
So wird in Indien Pflanzenkohle produziert.
zvg
Das Endziel der Reise ist eine Forschungsanstalt der BioRe Assosciation und Remei India Ltd. in der Nähe der 30'000 Seelenstadt Kasrawad. Ich werde hier als Teil eines Projektes, das die lokalen Bauern in der Baumwollproduktion unterstützt, Forschung betreiben und meine Bachelor-Arbeit schreiben.
Kleider im Coop
Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und Nachhaltigkeit durch die Anwendung von Pflanzenkohle aus Ernterückständen: Stärkung der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen im Bereich des biologischen Baumwollanbaus in Zentralindien.
Das ist kurz zusammengefasst der Beschrieb des Projektes, an dem ich mitwirke. Ich arbeite mit Remei India Ltd. und Biore Association. Ersteres ist ein Unternehmen, von der ihr vielleicht noch nichts gehört habt, aber vielleicht bereits mit deren Produkten in Berührung gekommen seid. Nämlich wenn ihr ab und zu im Coop einkaufen geht. Wenn ihr das tut, achtet euch auf das Label der Naturaline Kleider. Die Baumwolle für die Kleider die das Label «bioRe Sustainable Textiles» tragen, werden von Remei produziert.
Effekt von Pflanzenkohle
Die Partnerorganisation Biore Association ist eine Organisation, die mit und für Bauern in der Gegend arbeitet. Quasi der Bauernverband. Die Menschen hinter der Organisation arbeiten seit über 20 Jahren in der Region und haben mehrere Projekte in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Kompetenzentwicklung, Schulung von Landwirten und Landwirtinnen, Forschung zu biologischem Landbau und Saatgut sowie klimaneutrale Projekte umgesetzt.
Ich bin nun voller Stolz und Freude ein Teil eines solchen Projektes und erarbeite in dessen Rahmen mit einem Team einen Versuch auf den Feldern der Bauern. Ich untersuche den Effekt von Pflanzenkohle – angereichert mit unterschiedlichen Düngemitteln – auf die Entwicklung der Baumwolle und die Bodenfruchtbarkeit. Aber dazu später mehr.
Hitze erdrückend
Ich komme also auf dem Campus an. Es ist wie ein kleines Dorf mit einer Küche, einem Essbereich, Bürogebäude, Sitzungsräumen, Forschungseinrichtungen, Gasthäusern und vielen Gartenanlagen. Es unterscheidet sich gefühlt nur durch den Grund, weswegen ich hier bin – um zu Arbeiten – von einem Ferienresort.

Dominic Spahr (Mitte) mit seinen Kollegen vom Forschungsprojekt.
Privat
Die Hitze erdrückt mich fast. Es fühlt sich an wie in einem Ofen. Die Sonne steht mittags fast im Zenit und aktuell haben wir 43° C, welche im Verlauf des Sommers bis 49° steigen werden. Heute heisst es daher ankommen, akklimatisieren, die ersten Eindrücke sammeln und sich von der langen Reise erholen.
Sprachbarriere
Am nächsten Tag geht es dann einigermassen gut ausgeruht los. Ich lerne die Leute vom Pflanzenkohleprojekt kennen und wir diskutieren über meinen Feldversuch. Dabei stellt sich heraus, dass die Sprachbarriere höher ist, als ich erwartet hatte. Die Leute im Team sprechen nicht so gut Englisch wie ich erwartet hatte – aber immerhin besser als ich Hindi spreche – und wir müssen viele Dinge zwei, drei oder vier Mal besprechen, bis wir uns verstehen.
Oft helfen wir mit Händen, Füssen, Mimik, Gestik und Visualisierungen nach. Schlussendlich gelingt es ihnen aber mir zu erklären, worum es in dem Projekt geht, was sie dazu beitragen und was bisher alles unternommen wurde und ich kann meine Ideen und Vorstellungen dazu äussern.
In Loch wird Biomasse verbrannt
Am Nachmittag lerne ich wie man hier Bodenproben nimmt und ich bekomme eine Demonstration der Düngemittel, die hier produziert werden und wie man Pflanzenkohle herstellt, was folgendermassen aussieht. In einem extra dafür geschaffenen Loch wird Biomasse verbrannt. Im trichterförmigen Loch wird die Biomasse – in unserem Fall Erntereste von Baumwollpflanzen – von oben her schichtweise verbrannt. Dadurch gelangt wenig Sauerstoff dazu und die Biomasse verkohlt, anstatt vollständig zu verbrennen – die sogenannte Pyrolyse. Dann wird die Glut mit Wasser übergossen und fertig ist die Pflanzenkohle.
Kurz denke ich mir, dass es etwas Surreales hat, in dieser unheiligen Hitze das gefühlt drittgrösste Feuer im ganzen Universum zu machen, aber diese Temperatur ist ja nur für mich abnormal.
Integriert
Als ich das Team frage, ob sie nicht Angst hätten aus Versehen den riesigen Haufen staubtrockener Biomasse direkt neben dem Kohleloch zu entzünden, müssen sie schmunzeln. «Wir haben ja Wasser, um zu löschen» sagen sie. Sie sind allgemein gut gelaunt und lachen viel. Sie amüsieren sich auch über mich. Darüber, dass ich meine Zigaretten selber drehe oder wenn ich eins der drei Hindi Worte, die ich bis jetzt gelernt habe, zum Besten gebe. Wir stellen uns gegenseitig viele Fragen über unsere Heimatländer und ich lerne in kurzer Zeit sehr viel.
Ich fühle mich sehr willkommen und gut aufgehoben. Ich freue mich mit diesem Team arbeiten zu dürfen und bin zuversichtlich, dass es gut kommt.
Blog aus Indien
Dominic Spahr absolviert im Mai und Juni 2026 im Rahmen seines Agronomiestudiums ein Praktikum in Indien. Seine Erlebnisse findet Ihr in den Blogeinträgen.