
Genug Protein für Schweizer Tiere dank Pflichtlager
Samuel Krähenbühl
Der Sommer 2026 wird als heiss und sehr trocken in Erinnerung bleiben. Das massive Niederschlagsdefizit hatte gravierende Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Die Bäuerinnen und Bauern verzeichneten deutliche Mindererträge bei der Raufutterernte.
Schifffahrt eingeschränkt
Auch bei den Kartoffeln, Zuckerrüben und dem Mais wird die Ernte heuer deutlich tiefer ausfallen. Das Niederschlagsdefizit der vergangenen Wochen wirkt sich aber negativ auf die Pegelstände der Fliessgewässer aus. Der Rhein führt seit Wochen Niedrigwasser – mit Folgen für die Schifffahrt. Diese ist stark eingeschränkt.
Dies hat ebenfalls Folgen für die Landwirtschaft, nämlich bei der Versorgung mit Proteinträgern. Soja- und Rapsschrot sind reich an Proteinen und daher ideale Futtermittel. Das in der Schweiz eingesetzte Sojaschrot wird aus Europa importiert. Normalerweise gelangt ein Teil per Schiff über den Rhein nach Basel. Da die Schifffahrt stark eingeschränkt ist, kommen die Bestellungen nicht rechtzeitig in der Schweiz an.
Beschaffungslücke geschlossen
Deshalb hat der Bund einen Teil der Pflichtlager für Protein freigegeben. Bis spätestens Ende Februar 2027 dürfen maximal 20 Prozent der eingelagerten Gesamtmenge – knapp 16’000 Tonnen – bezogen werden. Diese Freigabe wird von der Vereinigung Schweizer Futtermittelfabrikanten (VSF) begrüsst: «Mit der vorübergehenden Freigabe der Pflichtlager wird diese Beschaffungslücke geschlossen und die Futtermühlen können genug proteinreiches Futter zubereiten.»
→ Proteinträger: Bund gibt Pflichtlager frei
Trotz des Versorgungsengpasses will der VSF alles daransetzen, nur Soja aus GVO- und entwaldungsfreiem Anbau zu verfüttern. Rund 60 % der Importe stammen gemäss der Vereinigung aus Italien, 98 % aus Europa. «Sojaschrot ist ein wertvolles Produkt, das weltweit für die Versorgung von Mensch und Tier nicht wegzudenken ist», schreibt die VSF in einer Mitteilung.