Brotgetreide: Warnung vor Preissenkung

Am Montag werden die Richtpreise für Brotgetreide verhandelt. Faire Märkte Schweiz warnt vor Preissenkungen.

Am kommenden Montag wird die Getreidebranche über die Richtpreise beim Brotgetreide befinden. Die Müller gingen vor einigen Tagen in die Offensive. Lorenz Hirt, Geschäftsführer des Dachverbands Schweizer Müller, sagte gegenüber nau.ch , dass Schweizer Getreide dreimal so teuer sei wie ausländisches. Der Rechtsanwalt forderte «eine Marktkorrektur in der Höhe von acht bis 10 Franken».

Bauernverbände wehren sich gegen Senkung

Gegenüber «Schweizer Bauer», auf dessen Beitrag sich der Artikel von nau.ch bezog, relativierte Hirt die Aussagen zu den hohen Importmengen. «Ich habe erklärt, dass dies momentan eine Preisfrage ist, und die viel zu hohe Preisdifferenz aufgezeigt. Ich habe aber keine Aussage zum Richtpreis gemacht», so Hirt weiter.

Die Schweizer Getreideproduzenten stossen eine Grundsatzfrage an: Wie viel Wert will die Gesellschaft einem Schweizer Produkt geben? Für den Schweizer Bauernverband gibt es keinen Handlungsspielraum. «Wir fordern mindestens die Beibehaltung der Richtpreise. Die Produzenten sind mit einem hohen Kostenumfeld konfrontiert», sagte Michel Darbellay, stellvertretender Direktor des SBV, zu «Schweizer Bauer» .

Keine fairen Preise

Aber wie hoch ist der Richtpreis? Für Weizen Top wurde dieser im Juni 2025 auf 60 Fr./100 kg festgelegt. Bis 2021 lag der Preis bei 52 Fr./100 kg. Mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine begann der Richtpreis zu steigen. 2022 stieg der Preis für Weizen Top auf 58.50 Fr. (Herbstrichtpreis). 2024 stieg er noch einmal leicht um 1.50 Fr./100 kg.

Für Faire Märkte Schweiz (FMS) gibt es keinen Spielraum für eine Preissenkung. Gemäss Vollkostenberechnungen liegt ein kostendeckender Produzentenpreis bei 60 Franken pro Dezitonne. Die Organisation bezieht sich auf Berechnungen der Fachhochschule Nordwestschweiz. FMS warnt: «Die Produzentenpreise für Weizen liegen bereits heute unter einem fairen und kostendeckenden Niveau.»

«Angesichts dieser Ergebnisse wäre eine Senkung der Richtpreise trotz der derzeitigen mengenmässigen Herausforderungen im Brotgetreidemarkt der falsche Weg», sagt FMS-Präsident Stefan Flückiger.

Keine Verhandlung auf Augenhöhe

Dies ist aber gemäss Flückiger eine Herausforderung. Bei den Richtpreisverhandlungen stünde die Produzentenseite grossen Detailhandels- und Verarbeitungsunternehmen gegenüber, die über eine deutlich stärkere Marktposition verfügten. Zudem gebe es enge vertikale Verflechtungen entlang der Wertschöpfungskette. So gehört die Grossmühle Swissmill dem Detailhandelsriesen Coop. Zudem bemängelt Flückiger, dass die Produzenten nicht über die gleichen Informationen zu den tatsächlichen Kostenstrukturen, Margen und Kalkulationen verfügen.

FMS befürchtet deshalb, dass die Produzenten am Montag den Kürzeren ziehen werden. Also dass es keine Verhandlungen auf Augenhöhe geben wird, sondern dass die bestehenden Machtverhältnisse widerspiegelt werden. Sprich: eine Preissenkung.

Faire Märkte Schweiz fordert deshalb, die bevorstehenden Richtpreisverhandlungen an den tatsächlichen Produktionskosten und den gesetzlichen Vorgaben für ein angemessenes Einkommen auszurichten. Es brauche eine Diskussion über faire, transparente und vollkostendeckende Produzentenpreise.

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