Brotgetreide: Richtpreis-Festlegung verschoben

Am Montag hat die Branche über die Richtpreise diskutiert. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Nicht so beim Futtergetreide und den Eiweisspflanzen.

blu |

Die Kommission «Markt-Qualität Getreide» der Branchenorganisation setzt jeweils im Juni die Richtpreise für Brot- und Futtergetreide sowie Eiweisspflanzen fest. Auf Antrag aus der Kommission wird er Anfang Oktober durch einen Herbstrichtpreis ersetzt.

Keine Richtpreise beim Futtergetreide

Heuer tut sich die Kommission schwer. Wie Swiss Granum am Montag in einer Mitteilung schreibt, wurde die Festlegung der Ernterichtpreise für Brotgetreide verschoben. Die Diskussionen würden andauern. «Der Entscheid wird am Freitag, 19. Juni 2026, erwartet», schreibt Swiss Granum.

Beim Futtergetreide wurden in den vergangenen Jahren keine Richtpreise festgelegt. «Trotz der konstruktiven Diskussion konnten die Preiserwartungen der Getreideproduzenten, der Tierhaltervertreter sowie der Abnehmer nicht in Übereinstimmung gebracht werden», schreibt Swiss Granum. Die Ausgangslage präsentiere sich im Vergleich zu den Vorjahren unverändert. Die Getreideproduzenten liefen wie in den Vorjahren bei den Tierhaltern und Abnehmern auf. Letztmals wurden beim Futtergetreide 2022 Richtpreise festgelegt.

Kommission «Markt-Qualität Getreide» Swiss Granum

Zusammensetzung (6. März 2026)

Produktion: Christophe Eggenschwiler, Geschäftsführer IP-Suisse; Hans Marti, Schweizerische Getreideproduzenten; Christof Rüfenacht, Geschäftsführer Swisssem; David von Wattenwyl, Schweizerische Getreideproduzenten

Sammelstellen/Handel: Steve Corminboeuf, Verband der kollektiven Getreidesammelstellen der Schweiz (VKGS); Corinne Mühlebach, Verband der Getreidesammelstellen der Schweiz (VGS); Hans Stettler, Agrokommerz AG; Joseph von Rotz, Fenaco

Verarbeiter 1. Stufe: Alexandre Bardet, Groupe Minoteries SA; Lorenz Hirt, Geschäftsführer Dachverband Schweizerischer Müller (DSM); Beat Röösli, Geschäftsführer Vereinigung Schweizerischer Futtermittelfabrikanten (VSF); Joseph von Rotz, UFA AG (Fenaco)

Verarbeiter 2. Stufe: Peter Liniger, Schweizer Geflügelproduzenten (SGP); Aron Milz, Suisseporcs; Matthias Staehelin, Swissmill (Coop); Urs Wellauer, Schweizer Bäcker-Confiseure (SBC)

Im Vorfeld der Sitzung ging der Geschäftsführer des Dachverbands Schweizer Müller, Rechtsanwalt Lorenz Hirt, beim Brotgetreide in die Offensive. Gegenüber nau.ch sagte er, dass Schweizer Getreide dreimal so teuer sei wie ausländisches. Der Rechtsanwalt forderte «eine Marktkorrektur in der Höhe von acht bis 10 Franken».

Bauernverbände wehren sich gegen Senkung

Gegenüber «Schweizer Bauer», auf dessen Beitrag sich der Artikel von nau.ch bezog, relativierte Hirt die Aussagen zu den hohen Importmengen. «Ich habe erklärt, dass dies momentan eine Preisfrage ist, und die viel zu hohe Preisdifferenz aufgezeigt. Ich habe aber keine Aussage zum Richtpreis gemacht», so Hirt weiter.

Die Schweizer Getreideproduzenten stossen eine Grundsatzfrage an: Wie viel Wert will die Gesellschaft einem Schweizer Produkt geben? Für den Schweizer Bauernverband gibt es keinen Handlungsspielraum. «Wir fordern mindestens die Beibehaltung der Richtpreise. Die Produzenten sind mit einem hohen Kostenumfeld konfrontiert», sagte Michel Darbellay, stellvertretender Direktor des SBV, zu «Schweizer Bauer».

Keine fairen Preise

Für Faire Märkte Schweiz (FMS) gibt es keinen Spielraum für eine Preissenkung. Gemäss Vollkostenberechnungen liegt ein kostendeckender Produzentenpreis bei 60 Franken pro Dezitonne. Die Organisation bezieht sich auf Berechnungen der Fachhochschule Nordwestschweiz. FMS warnte vergangene Woche: «Die Produzentenpreise für Weizen liegen bereits heute unter einem fairen und kostendeckenden Niveau.»

