Dienstag, 31. Januar 2023
02.11.2022 09:37
Interview

«Projekte haben sich zu Riesensache gemausert»

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Von: ats

Arthur Moser ist Mitbegründer des Agropreises und ehemaliger Leiter Aussendienst und Marketing bei der Emmental Versicherung. Er erzählt, wie es zum Agropreis gekommen ist und weshalb er immer noch wichtig ist.

«Schweizer Bauer»: Sie haben den Agropreis erfunden, wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Arthur Moser: Ich habe den Agropreis nicht erfunden, nicht allein. Die Idee ist bei der zweiten Flasche Wein in einem Wirtshaus im Emmental entstanden. Der damalige Geschäftsleiter Martin Wüthrich, unsere PR-Beraterin Ursula Feitknecht und ich haben uns Gedanken darüber gemacht, wie wir unser neues Versicherungsmodell «agroPak» und den Namen der Firma bekannt machen könnten. Aber wir wollten nicht einfach Reklamen oder Inserate schalten. Das ist zwar ein einfaches Werbemittel, aber nicht nachhaltig genug.  Und wir wollten, dass die Leute unsere Firma positiv kennenlernen, ohne direkt von Versicherungen zu sprechen. Ausserdem wollten wir aufzeigen, dass wir an die Zukunft der Landwirtschaft und an die Landwirte und Landwirtinnen glauben. Das war zu einer Zeit, als die Landwirte nur noch als sogenannte «Subventionsbezüger» betitelt wurden. Wir wollten der Bevölkerung zeigen, dass die Landwirte viel innovativer sind, als sie dargestellt werden. So ist die Idee eines Innovationswettbewerbs für die Landwirtschaft, des Agropreises, entstanden, das war 1992.

Wie hat sich der Agropreis über die letzten 30 Jahre entwickelt?
Der Agropreis war eine ganz rasante Sache und hat von Anfang an viel Anklang gefunden. Der Aussendienst war stark eingebunden, weil er so nahe an den Bauern und ihren Betrieben ist und solche mit innovativen Ideen dazu motiviert hat, sich für den Agropreis anzumelden. Bei der ersten Ausschreibung gingen rund hundert Bewerbungen ein, damals alle noch von Hand geschrieben. Die Jury hat im Laufe der Jahre beschlossen, keine «Kopien» von bereits ausgezeichneten Projekten zu nominieren, es soll ja ein Innovationswettbewerb bleiben.

Was hatte das für Auswirkungen?
Mittlerweile sind es weniger Bewerbungen pro Ausschreibung, dafür substanziell gute Projekte. Der Beachtungsgrad des Anlasses wurde über all die Jahre sehr gesteigert, und der Agropreis wird überall positiv wahrgenommen. Wir hatten von Anfang an auch immer gute Redner am Anlass und eine gute Zusammenarbeit mit dem Schweizer Bauernverband. Es ist fast schon Tradition, dass im Abstand von wenigen Jahren ein Bundesrat – dieses Jahr Guy Parmelin – am Agropreis anwesend ist und seine Grussworte ausrichtet.

Was hat sich sonst noch geändert?
Über all die Jahre ist der Anlass auch gewachsen. An Anfang wurde er abwechselnd im Hotel Schweizerhof und im Hotel Bellevue in Bern durchgeführt. Bei der ersten Durchführung waren 100 Gäste anwesend, beim 10-Jahr-Jubiläum 300 und nun im Kursaal um die 1000. Was mich besonders freut und für ein gutes Juryurteil spricht: Einige ausgezeichneten Projekte wie zum Beispiel die Kernser Pilze haben sich über die Jahre zu Riesensachen gemausert.

Was macht den Agropreis so besonders?
Dass innovativen Leuten, die etwas in die Hand nehmen und umsetzen, eine Plattform geboten wird, um Werbung für ihre Produkte oder Dienstleistungen machen zu können und so ein multiplizierter Verkaufswert geschaffen wird.

