Donnerstag, 20. Januar 2022
03.01.2022 12:57
Bern

Viehhändler verhindern Transparenz

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Von: rup

Jamil Boukarabila Jaquemet filmte im Februar 2021 die Auktion in Burgdorf BE. Sehr zum Ärger der Viehhändler.

Über die Festtage und den Jahreswechsel publizieren wir spannende Berichte der vergangenen Monate. Dieser Artikel erschien erstmals am 26. Februar 2021.

An der Viehauktion in Burgdorf BE vom 18. Februar 2021 spielte sich eine kuriose Szene ab. Der Betreiber der Viehverkaufsplattform swisskuh.ch, Jamil Boukarabila Jaquemet, filmte die Versteigerung wie gewohnt und strahlte sie auf Facebook live aus. Doch diesmal war bereits bei der Katalognummer 24 Schluss. Das Organisationskomitee (OK) verbot ihm das weitere Filmen. Offenbar auf Druck von verschiedenen Viehhändlern.

«Gratis für die Bauern»

Das Video dazu ist noch immer auf der Facebookseite von swisskuh.ch zu sehen und hat mittlerweile über 30’000 Aufrufe erreicht. Boukarabila Jaquemet versteht nicht, dass er diese Videoaufnahme vorzeitig abbrechen musste: «Ich mache das als Gratisdienstleistung für die Bauern, damit sie die Marktpreise einordnen können. Es ist ja schliesslich eine öffentliche Auktion.»

Er sei nie nach Burgdorf gegangen, um die Auktion zu konkurrenzieren. «Stattdessen habe ich immer die schönen Kühe oder den Katalog präsentiert.» Er ist überzeugt: «Die junge Generation will nicht, dass Sachen versteckt werden. Sie will Transparenz.»

Viel Macht für grosse Händler

Besonders wichtig sei dies bei der aktuellen Marktsituation. «Einige Viehhändler kaufen an der Auktion sehr gute Kühe, die sie dann für viel höhere Preise weiterverkaufen möchten», so Boukarabila Jaquemet, der selbst als Viehhändler arbeitet und das Viehhändlerpatent seit 2002 besitzt.

Er habe auch Verständnis für die Organisatoren. «Sie sind zwischen Stuhl und Bank, denn das Schlimmste sind eine grosse Anzahl unverkaufter Tiere. Da sind sie auf die grossen Viehhändler angewiesen. Diese erhalten dadurch viel Macht.»

Druck der Viehhändler

Schon an der Januar-Auktion war das Filmen ein Thema. Das griffen die Viehhändler letzten Donnerstag wieder auf. Der Ostschweizer Viehhändler Rolf Hinder fungierte laut Recherchen des «Schweizer Bauer» am Auktionstag als Sprachrohr der anwesenden Viehhändler. Er gab dieser Zeitung auf Anfrage Auskunft, zog dann aber alle seine Zitate zurück. Dem «Schweizer Bauer» ist ferner bekannt, dass es mindestens einen Viehhändler gibt, der andeutet, dass er vielleicht nicht mehr nach Burgdorf kommen werde, wenn weiterhin gefilmt werde.

Vermutlich haben es die Viehhändler nicht gern, wenn ein Endkäufer weiss, ob er 200 oder 300 Franken Marge draufgelegt hat. Das Fehlen mehrerer oder sogar aller Viehhändler könnte für das Auktionsgeschehen durchaus ins Gewicht fallen, denn die Viehhändler kaufen an jeder Burgdorfer Auktion wohl zwei Dutzend Tiere.

Noch nichts entschieden

OK-Präsident der Auktion Burgdorf ist Urs Buri. Er sagt: «Wir wollen über das Thema an unserer nächsten OK-Sitzung diskutieren und dann einen definitiven Entscheid fällen.» Grundsätzlich sehe er beim Filmen zwei Seiten: «Einerseits macht es Werbung für unsere Auktion. Andererseits hat es aber auch ganz klar einen Nutzen bei der Preisbildung auf swisskuh.ch. Zu dieser Plattform stehen wir in Konkurrenz. Unsere Auktion lebt davon, dass die Bauern vorbeikommen, um sich über die aktuellen Marktpreise zu informieren.»

Nicht zuletzt mache – ausserhalb der Coronapandemie – die Festwirtschaft einen grossen Teil der Einnahmen aus. Problematisch findet Buri den rechtlichen Aspekt. «Inzwischen haben wir das abgeklärt: Filmen im öffentlichen Raum ist gestattet, solange keine Leute zu erkennen sind. Letzteres bräuchte die Einwilligung der Personen.»

Boukarabila Jaquemet bekräftigt, dass das Filmen von Leuten nie sein Ziel gewesen sei. «Für das Video interessieren mich Leute überhaupt nicht. Deshalb fokussiere ich immer auf die Kuh und besonders auf ihre Katalognummer und ihr Euter.»

