
Auch die Eidgenössische Ernährungskommission sieht dringenden Handlungsbedarf bei hoch verarbeiteten Lebensmitteln.
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Die Klage richtet sich gegen zehn international tätige Lebensmittel- und Getränkeunternehmen, darunter unter anderem Coca-Cola, PepsiCo, Nestlé, Kraft Heinz, Mondelez, General Mills, Mars und Kellogg’s. Laut der Webseite des Anwalts der Stadt San Francisco wirft diese den Konzernen vor, durch die gezielte Entwicklung, Vermarktung und den massenhaften Vertrieb ihrer Produkte erheblich zur Verschlechterung der öffentlichen Gesundheit beigetragen zu haben.
Schwere Vorwürfe
Zentraler Bezugspunkt der Klage ist ein von der Stadt behaupteter Zusammenhang zwischen dem Konsum hoch verarbeiteter Lebensmittel und schweren chronischen Erkrankungen. Als chronische Krankheiten werden konkret genannt: Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettlebererkrankungen und bestimmte Krebsarten.
Was sind hoch verarbeitete Lebensmittel
Hoch verarbeitete Lebensmittel sind industriell hergestellte Produkte mit hohem Verarbeitungsgrad, zahlreichen Zusatzstoffen sowie überdurchschnittlich viel Zucker, Salz und Fett (z. B. Fertiggerichte, Snacks, zuckerhaltige Getränke und Fast Food). Gemäss der Eidgenössischen Ernährungskommission (EEK) enthalten sie oft Zutaten, die in einer privaten Küche unüblich sind, wie Aromen, Emulgatoren oder Konservierungsmittel. Auch die EEK weist auf einen Zusammenhang zwischen ihrem Konsum und verschiedenen Krankheiten hin (siehe Link unten).
Die Stadt San Francisco argumentiert, dass die beklagten Unternehmen seit Jahren über diese gesundheitlichen Risiken informiert gewesen seien, ihre Produkte jedoch bewusst so gestaltet hätten, dass sie besonders schmackhaft und dadurch leicht überkonsumierbar seien. «Diese Unternehmen haben durch die Entwicklung und Vermarktung ultra-verarbeiteter Lebensmittel eine öffentliche Gesundheitskrise geschaffen», schreibt der Anwalt der Stadt.
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Insbesondere Kinder und Jugendliche
Ein weiterer zentraler Punkt der Klage betrifft die Vermarktungsstrategien der Unternehmen. Die Stadt San Francisco wirft ihnen vor, Verbraucher systematisch über die gesundheitlichen Auswirkungen ihrer Produkte getäuscht zu haben. Insbesondere Kinder und Jugendliche seien durch gezielte Werbung, Verpackungsdesigns und gesundheitsbezogene Werbebotschaften angesprochen worden.
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Die Stadt sieht darin ein strukturelles Muster, bei dem wirtschaftliche Interessen über den Schutz der öffentlichen Gesundheit gestellt wurden. «Trotz ihres Wissens über den verursachten Schaden hat die ultra-verarbeitete Lebensmittelindustrie weiterhin Kinder mit gezielter Werbung überschwemmt und zunehmend süchtig machende Produkte mit geringem Nährwert hergestellt», heisst es weiter.
«Erhebliche Kosten für das öffentliche Gesundheitssystem»
Rechtlich stützt sich die Klage unter anderem auf Verstösse gegen das kalifornische Wettbewerbsrecht sowie auf den Vorwurf der Verursachung einer öffentlichen Gesundheitsbelastung. Die Stadt San Francisco macht geltend, dass die weitverbreitete Verfügbarkeit und der Konsum hoch verarbeiteter Lebensmittel zu erheblichen Kosten für das öffentliche Gesundheitssystem geführt haben, die letztlich von den Steuerzahlern getragen werden müssen.
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Ziel der Klage sei es, die Unternehmen für diese Folgekosten haftbar zu machen und Veränderungen in der Produktgestaltung und Vermarktung zu erzwingen. Die Stadt wolle mit dem Verfahren eine grundlegende Debatte über Verantwortung, Regulierung und Transparenz in der Lebensmittelindustrie anstossen.
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