Brotgetreide: Richtpreise sinken

Schlechte Nachrichten für die Produzenten: Die mengengewichteten Durchschnittspreise für Brotgetreide sinken um rund 2.50 Fr./100 kg. Die Branche spricht von einem Kompromiss.

Eigentlich hätten die Richtpreise bereits am Montag kommuniziert werden sollen. Die Festlegung wurde jedoch verschoben. Die Diskussionen würden andauern, teilte die Branchenorganisation Swiss Granum mit.

->  Brotgetreide: Richtpreis-Festlegung verschoben

Grösstes Minus bei Weizen Top

In den vergangenen Tagen haben sich die Verarbeiter, der Handel und die Produzenten innerhalb ihrer Kommissionen getroffen. Anschliessend einigte man sich in der Kommission «Markt-Qualität Getreide» von Swiss Granum auf die Ernterichtpreise. Für Brotgetreide sinken sie im Durchschnitt mengengewichtet um rund 2.50 Fr./100 kg.

Den grössten Abschlag gibt es für Weizen Top. Hier sinkt der Richtpreis um 3 Franken auf noch 57 Fr./100 kg. Bei der Kategorie Weizen I gibt es einen Abschlag von 1.50 Fr. auf noch 55.50 Fr./100 kg. Bei Weizen II und Weizen Biskuit wurde eine Senkung um 0.50 Fr. auf 54 Fr./100 kg beschlossen. Der Roggen-Richtpreis sinkt um einen Franken auf 44 Fr./100 kg. Der Ernterichtpreis für Dinkel bleibt mit 58 Fr./100 kg auf dem Vorjahresniveau.

Wichtigkeit von Richtpreisen betont

Die Senkung ist gemäss Mitteilung von Swiss Granum ein Kompromiss, der von sämtlichen Branchenpartnern mitgetragen wurde. «Er war verbunden mit intensiven Diskussionen zwischen den Getreideproduzenten und den Verarbeitern», heisst es. Sprich: Die Verarbeiter wollten noch tiefere Abschläge, die Produzenten zumindest gleichbleibende Richtpreise.

Bei den Preisvorstellungen lag man offenbar zunächst weit auseinander. Die Verhandlungen standen vermutlich gar vor dem Scheitern. So schreibt Swiss Granum: «Alle Marktpartner entlang der Wertschöpfungskette betonten die Wichtigkeit eines Richtpreises für Brotgetreide für die diesjährige Ernte.» Der Konsens bei der Richtpreisfestlegung solle die nötige Basis für die gemeinsamen Anstrengungen zugunsten der Schweizer Getreide-, Mehl- und Brotproduktion schaffen, so Swiss Granum weiter.

Grenzschutz stärken

«Die steigenden Importe von Brot- und Feinbackwaren stellen die ganze Branche vor grosse Herausforderungen», so Swiss Granum weiter. Deshalb will die Getreidebranche den damit verbundenen Marktanteilsverlusten «vereint» entgegenwirken. Dies geschieht einerseits mittels der Preissenkung.

Andererseits wollen die Akteure «die Benachteiligung der inländischen Wertschöpfungskette aufgrund des schwächeren Grenzschutzes bei importierten Brot- und Feinbackwaren auf politischer Ebene angehen», schreibt Swiss Granum.

Keine Richtpreise beim Futtergetreide

Beim Futtergetreide wurden keine Richtpreise festgelegt. «Trotz der konstruktiven Diskussion konnten die Preiserwartungen der Getreideproduzenten, der Tierhaltervertreter sowie der Abnehmer nicht in Übereinstimmung gebracht werden», schrieb Swiss Granum am Montag. Die Ausgangslage präsentiere sich im Vergleich zu den Vorjahren unverändert. Die Getreideproduzenten liefen wie in den Vorjahren bei den Tierhaltern und Abnehmern auf. Letztmals wurden beim Futtergetreide 2022 Richtpreise festgelegt.