Der Betreiber der Plattform swisskuh.ch, Jamil Boukarabila Jaquemet.
zvg
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16 Responses

  1. So klar, wie das Urs Buri darstellt, ist die rechtliche Lage beim filmen von Menschenmengen nicht, besonders im öffentlichen Raum, sonst wäre die Arbeit der Medien unmöglich, wenn diese von jedem Anwesenden das Einverständnis für die Veröffentlichung einholen müssten. Dass dabei einzelne Personen zu erkennen sind, ist in der Regel unvermeidlich.

  2. Der Begriff ( Transparenz ) Existiert unter Hoch Professionellen Schweizer Fleisch Syndikats Verbrechern nicht !! Und Kameras / Video schon gar nicht , denn sie könnten zwecks Strafbarer Tatbestands Beweisführung Gerichtsbar eingesetzt Werden .. alles geschützt und gedeckelt durch die Passende Lobby in Bern !!

  3. Aus diesen Gründen meide ich die Öfftliche Schlachtviehmärkte, Nutzvieh wird Privat verkauft und Schlachtvieh geht immer direkt zum Metzger ohne Zwischenhändler.

    1. In gewissen Regionen auf diesem Planeten kann bis vier mal im Jahr geerntet werden, Indien z.B. in Europa nur einmal. Wie soll sich Europa ernähren, wenn alle Vegan sind ? Ja klar, wir kaufen den Indern ihr Gemüse zu hohen Preisen ab und lassen Sie verhungern, perfekt oder ?
      Bitte über die Nasenspitze hinaus denken.

      1. @Andrea
        Aber kein schlechtes Gewissen, 100 Millionen Menschen hungern zu lassen, um Nutztiere zu füttern… Woran mangelt es bei Ihnen? An Bildung, an Charakter, oder an allem?

  4. Für die Profiteure intransparenter Märkte sind die neuen Medien Spielverderber.
    Der vorgeschobene Datenschutz wird je länger desto mehr zur unrealsten Lachnummer.
    Egal ob Seuchenbekämpfung, Märkte, Verbrecher-Jagd, Sozialhilfe, Flüchtlinge usw.
    Übertriebener Datenschutz verhindert effizientes Arbeiten.
    Datenschutz ist ein Kind der anonymen Grossstädte. Früher, in kleinen Dörfern gab es nicht den geringsten Datenschutz (sogar das Steuerregister war öffentlich)

  5. unseren Kühen geben wir ja auch immer mehr Mais.
    Die Energie welche die Wirtschaft für die Zucht braucht ist einiges hoher als für die Saat.
    von wegen Nasenspitze

  6. Die Schweiz ist ein Alpenland. Das heißt, diese Landschaft muss auch genutzt werden. Ich möchte von Ihnen wissen wie man am Stockhorn Mais pflanzt? Dies können nur Tiere effizient in Menschnnahrung umwandeln! Aber die Praxisferne Bevölkerung möchte lieber Sojamilch aus Südamerika importieren. Ist ja ökologisch gesehen total Klimaneutral! Über die Menschnrechte fangen wir gar nicht an zu diskutieren!

  7. Diese Essstörung ist nach Bulemie die, weltweit am weitesten verbreitete. Ich hoffe dass alle Betroffenen die Kraft finden sich professionelle Hilfe zu holen bevor der Schaden, den sie ihrem Körper zufügen anhaltende Schäden verursacht. Wie bei Bulemie steht auch beim Veganismus die psychische Komponente im Vordergrund und diese Krankheit kann daher von einem Psychiater gut behandelt werden. Bleibt gesund!

    1. Die am weitesten verbreitete Essstörung ist Fettleibigkeit, welche viele schwere Krankheiten nach sich zieht. Sinnigerweise sind es immer die vollgefressenen Fettleibigen, welche bei Menschen mit Normalgewicht eine Krankheit vermuten

  8. Die Kommentare zeigen, dass das Filmen offenbar kein Problem ist, sonst würde die Duskussion nicht so schnell bei indischem Gemüse, Mais und den Veganern landen.

  9. Öffentliche auktionen sind nunmal der preisbarometer und sind un verzichtbar jeder kann da kaufen viehändler bauern metzger . Wer halt jahrelang dem viehhädler auf und abläd ohne sich einbisschen zu orientieren wo die preise stehen ist selber schuld wenn er zuwenig bekommt oder zuviel bezahlt. Und muss alles und immer gefilmt unf gepostet werden . Ich verstehe die Händler dass sie davon nichts wissen wollen . Sonst macht doch online auktionen wenn das toller ist????

  10. Öffentliche Auktion ist ein filmen ohne Diskussion erlaubt. Burgdorf sollte nachdenken eine Online Übertragung aufzuschalten damit die ganze Schweiz mietbieten kann. Beispiel Vianco Auktion Brunnegg. Wir haben in der Schweiz eine freie Marktwirtschaft ohne Vogterei. Ein Handel mit 300 fr Provision ist verständlich aber dass ist meistens auch nicht so.

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