Samstag, 17. April 2021
13.01.2021 12:53
Stallbau

Neues Stallkonzept aus Holland

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Von: blu

Das im niederländischen Doetinchem ansässige Unternehmen Hanskamp hat sich auf das Tierwohl spezialisiert und unter anderem die Kuh-Toilette entwickelt. Nun präsentieren die Holländer ein neues Konzept. Ein Einstreureiniger entfernt die Kuhfladen aus dem Freilaufstall.

Angekündigt wurde die Neuerung bereits im Dezember. Am 12. Januar hat das Unternehmen nun das Verfahren präsentiert.

Mehr Kuhkomfort

Hanskamp preist die Innovation als neues Stallkonzept an. Der sogenannte «FreiLebenStall» sei ein Stall ohne Beton, Stahl und Gitterböden, dafür aber mit angenehmer Liegefläche. Dies ermögliche den Kühen optimale Lebensbedingungen.

Das neue Konzept kommt gemäss Hanskamp ohne Liegeboxen und Güllegrube aus. Aus der Sicht der Holländer bringt das drei gewichtige Vorteile: Mehr Kuhkomfort, weniger Ammoniakemissionen und zwei reine Düngerquellen.

Panierprinzip

Bei «FreilLebenStall» handelt es sich einen Freilaufstall. Dieser wird wieder kombiniert mit dem «BeddingCleaner», einem Einstreureiniger. «Der wichtigste Vorteil des Konzepts ist die Tiergesundheit und geringere Ammoniakemissionen», hält Henk Hanskamp fest.

Im neuen Konzept werde Dünger in Form von Urin und Festmist gewonnen. Doch wie funktioniert das? Der Einstreureiniger (BeddingCleaner) fährt über die Liegefläche. «Der Kot wird mit der Einstreu vermischt, es ist ein Art Panierprinzip», so Hanskamp im Video zum Einstreureiniger.

Der BeddingCleaner fährt durch den Stall und sammelt Kuhfladen und andere feuchte Stücken aus der Einstreu.
Hanskamp

Gut für Klauen

Das Gemisch gelangt auf ein Rüttelband. Dort werden der Festmist und feuchte Teile ausgesiebt. Diese landen anschliessend im Auffangbehälter der Maschine. «Am Ende der Fahrt mit dem BeddingCleaner bleibt nichts weiter zurück als eine saubere, trockene und frische Einstreu», so Hanskamp. Das Resultat für die Klauengesundheit sei hervorragend, sagt Henk Hanskamp.

Im Behälter befinde sich ein purer, vom Urin getrennter Mist, der auf die Felder ausgebracht werden könne, so Hanskamp. Der Stall wird täglich gereinigt.

Ein FreiLebenStall ist gemäss Hanskamp ein Stall ohne Beton, Stahl und Gitterböden.
Hanskamp

Drainageschicht

Als Einstreu kann gemäss Hanskamp organisches Material wie Flachs oder Getreideausputz eingesetzt werden. Die sei auch interessant in Verbindung mit einer Biogasanlage, schreibt Hanskamp auf der Website. Als Einstreu könne aber auch Sand eingesetzt werden. Damit der «FreiLebenStall» optimal funktioniert, wird ein glatter, fester Boden benötigt. Die Drainageschicht misst rund 50 Zentimeter und soll die Feuchtigkeit und den Urin durchlassen.

Ein Landwirt, der das System anwendet, ist Chris Bomers. Die 160 Kühe des Bio-Landwirts sind in einem offenen Freilaufstall untergebracht. Als wichtigsten Vorteil streicht er den Komfort für die Kühe hervor. Auch die Klauengesundheit und die Gesundheit im Allgemeine spreche für das System. Bomers verwertet den täglich anfallenden Mist direkt in der Biogasanlage.  

Gemäss Hanskamp kostet der Einstreureiniger 26’900 Euro (29’000 Franken).

 Hanskamp entwickelt nach eigenen Angaben bereits seit rund 20 Jahren innovative und praxisorientierte Lösungen für die Viehhaltung. Lag der Fokus seinerzeit noch auf der Steigerung der Milchproduktion, verschob er sich vor etwa zehn Jahren auf die Verbesserung des Tierwohls, beispielsweise mit der Entwicklung der Durchlauffutterstation FeedStation walk-through. Zu den Innovationen von Hanskamp gehört auch die die CowToilet (Kuhtoilette).

