Wegen Ferkeltransport: Tierschutzorganisationen zeigen Suisseporcs an

Zwei Tierschutzorganisationen haben wegen mutmasslicher Tierquälerei Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Schweinezuchtverbands Suisseporcs eingereicht. Sie kritisieren die stundenlangen Transporte von Schweizer Ferkeln in einen Schlachthof in Süddeutschland.

blu/sda |

Von Herbst 2025 bis ungefähr Juli wurden in der Schweiz mehr Schweine produziert, als der Markt aufnehmen konnte. Der Angebotsüberhang hatte gravierende Folgen. «Die Preise für die Produzenten sind auf einen noch nie dagewesenen Tiefstand gefallen», schrieb Suisseporcs Ende Juni.

Um den Markt zu entlasten, wurden mehrere Massnahmen beschlossen. Sie dienten zur kurzfristigen Entlastung des Schweinemarkts. «Sie sind notwendig, um auch in der aktuellen Situation eine korrekte Belegung der Schweineställe sicherzustellen», teilte Suisseporcs Ende Juni 2026 mit.

Mehrere Marktentlastungsmassnahmen

Aus den Tiefkühllagern der Verarbeiter wurden 450 Tonnen Schweinefleisch exportiert. Zudem werden seit Juni total 18’000 Schweine in Hälften ausgeführt. Als weitere Marktentlastung kommunizierte Suisseporcs im Juni die Vermarktung von insgesamt 15’000 Mastferkeln im In- und Ausland. Diese Ferkelexporte sorgen nun für gewaltigen Wirbel.

->   Export von 18’000 Schweinen

Gemäss einem am Mittwochnachmittag veröffentlichten Onlinebericht der Tamedia-Zeitungen werden seit Anfang Juni wöchentlich rund 900 Schweizer Ferkel nach Stuttgart gefahren und dort geschlachtet. Der Transport dauert laut Bericht bis zu zehn Stunden, wie die Tierrechtsorganisationen «Tier im Recht» und «Tier im Fokus» mitteilten.

Schlachthof Zürich nicht angefragt

Laut den Organisationen wäre der lange Weg jedoch vermeidbar gewesen. So hätte laut Recherchen des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF) von Juni 2026 der Schlachthof Zürich Kapazitäten für 900 Ferkel für die Schlachtungen gehabt. Man sei nicht von Suisseporcs angefragt worden, sagte Geschäftsführer Hans Rudolf Hofer zum TV-Sender. Der Verband sagte, man könne dazu keine Aussage machen.

Beitrag der SRF-Nachrichtensendung «10 vor 10» vom 19. Juni 2026

Die beiden Tierschutzorganisationen haben deshalb eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Sursee eingereicht. Deren Mediensprecher Simon Kopp bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur sda den Eingang der Anzeige.

Strafanzeige wegen mehrfacher Tierquälerei

Die Tierschutzorganisationen berufen sich laut Artikel auf ein Bundesgerichtsurteil aus dem Jahr 2024. Dieses besagt, dass rein betriebswirtschaftliche Interessen tierschutzrelevante Belastungen nicht rechtfertigen. «Der Schutz der Tierwürde ist ein allgemeines Verfassungsprinzip und gilt auch, wenn sich die Produktion finanziell nicht lohnt», sagt Sibel Konyo, rechtswissenschaftliche Mitarbeiterin bei Tier im Recht. Entfalle nun mit der Lebensmittelproduktion der Zweck der Schlachtung, fehle die Grundlage, die mit der Aufzucht verbundenen Belastungen rechtlich zu rechtfertigen.

Tier im Fokus (Tif) hat nach eigenen Angaben Strafanzeige wegen mehrfacher Tierquälerei gegen die Verantwortlichen von Suisseporcs und Unbekannt eingereicht. Gemäss der Organisation liegt pro Tier ein eigenständiges Delikt vor. Sie bezieht sich dabei auf bundesrätliche Rechtsprechung. «Bei 15'000 bis 22'600 Tieren steht eine vieltausendfache Tatbegehung im Raum», schreibt Tif in einem Post auf den sozialen Medien.

Vom Bund bewilligt

Suisseporcs-Geschäftsführer Stefan Müller sagte auf Anfrage von sda, die Transporte dienten dazu, die Ställe in der Schweiz «zu entlasten» und das «Tierwohl zu erhalten». Sie seien vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) sowie den Kantonen bewilligt worden. Die Ferkel seien in Speziallastwagen transportiert worden, die über Klimaanlagen, ein Lichtprogramm und Trinkwasser verfügten. Die Tiere hätten sich darin wie in einem Stall gefühlt, sagte Müller. Er habe Videos der Transporte gesichtet. «Es war keine Hektik vorhanden.»

Mit den frühen Schlachtungen will Suisseporcs aus Sempach LU eine Überproduktion auf dem Schweizer Markt abbauen. Im Mai dieses Jahres lag das Angebot wöchentlich um rund 3000 bis 4000 Schweine über der Nachfrage, worauf die Produzentenpreise fielen, wie es weiter hiess. Die Lage sei aktuell «entspannt» und weniger angespannt als noch im Frühjahr, sagte Müller zu sda. Suisseporcs werde die Anzeige, die «noch nicht auf dem Tisch ist», prüfen und zu gegebener Zeit weiter informieren.

Runder Tisch schlägt Lösungen vor

Weil Ende Mai eine Zwei-Drittels-Mehrheit zur Umsetzung eines Stilllegungskonzepts an der Delegiertenversammlung von Suisseporcs nicht zustande kam, drohte weiteres Ungemach. Deshalb hat der Schweizer Bauernverband (SBV) die «zentralen Akteure» der Schweinebranche Mitte August zu einem «runden Tisch» eingeladen. Ziel der Zusammenkunft: Massnahmen für einen künftig stabilen Schweinemarkt zu definieren.

->  Stilllegungskonzept scheitert hauchdünn

Gemäss SBV haben die Diskussionen zu mehreren Vorschlägen geführt. Im Zentrum stehen die Verbesserung der Daten über die Einstallungen, die generelle Optimierung der Markttransparenz über ein Markt-Dashboard, die Überarbeitung der Preisbildungsmechanismen für Jager und Schlachtschweine sowie die Erarbeitung von weiteren Begleitmassnahmen zum Ausgleich des Markts.

Nun ist eine Arbeitsgruppe von Proviande, der Branchenorganisation der Fleischwirtschaft, an der Reihe. Sie soll die Vorschläge bis Ende Jahr konkretisieren. «Danach gibt es einen zweiten «Runden Tisch», um Nägel mit Köpfen zu machen», teilte der SBV Mitte August mit.

->  Schweinemarkt: Diese Vorschläge macht der runde Tisch

×

Schreibe einen Kommentar

Kommentar ist erforderlich!

Google Captcha ist erforderlich!

You have reached the limit for comments!

Das Wetter heute in

Lesershop

Hier gehts zum Lesershop

Umfrage

Richtpreise: Haben Verbände gut verhandelt?

32.7 % Ja, gut verhandelt
49.8 % Nein, zu wenig gut
17.5 % Besser als nichts

Teilnehmer insgesamt 211

Zur aktuellen Umfrage

Bekanntschaften

Suchen Sie Kollegen und Kolleginnen für Freizeit und Hobbies? Oder eine Lebenspartnerin oder einen Lebenspartner?