Wegen Dürre: Bell-Chef erwartet steigende Fleischpreise

Die anhaltende Hitze hat den Fleischkonsum in der Schweiz laut Bell-Chef Marco Tschanz bislang nicht wesentlich gebremst. Die Dürre dürfte allerdings das Angebot an Fleisch und anderen Rohstoffen verknappen und tendenziell zu höheren Preisen führen, sagte er im Interview mit der Nachrichtenagentur awp.

awp |

Marco Tschanz, essen die Menschen bei grosser Hitze weniger Fleisch?

Marco Tschanz: Wenn die Temperaturen über längere Zeit über 29 Grad liegen, beginnt der Fleischkonsum zu sinken. Die Konsumenten haben dann vielleicht weniger Lust, am Grill zu stehen. Einen massiven Rückgang haben wir diesen Sommer aber nicht festgestellt. Wichtiger sind häufig andere Faktoren wie Feiertage oder die Feriensituation. Zudem haben wir weitere Marktanteile gewonnen und uns damit besser als der Markt entwickelt.

Und die Feuerverbote – belasten diese das Grillgeschäft?

Einen wesentlichen Einfluss habe ich bislang nicht gesehen. Es gibt weiterhin Möglichkeiten, etwa mit Gas zu grillieren.

Profitieren dafür andere Produkte von der Hitze?

Ja. Dazu gehören frisch geschnittene Früchte, Salat-Bowls und Sandwiches. Bei Sandwiches haben wir heuer Spitzenwerte von mehr als 220'000 Stück pro Tag erreicht. Stark im Trend liegt seit rund eineinhalb Jahren auch Tofu. Wir haben unsere Produktion in Landquart mit einer neuen Anlage verdoppelt. Tofu ist in Europa derzeit faktisch ausverkauft. Wir erhalten sogar Anfragen von deutschen Händlern, ob wir Tofu aus der Schweiz nach Deutschland liefern können. Tofu ist zudem vielseitig einsetzbar und lässt sich gut mit anderen vegetarischen Produkten, Seafood oder Geflügel kombinieren.

Wie wirkt sich die Dürre auf Bell aus?

Sie führt zu höheren Gestehungskosten und vor allem zu einer Verknappung gewisser Rohstoffe. Kleinblättrige Salate sind in Europa teilweise kaum noch verfügbar, sodass wir sie inzwischen auch aus der Türkei beschaffen müssen. Beim Schlachtvieh sehen wir, dass Tiere wegen der Trockenheit früher von den Alpen und Voralpen ins Tal zum Schlachten gebracht werden. Dieses Angebot wird uns später im Jahr fehlen.

7000 Kühe mehr geschlachtet

Wegen der anhaltenden Trockenheit und der schwierigen Lage auf dem Milchmarkt sind in der Schweiz im Juni und Juli rund 15 Prozent mehr Rinder geschlachtet worden als im Vorjahreszeitraum. Bei Kühen betrug der Anstieg fast ein Drittel.

Im Juni und Juli wurden laut Proviande rund 7000 Kühe mehr geschlachtet als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das entspricht einem Anstieg von knapp einem Drittel. Bei den Rindern nahm die Zahl der Schlachtungen um rund 13 Prozent zu. Insgesamt wurden in den beiden Monaten knapp 70'000 Rinder (ohne Kälber) geschlachtet, gegenüber rund 60'700 im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einer Zunahme von 15,3 Prozent.

->  7000 Kühe mehr geschlachtet

->  Die Schlachtviehpreise findest du hier

->  Alle weiteren Preise gibt es hier

Wie bereiten Sie sich auf mögliche Engpässe vor?

Wenn ein Tier früher geschlachtet wird, fehlt es später auf dem Markt. Wir bauen darum nun dort, wo es sinnvoll ist, gezielt Lagerbestände auf. Wir versuchen anhand der erwarteten Absatzentwicklung und der aktuellen Rohstoffverfügbarkeit abzuschätzen, welche Mengen wir einlagern müssen. Die Beschaffung wird zusätzlich dadurch erschwert, dass Fleisch nicht beliebig importiert werden kann.

Müssen die Konsumenten deshalb mit höheren Fleischpreisen rechnen?

Tendenziell ja. Wir geben Preisbewegungen grundsätzlich in beide Richtungen weiter. Das haben wir zuletzt auch bei den stark gesunkenen Schweinefleischpreisen getan. Nun sprechen die Dürre, kleinere Tierbestände, Tierseuchen und das regulatorische Umfeld eher für ein knapperes Angebot. Gleichzeitig wächst die weltweite Nachfrage nach tierischem Protein weiter. Das dürfte tendenziell zu höheren Preisen führen. Wetterbedingte Mehrkosten konnten wir bislang an den Markt weitergeben.

Rekordergebnis bei Bell

Die Bell Food Group hat im ersten Halbjahr 2026 trotz eines nur moderaten Umsatzwachstums deutlich mehr verdient. Der Fleischverarbeiter und Convenience-Spezialist erzielte nach eigenen Angaben das beste Halbjahresergebnis seiner Geschichte.

Der Nettoerlös stieg um 0,4 Prozent auf 2,41 Milliarden Franken, wie Bell am Dienstag mitteilte. Bereinigt um Währungs- und Akquisitionseffekte resultierte ein organisches Wachstum von 1,9 Prozent. Die ausgewiesene Absatzmenge sank wegen des Verkaufs der osteuropäischen Eisberg-Gesellschaften um 3,1 Prozent. Organisch blieb es mit einem Minus von 0,1 Prozent praktisch stabil.

Deutlich stärker entwickelte sich die Profitabilität. Der operative Gewinn auf Stufe EBIT legte um 15,4 Prozent auf 76,4 Millionen zu. Unter dem Strich verdiente Bell mit 55,4 Millionen Franken 21,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit übertraf Bell die Erwartungen der Analysten.

Kommentare (5)

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  • Knecht.Ruprecht | 12.08.2026
    Aus der Region für die Region…
    Alles Heuchler…
  • Hp. Fankhauser | 11.08.2026
    Ich würde mich in der aktuellen Situation, in welcher die Landwirtschaft steckt, schämen mit solchen Zahlen zu prahlen. Es wäre wohl angebracht, wenn die Bell Gruppe einen schönen Batzen zur Entschädigung der tockenheits geplagten Landwirtschaft zur Verfügung stellen würde.
    Sie haben ja das super Ergebnis nur zu Stande gebracht, da sie die Bauern abgezockt haben. Mit fairem Markt hat dies nichts mehr zu tun. Schämt euch !!
    • Andi Kunz | 11.08.2026
      Kauf doch Bell Aktien, dann kannst du auch profitieren. Momentan sind sie sehr günstig
  • Chueliueli | 11.08.2026
    Schlappe 42000 Schweine schlachten,aber die Produzentenpreise sind unter jeder Sau.
    Wir brauchen französische Proteste ,sprich blockieren der Verkehrswege,nur so kommen solche Idioten zur Einsicht.Für Was haben wir eigentlich einen Bauernverband
    • Hagelhausi | 11.08.2026
      Einfach drauf hauen ohne von der Sache etwas zu verstehen.
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