
Wegen der Dürre wächst das Gras nicht mehr.
Stefan Schürmann
In vielen Regionen der Schweiz hat es seit Monaten viel zu wenig geregnet. Im Juli hat sich die Situation weiter verschärft. Über die ganze Schweiz gesehen fehlt gemäss Meteonews rund die Hälfte des üblichen Monatsniederschlags. Die geringsten Niederschlagsmengen wurden in den Regionen Mittelland, Jura, Alpennordhang und Alpensüdseite gemessen. Dort fielen teils weniger als 20 Prozent des üblichen Regens.
-> Wärmster Juli seit Messbeginn
-> Ausführliche Wetterprognosen gibt es hier
Bewässerung kostet
Das Gras auf den Wiesen und Weiden wächst nicht mehr. Um ihre Tiere zu versorgen, geben Viehhalterinnen und Viehhalter ihren Tieren das Winterfutter oder bringen die Kühe vorzeitig in den Schlachthof. Zuckerrüben, Kartoffeln, Obst und Gemüse leiden ebenfalls unter der grossen Hitze und Trockenheit.

Das Bewässern verursacht hohe Kosten.
Heinz Röthlisberger
Wo es möglich ist, werden die Kulturen bewässert. Das benötigt viel zusätzlichen Arbeitsaufwand. Und kostet viel. «Der Einsatz, um die diesjährige Ernte zu sichern, verursacht erhebliche Mehrkosten – oft mehrere Tausend Franken pro Woche», schreibt der Zürcher Bauernverband (ZBV) in einer Mitteilung.
Existenz in Gefahr
Für die Landwirtschaftsbetriebe kann die aktuelle Dürre die Existenz gefährden, so der Verband weiter. Aufgrund der vielfach nicht kostendeckenden Produzentenpreise in den vergangenen Jahren hätten sie keine Reserven bilden können. Zudem verursache der Kauf von Futter zusätzliche Kosten. Weil ganz Europa unter der Trockenheit leidet, steigen die Preise laufend an.
-> Die Preise für Importfutter explodieren
Zudem besteht eine Unsicherheit bezüglich des Wachstums der Kulturen, trotz Bewässerung. «Ob die Produkte den geforderten Normen entsprechen, zeigt sich erst bei der Ernte. Werden sie später wegen Grösse, Form oder äusserer Abweichungen abgelehnt, waren der Einsatz und die hohen Investitionen umsonst», warnt der Verband.
Zwei Forderungen
Die Lage sei ernst, so der ZBV weiter. «Die Bauernfamilien brauchen jetzt Signale – nicht erst nach der Ernte», macht er deutlich. Sonst seien die Landwirtschaftsbetriebe gezwungen, den Einsatz zurückzufahren und Kulturen wie Kartoffeln oder Karotten nicht mehr bis zur Ernte zu pflegen, sondern vorzeitig als Biogassubstrat zu verwerten. «Die Versorgungssicherheit beginnt auf den Feldern», heisst es in der Mitteilung.
Der ZBV appelliert an Handel, Verarbeiter und Detailhandel, in den Branchenorganisationen klare Entscheide zu treffen. Der Verband stellt zwei Forderungen:
1. Erhöhung der Produzentenpreise
Der ZBV fordert Handel, Verarbeiter und Grossverteiler auf, die ausserordentlichen Mehrkosten anzuerkennen und mit raschen Preisanpassungen «ein klares Signal» zu setzen. Dies sei in anderen Branchen auch so: Steigen die Kosten ausserordentlich, würden sie unmittelbar weitergegeben und vom Markt akzeptiert. Der Verband nennt als Beispiel die höheren Treibstoffkosten aufgrund des tiefen Wasserstands des Rheins.
2. Übernahmebedingungen flexibler gestalten
Der ZBV fordert die Abnehmerseite auf, die Produkte abzunehmen, wenn Grösse, Form oder andere Qualitätsmerkmale von den üblichen Normen abweichen. Bei Importprodukten würden Abweichungen auch akzeptiert, schreibt der ZBV. Dies müsse nun auch für Schweizer Produkte gelten.
Hinweis: Inhaltlich würde ich nur einen Punkt hinterfragen: «bringen die Kühe vorzeitig in den Schlachthof». Falls sich die Aussage allgemein auf Rinder bezieht, wäre «bringen Tiere vorzeitig in den Schlachthof» oder «schlachten Tiere vorzeitig» präziser. Wenn der ZBV ausdrücklich von Milchkühen spricht, kann die Formulierung so bleiben.