Investitionskredite: Neu PFAS-Nachweise nötig

Bei der Vergabe von landwirtschaftlichen Investitionskrediten wird mittlerweile unter anderem in den Kantonen Thurgau und Appenzell Ausserrhoden ein negativer PFAS-Nachweis verlangt. Andere Kantone verzichten (noch) auf solche Massnahmen.

clu |

Es betrifft vor allem die Ostschweiz: Wer in den Kantonen Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen zukünftig ein Bauvorhaben für seine Kühe, Schafe oder Ziegen plant, kommt unter Umständen keinen landwirtschaftlichen Investitionskredit mehr – je nachdem, was ein PFAS-Nachweis ergibt.

Stallbauten und Silos

So verlangt beispielsweise die Thurgauer Genossenschaft für landwirtschaftliche Investitionskredite und Betriebshilfe (GLIB) laut einem Artikel im «Thurgauer Bauer» seit März 2026, dass im Rahmen von IK-Gesuchen für Stallbauten für Raufutterverzehrer ein negativer PFAS-Nachweis zu erbringen sei.

Dazu gehören Stallbauten, Silos oder Hofdüngeranlagen. Nicht betroffen sind Ställe für Schweine und Geflügel. «Ziel ist es, dass Investitionen in Infrastruktur nur dann erfolgen, wenn sie auch wie geplant genutzt werden können», erklärt Ines Rebentrost das Vorgehen im «Regionaljournal Ostschweiz». Sie ist Fachperson PFAS beim Landwirtschaftlichen Zentrum Arenenberg im Thurgau. Laut der Expertin solle so verhindert werden, dass die Existenz der kreditstellenden Landwirtin oder des Landwirts gefährdet wird.

Was sind PFAS?

PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) umfassen eine grosse Gruppe industriell hergestellter Chemikalien. Sie kommen aufgrund ihrer stabilen sowie wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaften in zahlreichen Anwendungen vor, etwa in technischen Beschichtungen, Verpackungsmaterialien oder Löschschäumen. Der Bund weist darauf hin, dass diese Stoffe in der Umwelt nur sehr langsam abgebaut werden und sich deshalb in Böden, Gewässern sowie in der Nahrungskette anreichern können.

Existenz ist infrage gestellt

Ist die PFAS-Belastung zu hoch, heisst das laut Rebentrost nicht automatisch, dass es keinen Kredit gibt. Zusammen mit dem Betrieb werde untersucht, was die Ursachen sind und wie die Belastung reduziert werden könnte. Auch der Ausserrhoder Bauernverbandspräsident Beat Brunner äussert sich. Es sei nicht so einfach, die Belastung durch PFAS zu senken: «In der Praxis ist das, je nach Betroffenheit, fast unmöglich und braucht vor allem sehr viel Zeit», sagt er zu SRF.

Einen neuen Stall zu bauen oder einen Bauernhof zu übernehmen, sei ein Entscheid für kommende Jahrzehnte, sagt Brunner im «Regionaljournal Ostschweiz» weiter. Stand heute sei aber offen, ob ein betroffener Betrieb überhaupt weiter wirtschaften könne. Was fehle, sei die Planungssicherheit. «Die ganze Existenz ist damit infrage gestellt», gibt Brunner zu bedenken.

Nur wenige Betriebe betroffen

Laut den Recherchen der «Bauern Zeitung» und von SRF gibt es auch Kantone, die derzeit (noch) auf einen PFAS-Nachweis bei Krediten verzichten. Der Kanton Bern schreibt auf Anfrage von SRF, dass weder die Bernische Stiftung für Agrarkredite noch die zuständige Abteilung beim Amt für Landwirtschaft und Natur Nachweise verlangen würden.

«Wir haben aktuell noch keine konkreten Massnahmen oder Prozessanpassungen bezüglich der Vorgaben für IK-Gesuche beschlossen», sagt Wilfried Kägi, Geschäftsführer der Zürcher landwirtschaftlichen Kreditkasse gegenüber der «Bauern Zeitung», und weiter: «Wir haben das Thema aber auf dem Radar.» Anlass zur Nachfrage gaben die Ende März 2026 veröffentlichten Resultate der PFAS-Beprobung von Milch im Kanton Zürich. Dabei hatte sich gezeigt, dass bei 11 Prozent der Betriebe PFAS-Rückstände nachweisbar waren.

Die Zahl der Fälle, die einen negativen PFAS-Nachweis erfordern, sei in den Kantonen Thurgau und Appenzell Ausserrhoden momentan überschaubar, sagen sowohl die Expertin vom Arenenberg als auch der Ausserrhoder Bauernverbandspräsident Beat Brunner gegenüber SRF.