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14 Responses

  1. Nichts Neues : dieses System wird seit dem Jahr 2000 auf der Yakfarm in Embd / VS praktiziert ( einfach in kleinerer Form ). Nachteil: bei Schneestürmen etc. ist der ganze „Stall“ voller Schnee und Eis.

  2. Sicher eine super Sache für die Kühe, bravo! Doch was auch hier total vergessen wird, ist dass der Kuh ihr Kalb nach der Geburt weggenommen wird! Da nützt die beste Haltung nichts, wenn dies nicht geändert wird! Dabei ist es möglich, dass die Kuh trotz ihrem Kalb gemolken werden kann! Eine Kuh gibt ja mehr Milch als ihr Kalb braucht. Einem Muttertier das Junge wegnehmen ist grausam und nicht nötig!

    1. ??? das bedeutet artgerechte Mutterkuhhaltung. Wir nutzen die Kuh als Milch– und Fleischlieferant.
      Wir müssen diesem nützlichen Tier zugestehen, dass es sein Junges bei sich behalten darf.
      Sonst sind alle Kälber weisen – und die Kühe sind depressiv!
      Das haben sie nicht verdient!!!

      1. Nicht alle, Thomi.
        So kann nur ein Mann reden…sorry.
        Um Respekt vor Weiblichkeit und Mütterlichkeit allgemein!
        Es gibt bei Kühen wie bei Menschen solche, die kommen mit der „Fremdbetreuung“ gut klar, andere nehmen den Trennungs- Schmerz nach innen und nehmen kaum mehr auf und andere brüllen tagelang. Du darfst die Hormonlage der Kühe nicht vergessen.
        Und es geht, dass die Kälber wenigstens zeitweise – je nach Alter- bei den Müttern bleiben. Bei den Ziegen macht man das schon lange so.

    2. Genau, gut gesagt! Babies gehören zu ihren Müttern, egal ob männlich oder weiblich! Die sind berechtigt, mit ihren Eltern und Geschwistern aufzuwachsen. Wegstehlen von Babies gehört sofort verboten!

  3. Das ist pure Natur, in freier Wildbahn werden die Kälber zum Teil auch von Raubtieren gerissen! Dann hat die Mutter auch kein Jungtier mehr.

  4. Unter die Drainageschicht muss natürlich ein wasserdichter Boden und die Gülle muss abdrainiert werden. Das kann nicht funktionieren.

    Die Geschichte zeigt schön, wie es die Holländer mit dem Umweltschutz halten.

  5. Ich habe eine Zeitlang auf einem Hof gelebt. Die Mutterkühe haben über mehrere Tage und Nächte nach ihren Jungen geschrien. Es war ein verzweifeltes schreien das durch Mark und Bein ging. Es war unmöglich zu schlafen. Entweder sind sie taub oder einfach nicht fähig nachzuvollziehen dass auch Tiere leiden können. Ich finde es nur herzlos die Kälber von ihren Mütter zu trennen.

  6. Ģenau, deshalb machte mein Opa folgendes , Milchbauer und Braunviehzuchtpräsident , 30 Minuten liess nach Geburt er das Neugeborene bei der Mutter , dann legte er das Neugeborene in ein Abteil wo maximal drei Kälbchen waren . Niemals hatte man festgestellt das das Muttertier oder dessen Junges gelitten oder gebrüllt hätte. Das ist Tatsache aus Praxiserfahrung. Muttertier und deren Junges braucht vor allen Ruhe und Erholung .mk.0765073642

    1. So ähnlich haben wir es auch gemacht. Die beiden bauen dann eine Bindung auf, durch das Trockenlecken wird Oxytocin aufgebaut, sie versäubert gut und der Geburtsvorgang findet den korrekten Abschluss.
      Die Kälber waren in Sichtweite und durften morgens und abends als erste saugen. Kein Brüllen, nichts derart. Keine Mastiden.

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