Schweinemarkt: Stilllegungskonzept nimmt erste Hürde

An der Delegiertenversammlung von Suisseporcs in St. Urban LU wurde am Mittwoch intensiv über den Umgang mit der aktuellen Krise am Schweinemarkt diskutiert. Im Zentrum der Diskussion stand das geplante Stilllegungskonzept für Zuchtschweineplätze, über das Ende Mai an einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung abgestimmt werden soll.

egz/blu |

Die Ostschweizer Sektion beantragte, diese ausserordentliche Delegiertenversammlung zu sistieren und stattdessen zuerst weitere Varianten prüfen zu lassen. Eine breit abgestützte Arbeitsgruppe solle zusätzliche Lösungsansätze erarbeiten, begründete Aaron Milz, Schweinemäster und Vorstandsmitglied der dortigen Sektion den Antrag. Innerhalb der Mitgliedschaft herrsche grosse Unsicherheit, zudem fehle es an ausreichend geprüften Alternativen.

Entscheidung fällt am 27. Mai

Der Zentralvorstand stellte sich klar gegen den Antrag. Suisseporcs Präsident Andreas Bernhard betonte, das Stilllegungskonzept sei das Ergebnis zahlreicher Gespräche und Sitzungen. Ein weiterer Aufschub werde die Probleme nicht lösen. Das Konzept sei ein erster wichtiger Schritt, um die Produktion besser auf die Nachfrage auszurichten. Auch aus der Branche kommt Druck. Proviande teilte zu Beginn der Woche mit, der Verwaltungsrat begrüsse Massnahmen, die zum Ziel hätten, die Produktion besser auf die Nachfrage auszurichten. Damit wird von Suisseporcs eine Lösung für die Mengenregulierung erwartet.

Nach intensiver Diskussion lehnten die Delegierten den Antrag der Ostschweizer Sektion mit 60 Nein zu 44 Ja Stimmen bei zwei Enthaltungen ab. Damit findet die ausserordentliche Delegiertenversammlung am 27. Mai in Olten SO wie geplant statt. Dort wird die Branche endgültig über das umstrittene Stilllegungskonzept entscheiden.

2000 Franken pro Platz

Um die wiederkehrenden Verwerfungen im Schweinemarkt zu vermeiden, hat der Schweizerische Schweinezucht- und Schweineproduzentenverband Suisseporcs zusammen mit weiteren Akteuren in einer Arbeitsgruppe ein Konzept zur freiwilligen Stilllegung von Zuchtsauenplätzen erarbeitet.

Produzenten sollen eine Entschädigung erhalten. Als Richtwert werden rund 2000 Franken pro Platz vorgeschlagen. Die Finanzierung erfolgt über einen Fonds, der durch Abzüge pro Schlachtschwein gespeist werden soll. Teilnehmende Betriebe verpflichten sich zu klaren Auflagen: In den betroffenen Ställen dürfen 25 Jahre lang keine Schweine gehalten werden, zudem gilt ein zehnjähriges Bauverbot für neue Schweineställe. Jährlich sollen rund 1500 Zuchtsauen weniger gehalten werden, um Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen. Bei einer Entschädigung von 2’000 Franken pro Platz können für 3 Millionen Franken jährlich 1’500 Zuchtsauenplätze stillgelegt werden. Einem Durchschnittsbetrieb mit 50 Zuchtsauen kann eine Entschädigung in der Höhe von 100’000 Franken in Aussicht gestellt werden.

Suisseporcs mit Präsident Andreas Bernhard will auf Stilllegungsprämien für Zuchtsauenplätze setzen – auch, weil Abnehmer Druck machen und sonst vermehrt Vertragsproduktion drohen könnte.

Mehr dazu im Interview ->  «Wenn wir schlechte Jahre vermeiden, erreichen wir mit wenig Geld sehr viel»

Kommentare (1)

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  • Biopuur | 07.05.2026
    "Wenn wir schlechte Jahre vermeiden, erreichen wir mit wenig Geld sehr viel mehr" Diese Äusserung lässt vermuten, dass das Prinzip des Schweinezyklus nicht verstanden wurde. Die letzte Krise ist noch nicht sehr lange her. Und scheinbar wurde daraus nichts gelernt. Und darum ist anzunehmen, dass es in ein paar Jahren wieder eine krise geben wird. Dazwischen motiviert man kleinere Betriebe, die Ferkelproduktion einzustellen. Das nennt man denn auch aktives Vorantreiben des Strukturwandels.
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