Das macht der Bund

Inzwischen kommt Bewegung auf politischer Ebene in die PFAS-Thematik. Der Bundesrat will betroffene Landwirtschaftsbetriebe in wirtschaftlichen Härtefällen gezielt unterstützen. Als Sofortmassnahme wurde die Umsetzung der Motion 25.3421 in die Vernehmlassung geschickt. Diese sieht vor, dass PFAS-belastete Betriebe mehr Zeit für eine Produktionsumstellung erhalten und während dieser Phase wirtschaftlich abgesichert werden.

Bis März 2027 soll zudem eine gesetzliche Grundlage für finanzielle Unterstützung bei besonders betroffenen Betrieben vorliegen. Parallel dazu werden die Kantone verpflichtet, die bestehenden PFAS-Höchstgehalte einheitlich umzusetzen. Das BLV hat dazu entsprechende Weisungen erlassen. lid

Kommentare (8)

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  • Gesunder Menschenverstand | 24.06.2026
    Die EU sagt, PFAS könnte Krebs verursachen, und schon macht die Schweiz ein riesen Theater!
    In der EU passiert nichts!
    Das passt natürlich den Befürworter einer 14 Millionenschweiz, so gibs genug Bauland.
    Nichts geschieht zufällig....
    • Tanja Trauboth | 27.06.2026
      PFAS sind polyfluorierte Alkylverbindungen, bei denen sehr giftige Fluoratome eingebaut sind, die sich nicht abbauen, sogenannte Ewigkeitschemikalien. U.a. lagern sie sich im Fettgewebe der Frauenbrust an, dass sie dort vor der Geburt des ersten Kindes sich anreichern und das Baby später sie aufnimmt mit der Muttermilch. Das Problem gab es schon in den 1970-80er Jahre mit nicht abbaubaren Pestizidrückständen wegen importierten Futtermitteln. Ein befreundeter Frauenarzt sagte mir damals, Stillen sei die beste Vorbeuge gegen Brustkrebs, weil solches Gift dann ausgeschwemmt wird. Statt Lösungen zu suchen, wird das PFAS Problem genommen, um Vorschriften zu machen, Investitionskredite vorzuenthalten.
    • Marco Wilbers | 02.07.2026
      Es ist längst bewiesen, dass PFAS sehr schädlich ist, unter andere das Immunsystem schwächt. Es stimmt überhaupt nicht, dass in der EU nichts gegen PFAS gemacht wird, seit Jahren versucht man dort Massnahmen zu ergreifen. Die Schweiz hat was PFAS betrifft lange geschlafen, resp. weggeschaut. Dass jetzt seitens der EU Druck auf der Schweiz ausgeübt wird, zum Beispiel mittels Exportverbot, ist zwar hart, aber bewirkt auch, dass das Thema PFAS hier endlich beachtet wird. PFAS-Produktion und -gebrauch sollte schnellstens minimalisiert werden!
  • Daneli | 23.06.2026
    Den Bauern die Betriebe zu machen? Aber dann überbauen und mit Wohnungen darauf Geld verdienen? Toller Plan! Herzliche Grüsse von der 12 Millionen Schweiz.
  • Tanja Trauboth | 22.06.2026

    Schadstoffe, auch zum Beispiel Schwermetalle von Blei, das früher in den Autoabgasen war, Cadmium vom Reifenabrieb, entlang von Strassen, wird von gesunden, humusreichen Böden festgehalten und eingebaut. In England gibt es alte Industriegebiete, die hoch belastet sind, wo nichts in die Milch kommt, solange der Boden richtig bewirtschaftet wird. Die PFAS Krise kann auch davon kommen, dass extrem intensive Grünlandbewirtschaftung, Heubläser, den Boden abbauen.

    • Ketzer | 23.06.2026
      Was ist ein Heubläser? Meinen Sie den Föhn im Rheintal?
    • Tanja Trauboth | 27.06.2026
      Ein Heubläser ist wie ein umgekehrter Staubsauger, mit dessen Luftstrom das Heu im Steilhang zusammen gerecht wird, statt mit einem Rechen. Der Motor dafür ist wie ein Rucksack am Menschen angeschnallt. Geblasen wird mit einem langen Rohr. Neben dem Heu werden die feinen Partikel des Bodens abgetragen. Wer so etwas schreibt, sollte sich vielleicht einmal erkundigen, ob er ein Praktikum oder einen Landdienst auf einem Bauernhof machen kann, statt seine Freizeit mit sinnlosen Hassschreiben im Fachmagazin zu vergeuden.
    • Kollege | 28.06.2026
      JEDE oberflächliche Bearbeitung des Bodens löst Bodenteilchen. Diese Teilchen wandern beim Schwaden ob mit Schwader, Rechen oder Laubbläser in den Futterschwad. Der Laubbläser ist eine grosse Arbeitserleichterung, wird aber leider schlecht geredet. Im Ergebnis dürften sich die Werte in der Milch kaum untetscheiden.
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