Was bedeutet Ihnen der Agropreis?
Sehr viel. Ich bin stolz, dass etwas, wovon gesagt wurde, dass es kaum eine Chance hat, jetzt 30 Jahre alt wird, und ich finde, der Agropreis ist ziemlich gut gewachsen.

Was zeichnet einen Agropreis-Sieger aus?
Es ist jemand, der eine gute, eigene Idee hat und diese bis zur Marktreife – das heisst nachhaltig überlebensfähig – entwickelt.

Wieso ist der Agropreis wichtig?
Weil es eine Gruppierung von Leuten gibt, die Innovativität unterstützt und den Bauern zeigt, dass sie an die Schweizer Landwirtschaft glaubt.

Gab es auch schon kritische Stimmen bezüglich des Agropreises?
Klar, das gibt es ja bei allem. Die Kritik kommt häufig von Leuten, die selbst nicht mitgemacht haben und dann sagen, dass sie auf ihrem Hof bereits seit Jahren dies oder jenes machen. Wenn ich keinen Lottoschein ausfülle, kann ich auch nicht gewinnen, genau so ist es auch bei diesem Wettbewerb. Wenn ich mich nicht bewerbe und mitmache, wird meine Idee auch nie ausgezeichnet. Egal, wie viele Jahre ich sie bereits zu Hause auf dem Betrieb umsetze und anwende.

Gibt es einen Moment, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Da gibt es einige. Der organisatorisch prägendste Moment war, als unser Moderator kurzfristig, und zwar gerade vor dem Start des Anlasses, ausgefallen war. Das war ein harter Moment. Emotional habe ich zwei starke Erinnerungen. Das zehnjährige Jubiläum, welches wir im Bellevue feierten, war wirklich ganz, ganz besonders. Wir hatten damals das ganze Entrée zur Verfügung und haben alle ausgezeichneten Betriebe eingeladen und für jeden Betrieb einen Stand aus Strohballen aufgebaut. Das war vorgängig so mit dem Hoteldirektor abgesprochen, als dann aber ein ganzer Lastwagen voller Stroh vor dem Bellevue vorfuhr, hat er fast einen Herzschlag bekommen. Ich sehe immer noch sein Gesicht vor mir. Die Stimmung beim 10-Jahr-Jubiläum – mit den Strohballenständen im Entrée und den Schangnauer Wasserbüffeln und den Lyssacher Hochlandrindern vor dem Hotel – war einmalig.

Und die zweite emotionale Erinnerung?
Als der Agropreis zum ersten Mal im Kursaal vor rund 1000 Personen verliehen wurde. Das war ein Hühnerhautmoment. Wer hätte gedacht, dass der Anlass, an den viele zu Beginn nicht geglaubt haben, einmal in einem vollen Kursaal durchgeführt wird?

Sie sind seit 3,5 Jahren pensioniert, wie steht es um den Agropreis in Ihrem Leben?
Ich besuche den Anlass als Gast und freue mich jedes Jahr, die altbekannten Gesichter zu sehen und mitverfolgen zu können, wie sich ausgezeichnete Projekte weiterentwickeln. Über die Jahre haben sich viele Freundschaften entwickelt, und es ist eine richtige Agropreis-Familie herangewachsen. Es ist schön, Teil davon zu sein.

Beenden Sie die Sätze…

Der Agropreis ist… ein auf Nachhaltigkeit ausgelegter Preis, der Landwirte motivieren soll, innovativ zu sein.

Landwirtschaft ist… wichtig für die Schweiz; für die Bewohnerinnen und Bewohner als Lebensmittellieferanten und für die schöne Landschaft, dass diese gepflegt wird.

Hier geh es zu den diesjährigen Projekten.

Arthur Moser ist Mitbegründer des Agropreises und ehemaliger Leiter Aussendienst und Marketing bei der Emmental Versicherung. Er erzählt, wie es zum Agropreis gekommen ist und weshalb er immer noch wichtig ist.
emmental
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