
Die Richtpreissenkung stösst der LOS sauer auf.
Ruedi Haudenschild
«Die Argumente gegen eine Preissenkung liegen klar auf der Hand, wurden aber offensichtlich nicht mit der nötigen Konsequenz vertreten», so die LOS.
«Wer kontrolliert die Zahlen?»
«Die Produktionskosten für Energie und Dünger sind massiv gestiegen, gleichzeitig wird die Trockenheit die Ernte 2026 deutlich schmälern», sagt Martin Schlup, der Präsident der LOS. «Kurz vor der Ernte sind die Lager angeblich voll – im August heisst es dann, die weltweiten Brotgetreidevorräte reichten nur noch 70–90 Tage.»
Für 2026 sollen noch 130'000 Tonnen Brotgetreide an Lager sein. «Das ist kaum plausibel, wenn die Ernten 2023 (373'000 t), 2024 (250'000 t) und 2025 (436'000 t) deutlich darunter lagen. Der langjährige Durchschnitt liegt bei rund 420'000 t. Wer kontrolliert diese Zahlen?», fragt sich die Organisation.
Scharfe Kritik an SGPV
Aus Sicht der LOS wiederholt sich jedes Jahr das gleiche Muster: Vor der Ernte würden volle Lager als Argument für tiefere Preise angeführt, wenige Wochen später werde auf knappe Weltvorräte verwiesen. Angesichts der wachsenden Bevölkerung brauche die Schweiz zudem mehr statt weniger Brotgetreide. «Wenn günstiges Brot gewünscht ist, darf das nicht auf dem Buckel der Bauern ausgetragen werden.» Die Grossverteiler wollen Schweizer Bauern vor allem als Werbeträger für Regionalität, nicht als faire Partner, kritisiert die LOS.
Unzufrieden ist die LOS mit dem Schweizerischen Getreideproduzentenverband (SGPV). Er habe den Grossverteilern entweder nicht standgehalten – oder stehe ihnen zu nahe, schreibt die LOS. Der SGPV müsste sich für die Produzenten einsetzen. «Dafür bezahlen die Bauern Verbandsbeiträge. Da dies nicht geschehen ist, werden die Seeländer Bauern ihre Verbandsabgaben 2026 im Umfang der Preissenkung zurückfordern», heisst es in der Mitteilung.