Tonnenweise Kartoffeln vernichtet

Heuer wird ein katastrophales Kartoffeljahr. Ganz anders sah es im vergangenen Jahr aus: Recherchen des Schweizer Konsumentenmagazins «Saldo» zeigen, dass Hunderte Tonnen «bester» Kartoffeln in der Biogasanlage gelandet sind.

Heuer soll es das schlechteste Kartoffeljahr werden, das die Schweiz seit Beginn der Aufzeichnungen je erlebt hat. Laut der Branchenorganisation Swisspatat werden gemäss Hochrechnung rund 333’000 Tonnen Kartoffeln erwartet.   Zum Vergleich: In den Jahren 2020–2025 wurden im Schnitt fast 20 Prozent mehr geerntet, rund 411’000 Tonnen.

Keinen Abnehmer gefunden

Ganz anders sah es im vergangenen Jahr aus. Damals sorgte nicht zuletzt der Mangel an Paloxen für Umtriebe, weil hiesige Kartoffelbauern und -bäuerinnen eine Rekordernte einfuhren. Insgesamt waren es 453’000 Tonnen Kartoffeln. Swisspatat liess das Schweizer Konsumentenmagazin «Saldo» wissen, dass 75’000 Tonnen davon nicht verkauft werden konnten.

Bauern hätten darum überschüssige Kartoffeln ans Vieh verfüttert. Recherchen von «Saldo» zeigen, dass Hunderte Tonnen bester Kartoffeln vernichtet worden sind.  Ein Gemüsebauer aus dem Kanton Zürich erzählte dem Konsumentenmagazin, er habe im letzten Winter 50 Tonnen einwandfreie Bio-Kartoffeln auf dem Kompost entsorgt. Er habe dafür keinen Abnehmer gefunden.

Rund 15 Tonnen Kartoffeln verloren

Weiter berichtet «Saldo», dass die Firma Rathgeb Biolog in Unterstammheim ZH sogar mehrere Hundert Tonnen bester Bio-Kartoffeln hatte vernichten müssen. Dies sei ein Fünftel der insgesamt angelieferten Kartoffelmenge beim grössten Zürcher Bio-Gemüsehändler, der auch Migros und Coop beliefert.

Konrad Langhart, ein Bio-Bauer aus Stammheim ZH, ist einer von Ratgebs Lieferanten. Er verlor laut dem Bericht im «Saldo» durch die Vernichtungsaktion rund 15 Tonnen Kartoffeln. «Rathgeb stellte uns Bauern vor vollendete Tatsachen», sagt Langhart dem Konsumentenmagazin. Rathgeb hätte ihm nicht einmal die Möglichkeit gelassen, die Kartoffeln zurückzunehmen und seinen Kühen zu verfüttern. Zudem hätte es ihn gestört, dass die Kartoffeln weggeworfen wurden, obwohl man sie lagern und später hätte verkaufen können.

Ausgeschöpfte Lagerkapazitäten

Rathgeb bestreitet die Vernichtungsaktion gegenüber «Saldo» nicht: Die Lagerkapazitäten seien im Winter «landesweit ausgeschöpft» gewesen. Die überschüssigen Kartoffeln seien an eine Biogasanlage geliefert oder als Tierfutter verwendet worden. Im Lager wären die Kartoffeln nur bis Juli in «qualitativ zumutbarem Zustand» für den Detailhandel gewesen, gibt der Gemüsehändler gegenüber dem Konsumentenmagazin an.

Gleichzeitig zeigt ein Blick in die Marktanalysen des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW): Auf die Preise im Schweizer Detailhandel hatte der Überschuss nur eine geringe Auswirkung. Der Durchschnittspreis für ein Kilo Kartoffeln ging 2026 im letzten Jahr nur um 9 Prozent zurück – von 1.93 Franken auf 1.76 Franken pro Kilo. Die verkaufte Menge stieg dadurch nur um etwa 5 Prozent.

«Die Konsumenten erwarten Frühkartoffeln»

Dazu kommt, dass die Branchenorganisation Bio Suisse laut «Saldo» zwischen Januar und Juni 2026 die Einfuhr von 1100 Tonnen Kartoffeln mit dem Bio-Knospe-Label aus dem Ausland ermöglichte. Bio Suisse sagt gegenüber dem Konsumentenmagazin: «Die Konsumenten erwarten im Frühjahr auch Frühkartoffeln im Sortiment.»

Coop schreibt laut dem Bericht, man habe mit Aktionen den Absatz von Kartoffeln gefördert und «auf den Import von Frühkartoffeln aus Ägypten verzichtet». Die Migros schreibt, sie habe gleich viele Frühkartoffeln wie in den Vorjahren verkauft.

Kommentare (6)

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  • Dario | 20.09.2026
    Es ist an der Zeit, endgültig damit aufzuhören, Lebensmittel zu produzieren, Wasser, Resurcen zu verschwenden und die Erde zu belasten, um dann alles schwachsinnigerweise zu Entsorgen. Das was essbar ist, muss verwendet / verabeitet werden. Egal ob gross / klein / gekrümmt.
    Gerade der Bauer muss dem Markt den Mittelfinger zeigen. Das ist vorhanden, das muss der Markt akzeptieren.
  • Michel Gellertini | 20.09.2026
    Kartoffeln kann man nicht nur im Kühlhaus und in der Erdmiete lagern, man kann sie auch zu Produkten verarbeiten, die sehr lange haltbar sind, und man kann den Absatz fördern. Wenn man aber lebt wie die Made im Speck, stellt man sich darüber keine Gedanken an, denn man muss ja nicht. Damit meine ich nicht die Bauern, sondern die Grossabnehmer.
  • Wyler | 19.09.2026

    Schrecklich, ich kann mir nicht Vorstellen das wirklich Abnehmer gesucht worden sind. Ich weis das das Schweizer Militär immense massen an Lebensmitteln braucht und dabei sehr auf ihr Budget schauen müssen, sie währen sicher Dankbare Abnehmer gewesen. Ich selber bin auch Küchen Chef von einer grossen Firma, wen mir mein Gemüsehändler solche Kartoffeln anbieten würde würde ich sie auch nehmen.

    • Kartoffelbauet | 20.09.2026
      Ich hatte auch 70tonnen übermenge, habe durch eine kollegin beim militär angefragt. Kein intresse wie alle andern auch.
      Da europaweit zu viel kartoffeln auf dem markt waren, war das intresse gross zu importieren, da die aussländer günstiger waren als die schweizer…
  • Ueli dr Pächter | 19.09.2026
    Faule Ausrede von Bio Suisse und den mächtigen orangen Grossverteilern. Einwandfreie Schweizer Bio-Kartoffeln in Biogasanlagen entsorgen und dafür 1100 t (Bio?)-Kartoffeln um die halbe Welt karren. Das ist Marktmacht in Reinkultur! Food Waste lässt grüssen.
    • Kuster | 19.09.2026
      Dein Kommentar ist zutreffend.
      Die Bauern jammern der Zwischenhandel entscheidet,welche grösse und Form Gemüse/Früchte etc.haben dürfen und wir Konsumenten sollten endlich umdenken ; den jedes Lebensmittel kann gegessen werden.
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