Montag, 5. Dezember 2022
30.04.2021 11:35
Viehzucht

Zuchterfolg: Sechs Generationen Jersey

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Von: ral

Vor zehn Jahren war auf dem Fusterhof in Meistersrüte bei Appenzell die erste Jerseykuh anzutreffen. Aus ihr stehen heute sechs Generationen im Stall. Tiere, die sich auch im Schauring sehen lassen dürfen. 

Zu gross, um zu sterben, und zu klein, um davon leben zu können, sei ihr 10-Hektaren-Betrieb, betonen Christine und Roman Fuster. Doch die Leidenschaft und die Begeisterung für die Landwirtschaft ist gross, auch wenn Roman teilzeitlich auswärts einer Arbeit nachgeht.

Guter Entscheid

Das kommt nicht von ungefähr, denn schon Romans Vater Köbi Fuster war Viehzüchter, das beweisen die Plaketten von regionalen Ausstellungen im Hofladen. Vor drei Jahren hat er den Betrieb seinem Sohn übergeben. Dazu gehörte auch eine Herde von schicken Jerseykühen. «In Innerrhoden gibt es meines Wissens zwei Betriebe, die eine reine Jerseyherde halten, einer in Oberegg und wir», geben die beiden zu verstehen.

Weshalb Jerseys mitten im Braunviehzuchtgebiet? «Die Braunviehkühe wurden mir allmählich zu gross, und es bereitete mir immer mehr Mühe, sie mit Grundfutter leistungsgerecht füttern zu können», begründet Köbi Fuster seinen Entschluss, als er vor zehn Jahren ein hochtragendes Jerseyrind kaufte. «Ein guter Entscheid, ich möchte heute keine andere Kuh mehr im Stall», pflichtet ihm Roman, eben zum zweiten Mal Vater geworden, bei.

Gute Futterverwerterin

Klar, sei man anfänglich etwas schräg angeschaut worden. «Aber wenn ich in der Käserei regelmässig mindestens zehn Rappen Gehaltszuschlag habe, ist dies auch etwas.» Der Stallschnitt der 16 Kühe ist mit 6295 kg bei 5,31% Fett und 4,10 % Eiweiss ausgewiesen. Klar sei die Jerseykuh eine Hochleistungskuh, aber eine gute Futterverwerterin. «Für mich ist sie die ideale intensive Weidekuh», fasst Köbi Fuster zusammen.

Zurück zu seinem Jerseyrind vor zehn Jahren. Cajochen’s Legacy Talinda, von Primus Cajochen aus Ruschein GR gezüchtet, war mit einem Kuhkalb trächtig. Das war Fantom Linda, später EX 91, wurde 2018 Miss an der Vierrassenschau an der Tier & Technik in St.Gallen und steht heute mit über 44’000 kg Lebensleistung da. Die Stammkuh Talinda VG 88 kratzt demnächst an der 60’000er-Marke und hat im September 2020 zum neunten Mal gekalbt.

Selber vermarkten

Izzy Luna, Hihl Laura, Lobo Lenora und die halbjährige Quintana Lara machen die Folge von sechs Generationen voll. Besonders Laura VG 83 und Lenora VG 84, in der ersten Laktation eingestuft, überzeugen durch ihren Rahmen, ihre Eleganz und mit einem Topeuter. Die Kühe wurden mit jeder Generation besser. Kein Wunder, geht fast die ganze Zucht auf Talinda zurück. Der Stier Ice habe in der Milch viel gebracht, und Hihl sowie Jumbo hätten gute züchterische Ergebnisse hinterlassen. Kühe zur Nachzucht werden schon länger gesext besamt, beim Rest kommt Limousin zum Einsatz.

Damit kommt ein anderer Betriebszweig ins Spiel: die Direktvermarktung. Nebst den Milchkühen werden noch 150 Legehennen gehalten. «Die Eier und das Kalbfleisch vermarkten wir alles direkt», so Roman Fuster. Ein Blick in den Hofladen macht neugierig. Jerseymilchjoghurt, Eiercognac, Curry-Zucchetti, Holunderblütensirup und witzige Meringues sind einige Beispiele des Angebots. Und die Geschenkpackungen, in den Social Medias entdeckt, sind echte Hingucker.

Legehennenhaltung in Gefahr

Das sei eine Passion, die die jungen Eltern bewusst gemeinsam anpacken würden. «Bis wir die Meringues so hatten, wie wir sie wollten, haben wir ein paarmal geübt», geben sie mit einem Lachen zu verstehen.

Zwei grosse Nein-Plakate zu den Agrarinitiativen stehen bereit. «Die müssen wir noch wirksam platzieren. Wird dies angenommen, müssen wir die Legehennenhaltung aufgeben. Uns fehlt die Möglichkeit, alles Futter selber zu produzieren», sagt Christine Fuster. 

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