
Am Schweinemarkt droht ab Herbst wieder ein Ungleichgewicht.
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Am Schweinemarkt drohen ab Herbst neue Angebotsüberhänge. Das beunruhigt den Schweizer Bauernverband (SBV). Er fordert den Schweinesektor auf, «wirksame» Massnahmen zu ergreifen, um die Stabilität und das Gleichgewicht des Schweinefleischmarktes mittel- und langfristig zu sichern.
Produktion an Markt anpassen
Der SBV verweist auf den sinkenden Konsum von Schweinefleisch und die Produktivitätssteigerungen bei den Züchtern und Produzenten. «Die Produktion muss an die Bedürfnisse des Marktes angepasst werden, um kostendeckende Preise zu ermöglichen», hält der Verband fest. Der SBV fordert die Branche also auf, die Produktion zu senken. Damit dürfte er auch das Stilllegungskonzept von Suisseporcs unterstützen.
Um die wiederkehrenden Verwerfungen im Schweinemarkt zu vermeiden, hat der Schweizerische Schweinezucht- und Schweineproduzentenverband Suisseporcs zusammen mit weiteren Akteuren in einer Arbeitsgruppe ein Konzept zur freiwilligen Stilllegung von Zuchtsauenplätzen erarbeitet. Proviande, die Branchenorganisation der Fleischwirtschaft, unterstützt dieses Konzept. «Der Verwaltungsrat begrüsst Massnahmen, die zum Ziel haben, die Produktion besser auf die Nachfrage auszurichten», teilte die Branchenorganisation Anfang Mai mit.
2000 Franken pro Platz
Produzenten sollen eine Entschädigung erhalten. Als Richtwert werden rund 2000 Franken pro Platz vorgeschlagen. Die Finanzierung erfolgt über einen Fonds, der durch Abzüge pro Schlachtschwein gespeist werden soll. Teilnehmende Betriebe verpflichten sich zu klaren Auflagen: In den betroffenen Ställen dürfen 25 Jahre lang keine Schweine gehalten werden, zudem gilt ein zehnjähriges Bauverbot für neue Schweineställe. Jährlich sollen rund 1500 Zuchtsauen weniger gehalten werden, um Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen.
Bei einer Entschädigung von 2000 Franken pro Platz können für 3 Millionen Franken jährlich 1500 Zuchtsauenplätze stillgelegt werden. Einem Durchschnittsbetrieb mit 50 Zuchtsauen kann eine Entschädigung in der Höhe von 100’000 Franken in Aussicht gestellt werden.
Suisseporcs mit Präsident Andreas Bernhard will auf Stilllegungsprämien für Zuchtsauenplätze setzen – auch, weil Abnehmer Druck machen und sonst vermehrt Vertragsproduktion drohen könnte.
Mehr dazu im Interview -> «Wenn wir schlechte Jahre vermeiden, erreichen wir mit wenig Geld sehr viel»
Braucht Zweidrittelsmehrheit
Das Konzept erhielt nicht nur Zustimmung. Die Ostschweizer Sektion beantragte an der Delegiertenversammlung vom Mittwoch , die ausserordentliche Delegiertenversammlung von Ende Mai zu sistieren und stattdessen zuerst weitere Varianten prüfen zu lassen. Es herrsche zudem grosse Uneinigkeit.
Der Antrag wurde mit 60 Nein zu 44 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen abgelehnt. Doch ob das Konzept zur Anwendung kommt, ist alles andere als sicher. Am 29. Mai müssen zwei Drittel der Delegierten dem Stilllegungskonzept zustimmen.