Bauernverbände: Kein Handlungsspielraum

Im Vorfeld der Richtpreisfestlegung ging der Geschäftsführer des Dachverbands Schweizer Müller, Rechtsanwalt Lorenz Hirt, beim Brotgetreide in die Offensive. Gegenüber nau.ch sagte er, dass Schweizer Getreide dreimal so teuer sei wie ausländisches. Der Rechtsanwalt forderte «eine Marktkorrektur in der Höhe von acht bis 10 Franken».

Gegenüber «Schweizer Bauer», auf dessen Beitrag sich der Artikel von nau.ch bezog, relativierte Hirt die Aussagen zu den hohen Importmengen. «Ich habe erklärt, dass dies momentan eine Preisfrage ist, und die viel zu hohe Preisdifferenz aufgezeigt. Ich habe aber keine Aussage zum Richtpreis gemacht», so Hirt weiter.

Die Schweizer Getreideproduzenten stossen eine Grundsatzfrage an: Wie viel Wert will die Gesellschaft einem Schweizer Produkt geben? Für den Schweizer Bauernverband gibt es keinen Handlungsspielraum. «Wir fordern mindestens die Beibehaltung der Richtpreise. Die Produzenten sind mit einem hohen Kostenumfeld konfrontiert», sagte Michel Darbellay, stellvertretender Direktor des SBV, zu «Schweizer Bauer». Diese Forderung fand bei den Richtpreisverhandlungen kein Gehör.

Keine fairen Preise

Für Faire Märkte Schweiz (FMS) gibt es keinen Spielraum für eine Preissenkung. Gemäss Vollkostenberechnungen liegt ein kostendeckender Produzentenpreis bei 60 Franken pro Dezitonne. Die Organisation bezieht sich auf Berechnungen der Fachhochschule Nordwestschweiz. FMS warnte: «Die Produzentenpreise für Weizen liegen bereits heute unter einem fairen und kostendeckenden Niveau.»

«Angesichts dieser Ergebnisse wäre eine Senkung der Richtpreise trotz der derzeitigen mengenmässigen Herausforderungen im Brotgetreidemarkt der falsche Weg», sagte FMS-Präsident Stefan Flückiger.

Hohe Kosten, tiefe Preise

Auch für den Berner Bauernverband (BEBV) sind tiefere Produzentenpreise ein No-Go. «Die Preise für landwirtschaftliche Produktionsmittel wie Energie, Baukosten, Dünger oder Saatgut steigen seit Anfang 2026 weiter an, während die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse stark unter Druck stehen. Die Nahrungsmittelpreise blieben dagegen nahezu stabil», schrieb der Verband in einer Mitteilung. Diese Entwicklung sei inakzeptabel. «Die Bauernfamilien tragen hohe Kosten, erhalten am Markt aber tiefere Preise», kritisierte der Verband.

Durch den Preisdruck im Detailhandel verschärfe sich die Lage weiter. Über immer tiefere Ladenpreise würden Lebensmittel entwertet, so der BEBV. Er nennt als Beispiel das Pfünderli Brot für 99 Rappen. Der BEBV fordert Produzentenpreise, die die Leistungen der Landwirtschaft «konsequent» abbilden. «Tiefere Produzentenpreise sind angesichts des aktuellen Kostenumfelds nicht vertretbar», stellte er klar.

Mühlen und Detailhandel müssten Verantwortung übernehmen, indem sie den Bauernfamilien eine wirtschaftliche Perspektive ermöglichten. Den Kostendruck dürften sie nicht auf die inländische Produktion und die Bauernfamilien abwälzen. «Schweizer Getreide, Schweizer Brot und Schweizer Lebensmittel dürfen nicht über Preisdruck entwertet werden», machte der BEBV klar. Die Festlegung eines Richtpreises sei dabei zentral. Ernterichtpreise wurden nun zwar festgelegt, doch diese sind tiefer als im Vorjahr.

->    Faire Märkte Schweiz warnt vor Preissenkungen

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->   «Schweizer Getreide nicht durch Preisdruck entwerten»

Kommentare (1)

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  • Fickt euch | 19.06.2026
    Schön das alles andere auch Billiger wird.
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