Wie hoch ist der Richtpreis?

Für Weizen Top wurde dieser im Juni 2025 auf 60 Fr./100 kg festgelegt. Bis 2021 lag der Preis bei 52 Fr./100 kg. Mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine begann der Richtpreis zu steigen. 2022 stieg der Preis für Weizen Top auf 58.50 Fr. (Herbstrichtpreis). 2024 stieg er noch einmal leicht um 1.50 Fr./100 kg.

«Angesichts dieser Ergebnisse wäre eine Senkung der Richtpreise trotz der derzeitigen mengenmässigen Herausforderungen im Brotgetreidemarkt der falsche Weg», sagte FMS-Präsident Stefan Flückiger.

Hohe Kosten, tiefe Preise

Auch für den Berner Bauernverband (BEBV) sind tiefere Produzentenpreise ein No-Go. «Die Preise für landwirtschaftliche Produktionsmittel wie Energie, Baukosten, Dünger oder Saatgut steigen seit Anfang 2026 weiter an, während die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse stark unter Druck stehen. Die Nahrungsmittelpreise blieben dagegen nahezu stabil», schreibt der Verband in einer Mitteilung. Diese Entwicklung sei inakzeptabel. «Die Bauernfamilien tragen hohe Kosten, erhalten am Markt aber tiefere Preise», kritisierte der Verband.

Durch den Preisdruck im Detailhandel verschärfe sich die Lage weiter. Über immer tiefere Ladenpreise würden Lebensmittel entwertet, so der BEBV. Er nennt als Beispiel das Pfünderli Brot für 99 Rappen. Der BEBV fordert Produzentenpreise, die die Leistungen der Landwirtschaft «konsequent» abbilden. «Tiefere Produzentenpreise sind angesichts des aktuellen Kostenumfelds nicht vertretbar», stellte er klar.

Mühlen und Detailhandel müssten Verantwortung übernehmen, indem sie den Bauernfamilien eine wirtschaftliche Perspektive ermöglichten. Den Kostendruck dürften sie nicht auf die inländische Produktion und die Bauernfamilien abwälzen. «Schweizer Getreide, Schweizer Brot und Schweizer Lebensmittel dürfen nicht über Preisdruck entwertet werden», machte der BEBV klar. Die Festlegung eines Richtpreises sei dabei zentral.

Ob sich die Forderung des Berner Bauernverbands realisieren lässt, wird am Freitag kommuniziert.

->   Faire Märkte Schweiz warnt vor Preissenkungen

->   Getreidemarkt: Detailhändler rücken ins Blickfeld

->   Für die Müller ist Getreide zu teuer

->  «Schweizer Getreide nicht durch Preisdruck entwerten»

Kommentare (2)

Sortieren nach: Likes | Datum
  • Waelchli Urs | 15.06.2026
    Die Fenaco muss entlich Mühlen bauen das wir Produzenten das Brotgetreide verarbeiten können und Swissmill und GESM nichts mehr erhalten wenn sie nicht bereit sind kostendeckende Preise für Brotgetreide zu bezahlen. Das ein Migros Mann im Schafspelz und angeblich Geschäftsführer von IP Suisse gegen die Bauern ist, erdtaunt nicht.
    • Betriebsleiter | 16.06.2026
      Die Fenaco muss vor allem aufhören die Importzölle mit einer ausgeklügelten Importstrategie zu manipulieren. Absolut unverständlich, dass die Bauern sich durch ihre Genossenschaft so in den Rücken fallen lassen. Man könnte fast sagen, selber schuld.
×

Schreibe einen Kommentar

Kommentar ist erforderlich!

Google Captcha ist erforderlich!

You have reached the limit for comments!

Das Wetter heute in

Lesershop

Hier gehts zum Lesershop

Umfrage

Schaut Ihr Spiele der Fussball-WM?

9.2 % Nur die Spiele der Schweiz
13.8 % Einzelne Partien
10.1 % Ja, möglichst viele Spiele
0.9 % Nur den Final
66.1 % Nein, interessiert mich nicht

Teilnehmer insgesamt 109

Zur aktuellen Umfrage

Bekanntschaften

Suchen Sie Kollegen und Kolleginnen für Freizeit und Hobbies? Oder eine Lebenspartnerin oder einen Lebenspartner?