ist das Marktumfeld dermassen Volatil, dass man sich dem Markt anpassen muss! Investitionen dürfen nicht wie bis anhin über eine Generation hinaus gehen. Ein Betrieb muss flexibel bleiben nur so kann man heute in der Landwirtschaft noch Geld erwirtschaften! Ich selber plane nur noch für 10-15 Jahre alles andere ist Blindflug!

  3. Also ich denke er hat schon zwei mal das falsche gemacht jetz wohl das dritte mal.
    Und so ein Landwirt ist Präsident der Berufsbildungskomission. Aber das passt schon denke er sitz auch in anderen Gremien der Landwirtschaft .
    Mann sieht ja wie weit uns diese „Vordenker bringen “ .

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