
Das Konzept zur Stilllegung von Zuchtsauenplätzen sorgte innerhalb von Suisseporcs für kontroverse Diskussionen.
UFA
Im solothurnischen Olten ist am Mittwoch entschieden worden, welchen Weg die Schweizer Schweinebranche im Umgang mit der Überproduktion einschlagen will. Hinter verschlossenen Türen berieten die Delegierten von Suisseporcs über ein Konzept, das in den vergangenen Wochen für viel Diskussion, Kritik und Widerstand gesorgt hatte: die freiwillige Stilllegung von Zuchtsauenplätzen. Die ausserordentliche Delegiertenversammlung fand unter Ausschluss der Medienschaffenden statt.
Vier Stimmen fehlten
Nach über vier Stunden Diskussion stand fest: Das Konzept ist gescheitert. Von den 108 anwesenden Delegierten stimmten 69 für die Vorlage, 39 dagegen. Für eine Annahme wäre jedoch eine Zweidrittelsmehrheit nötig gewesen. Damit fehlten lediglich vier Stimmen. «Im Grundsatz war eine Mehrheit für die Stilllegung da, aber die absolute Mehrheit von zwei Dritteln wurde nicht erreicht», sagte Suisseporcs-Geschäftsführer Stefan Müller nach der Versammlung.
«Nun geht uns weiterhin viel Geld und Wertschöpfung verloren, und wir stehen ohne Lösung da.»
Es war ein Entscheid in angespannter Atmosphäre. Die Debatte war intensiv, aber korrekt, wie Müller sagte. Die Voten seien differenziert gewesen, die Versammlung sei mit juristischer Begleitung durchgeführt worden. Auch im Saal selbst war die Luft dick: Bei sommerlichen Temperaturen funktionierte die Klimaanlage offenbar nicht.
Mit dem Nein ist bereits der zweite Versuch gescheitert, ein Stilllegungskonzept für Zuchtsauenplätze durchzubringen ( -> 2000 Franken, wenn ein Platz stillgelegt wird ). Bereits vor rund drei Jahren waren verschiedene Ideen zur Diskussion gestellt worden. Nun wurde die Vorlage detaillierter ausgearbeitet und erneut den Delegierten vorgelegt. Auch dieser Anlauf scheiterte.
Zurück auf Feld 1
Die Verbandsspitze um Präsident Andreas Bernhard und Geschäftsführer Stefan Müller hatte in den vergangenen Monaten intensiv für die Vorlage geworben. Mit freiwilligen Stilllegungen wollte Suisseporcs die Produktion langfristig besser an den Markt anpassen und wiederkehrende Marktkrisen verhindern. Finanziert werden sollte das Konzept über einen Abzug pro Schlachtschwein. Mehr dazu im Interview -> «Wenn wir schlechte Jahre vermeiden, erreichen wir mit wenig Geld sehr viel»
«Nun steuert der Preis den Markt, und es wird schmerzhaft und lange dauern, bis es wieder besser wird.»
Andreas Bernhard zeigte sich nach der Versammlung enttäuscht. «Es ist schade, haben wir es nicht geschafft. Es war so knapp», sagte er gegenüber dem «Schweizer Bauer». Die Produzenten hätten gemeinsam etwas bewirken können. «Nun geht uns weiterhin viel Geld und Wertschöpfung verloren, und wir stehen ohne Lösung da.»
Laut Bernhard gab es in der Versammlung breite Diskussionen, neue Argumente seien jedoch kaum mehr auf den Tisch gekommen. Alle Produzenten seien sich einig, dass Lösungen nötig seien. Offen bleibt aber, wie diese aussehen sollen. «Wir sind eigentlich wieder bei Feld eins», sagte Bernhard.
-> SBV: «Produktion an Nachfrage anpassen»
Handlungsdruck bleibt hoch
Der Zentralvorstand werde sich nun treffen, die Abstimmung analysieren, die Voten aufnehmen und beraten, wie es weitergehen soll. Gleichzeitig sieht Bernhard die Gegner des Konzepts in der Pflicht. Die Kritiker hätten Ideen und wollten diese einbringen. Nun müssten sie zeigen, ob sie etwas erarbeiten könnten, das umsetzbar und in der Branche mehrheitsfähig sei.
An einen Rücktritt denkt Bernhard trotz der Niederlage nicht. Auf die Frage, ob er seinen Platz freimache, antwortete er klar: Nein. Er bleibe bis im kommenden Frühling im Amt. Das sei klar.

Nach dem knappen Nein zum Stilllegungskonzept bleiben Andreas Bernhard (l.) und Stefan Müller gefordert.
Zoë Egger
Auch Geschäftsführer Stefan Müller machte nach der Versammlung deutlich, dass der Handlungsdruck bestehen bleibt. Der Einzug für die Marktentlastungsmassnahmen werde nicht angetastet. Dieser liege in der Kompetenz der erweiterten Fachkommission Markt. Man werde weiterhin wöchentlich im Ausschuss Export beraten, wie vorzugehen sei. Wegen der aktuellen Einstallungen sei man auf Geld angewiesen, um im August und September weiterhin Schlachtschweine exportieren zu können.
Mit der Ablehnung des Stilllegungskonzepts werde nun weiterhin der Preis den Markt steuern. Das zeige bereits der aktuelle Schlachtschweinepreis von 3.20 Fr./kg SG. «Nun steuert der Preis den Markt, und es wird schmerzhaft und lange dauern, bis es wieder besser wird», sagte Müller.
Geteilte Reaktionen nach dem Nein
Unter den Delegierten wurde der Entscheid unterschiedlich aufgenommen. Ein Delegierter aus dem Bernbiet, der die Stilllegung klar unterstützt hatte, zeigte sich enttäuscht, akzeptierte das Resultat aber. Es sei ein demokratischer Entscheid, mit dem man leben müsse.
Ein Luzerner ergänzte: «Ein Vorteil ist nun immerhin, dass der Verband durch das Nein vielleicht weniger stark gespalten wurde.» Gleichzeitig bedauerte er, dass Mitglieder aus der Ostschweiz mit Austritten gedroht hätten. Das sei schade.
Deutlich anders klang es bei einem Gegner aus der Ostschweiz. Er zeigte sich erleichtert über die Ablehnung. Das Konzept sei nicht grundsätzlich schlecht gewesen. Wenn man sich aber so verkrampft auf eine einzige Lösung fixiere, komme es so, wie es habe kommen müssen. Bei einer Annahme wäre er wohl aus der Suisseporcs ausgetreten. Möglicherweise hätte es in der Ostschweiz sogar einen neuen Zusammenschluss oder eine neue Organisation gegeben, sagte er.
Die Enttäuschung über das knappe Resultat war nach der Abstimmung spürbar. «Die stille Mehrheit hat nicht gereicht», sagte ein Delegierter.
Branche sucht weiter nach Lösungen
Mit dem Entscheid von Olten bleibt die Schweizer Schweinebranche auf der Suche nach einem Weg aus der Überproduktion. Klar ist nach diesem Mittwoch vor allem eines: Die Diskussion über die Zukunft des Schweinemarktes ist mit dem Nein zum Stilllegungskonzept nicht beendet.