
Der Klimawandel wird zur grossen Herausforderung für die gesamte Kartoffelbranche, hält Swisspatat fest.
Christa Minder
Der Sommer 2026 hat der Schweiz in Sachen Temperaturen und Trockenheit neue Rekorde gebracht. Der diesjährige Sommer schloss mit einem Temperaturüberschuss von knapp 3,5 Grad ab. Der Sommer 2026 geht als wärmster Sommer seit 1864 in die Wetterbücher ein: Mit einer mittleren Tagestemperatur von rund 17.2 Grad übertrifft er den bisherigen Rekord vom Sommer 2003 um mehr als 0.3 Grad, schreibt Meteonews .
Zudem fiel nur rund zwei Drittel des normalen Niederschlags während der Periode 1991 bis 2020. Besonders trocken war es in der Nordwestschweiz, im Jura und in weiten Teilen des Mittellands. Hier gab es teilweise unter 50 % des normalen Niederschlags.
Mehr Fläche
Die Hitze und der fehlende Regen haben den Kartoffeln nicht behagt, wie die von der Branchenorganisation Swisspatat veröffentlichten Resultate zeigen. Heuer dürften gemäss Hochrechnung rund 333’000 Tonnen geerntet werden. So wenig wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Und das, obwohl die Kartoffelfläche im aktuellen Jahr um 2,5 Prozent auf 11’346 Hektaren ausgedehnt wurde. Zum Vergleich: In den Jahren 2020–2025 wurden im Schnitt fast 20 Prozent mehr geerntet, rund 411’000 Tonnen.

Mitte bis Ende August 2026 wurden in der ganzen Schweiz durchgeführt. Die Resultate sind ernüchternd.
Christa Minder
Die miserable Ernte zeigt sich auch bei den Erträgen pro Hektar. 2026 gibt es 29,4 Tonnen. In der Periode von 2020 bis 2025 waren es 37,9 Tonnen. Nur 1965 gab es noch tiefere Hektarerträge. Damals wurden 23,1 Tonnen geerntet. 2026 sind die Kartoffeln kleiner als in den Jahren zuvor. Immerhin ist die Qualität der Erdäpfel gut.
Mehr Importe, Produzentenpreise nur leicht höher
Die Versorgung kann mit der hiesigen Ernte nicht sichergestellt werden. Rund 130'000 Tonnen Kartoffeln müssen deshalb importiert werden. Gemäss Swisspatat entspricht dies einem Selbstversorgungsgrad von rund 70 bis 75 Prozent. «Im Durchschnitt sind es 85 Prozent», schreibt die Branchenorganisation. Der Mangel werde sich auch in den Regalen und den Preisen bemerkbar machen, schreibt sie weiter. «Eine Kartoffelkrise im Sinne, dass es für den Privatkonsum oder die Industrie zu wenig gäbe, droht aber nicht», so Swisspatat. Es würden vermehrt ausländische Erdäpfel in den Regalen zu kaufen geben.

Richtpreise für sortierte konventionelle Kartoffeln 2026
Swisspatat
Die Produzentenpreise in der Schweiz wurden aber nur leicht erhöht. Bei den Speisekartoffeln wurden die Preisbänder um 2 Fr. pro 100 kg geöffnet. Dadurch steigen die Richtpreise ebenfalls um 2 Fr. pro 100 kg. Das sind 2 Rappen pro Kilo. Produzentenorganisationen haben 7 Rappen gefordert. Bei den Veredelungskartoffeln wird rückwirkend per 1. August ein einmaliger Solidaritätszuschlag von 2 Fr. pro 100 kg ausbezahlt. Zudem wurden die Übernahmebedingungen gelockert.
→ Kartoffelbranche reagiert: Preisaufschlag und gelockerte Kaliber
Wassermangel grösste Sorge
Die Branche macht sich aber Sorgen um die Zukunft der Kartoffel in der Schweiz. Hitze, Trockenheit oder auch zu nasse Frühlinge und Sommer würden Krankheiten und Schädlinge begünstigen. Weil immer weniger Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stünden, werde dies zu noch grösseren Ertragsschwankungen führen.
Doch als grösste Sorge gilt der Wassermangel. Swisspatat präsentierte dazu Zahlen. 50 Prozent der Felder wurden diese Saison bewässert. Sie wiesen im Mittel 55 Prozent mehr Ertrag aus als solche, die nicht bewässert werden konnten. «Dies zeigt, wie wichtig der Zugang zu Wasser für die Kartoffelproduktion ist – und in Zukunft sein wird», sagt Christian Bucher, Geschäftsführer von Swisspatat.
Gen-Schere als Hoffnung
Die Branche erwartet Unterstützung vom Bund bei zwei Punkten. In Sachen Entwicklung von resilienteren Sorten soll es zügig vorwärtsgehen. Gemäss Zielvereinbarung mit dem Bund müssen bis ins Jahr 2040 zu 80 Prozent robustere Sorten angebaut werden. Derzeit sind es 20 Prozent. «Wir müssen in Sachen neue Züchtungstechnologien mit der EU Schritt halten können. Denn die Züchtung neuer, robuster Sorten dauert bis zu 15 Jahre und diese Zeit haben wir nicht», sagte Bucher.
Die Branche fordert deshalb den Zugang zu neuen Züchtungstechnologien wie der Genom-Editierung, die auch als Gen-Schere bekannt ist. Mit dieser Methode liessen sich Kartoffeln gezielt verändern, damit sie resistent gegen Krankheiten und tolerant gegenüber Trockenheit werden. In der Schweiz fällt der Einsatz der Gen-Schere jedoch unter das geltende Gentech-Moratorium, welches bis 2030 verlängert wurde. Landwirte bräuchten zeitnah Lösungen, weshalb in dieser Angelegenheit nun der Bund gefordert sei, führte Christian Bucher aus.
Der zweite Punkt ist die Wasserverfügbarkeit für die Produktion. «Die Kartoffelbranche muss bei der Ausarbeitung von Wasserstrategien involviert werden», sagte Bucher weiter.