8 Franken Stundenlohn als Milchbauer: Was verdienen andere?

Ein Milchbauer verdient im Schnitt etwa 8 Franken pro Arbeitsstunde. Eine konventionelle Rapsbäuerin kann dagegen mit einem Stundenlohn von 73 Franken rechnen. Eine neue Studie zeigt grosse Unterschiede bei den Einkommen der einzelnen Produktionszweige und macht deutlich, dass einige davon kein angemessenes Einkommen erzielen können.

ome |

Eine neue Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz kommt zu dem Schluss, dass die Produzentenpreise in mehreren wichtigen Bereichen der Schweizer Landwirtschaft langfristig nicht ausreichen, um die Vollkosten zu decken und den Landwirten ein angemessenes Einkommen zu ermöglichen.

Die vom Verein «Faire Märkte Schweiz» in Auftrag gegebene Studie «Faire Preise in der Landwirtschaft in der Schweiz – Grundlagen und Ergebnisse aus Vollkostenrechnungen» zeigt, dass Bauernfamilien in den meisten zentralen Betriebszweigen das gesetzlich vorgesehene angemessene Einkommen nicht erzielen. Besonders deutlich zeige sich dies bei der Milchproduktion, aber auch bei der Mutterkuhhaltung, Rinder- und Schweinemast.

Massive Unterschiede

Die in der Studie berechneten Stundenlöhne zeigen, welcher Betrag nach Abzug der Vollkosten für die geleistete Arbeit übrigbleibt. Als Referenz dienen die 24 Franken, die in den anderen Sektoren durchschnittlich als Stundenlohn ausbezahlt werden. Die effektiven Stundenlöhne der einzelnen Betriebszweige unterscheiden sich der Studie zufolge massiv voneinander.

Im Pflanzenbau reichen die Stundenlöhne von 19,40 Franken pro Stunde beim Futtergetreide mit reduziertem Pflanzenschutz bis zu 73,60 Franken bei Raps. Bei Zuckerrüben werden 55,90 Franken und bei Körnermais 48,40 Franken Stundenlohn ausgewiesen. Brotweizen mit Pflanzenschutz kommt auf 22,80 Franken, während Brotweizen mit reduziertem Pflanzenschutz 35,30 Franken erreicht.

Die Studie weist jedoch darauf hin, dass einzelne Betriebszweige nicht isoliert betrachtet werden können. So ergeben sich etwa bei Raps und Zuckerrüben zwar hohe kalkulierte Stundenlöhne. Diese Kulturen können aufgrund von Fruchtfolge und begrenzter Fläche nicht beliebig ausgeweitet werden. Zudem werden viele Arbeiten durch Lohnunternehmen ausgeführt. Ein Betrieb könne deshalb nicht allein von diesen besonders rentablen Kulturen leben.

Milchbauern besonders unter Druck

Deutlich schlechter sieht die Situation in mehreren Bereichen der Tierhaltung aus. So kommt die Milchproduktion im Durchschnitt lediglich auf einen Stundenlohn von 8,30 Franken, die Rindermast auf 7,90 Franken und die Mutterkuhhaltung sogar nur auf 4,30 Franken. Bei der Schweinemast sind es 13,80 Franken. Demgegenüber werden in der Schweinezucht 43,20 Franken, in der Pouletmast 41,50 Franken und in der Eierproduktion durchschnittlich mit 38.50 Franken pro Arbeitsstunde erzielt.

Gerade bei der Milch sei die Diskrepanz zwischen dem erzielten Preis und dem notwendigen Preis gross. Zwischen 2016 und 2023 wurden durchschnittlich 66 Rappen pro Kilogramm Milch bezahlt. Laut der Studie wären jedoch 117 Rappen pro Kilogramm nötig gewesen.

Regionale Unterschiede

Auch regional zeigt die Studie grosse Unterschiede auf. In der Talzone liegt der durchschnittliche Stundenlohn der Milchproduktion bei 9 Franken, in der Hügelzone bei 8,3 Franken und in der Bergzone bei nur 7,5 Franken. Bei den kleinsten Betrieben der Hügelzone sinkt er sogar auf 5,40 Franken pro Stunde.

Selbst die grössten Talbetriebe kommen lediglich auf 14,80 Franken. In der Bergzone erzielen die kleinsten Milchbetriebe 6,40 Franken pro Stunde. Die höheren Direktzahlungen in diesen Zonen reichen laut Studie nicht aus, um die wirtschaftlichen Nachteile gegenüber der Talzone auszugleichen.

Direktzahlungen reichen nicht

Wie die Mutterkuhhaltung zeige, führen hohe Direktzahlungen nicht automatisch zu einem angemessenen Einkommen. Dort stammten rund 48 Prozent der Einnahmen aus Direktzahlungen, trotzdem liege der Stundenlohn bei nur 4,30 Franken. Pouletmast und Eier erzielen dagegen deutlich höhere Stundenlöhne bei einem wesentlich geringeren Anteil an Direktzahlungen. Die Studie kommt deshalb zum Schluss, dass die Agrarpolitik nicht allein über höhere Direktzahlungen versuchen sollte, die Einkommensprobleme zu lösen.

Die Studie fordert zudem, auch die beispielsweise mit dem Klimawandel verbundenen Risiken für die Landwirtschaft zu berücksichtigen. «Risiken und die daraus abgeleiteten Risikoprämien müssen künftig in die Berechnung angemessener Einkommen und fairer Preise einfliessen», lautet eine Kernbotschaft der Studie, wie Faire Märkte Schweiz mitteilt.

Empfehlungen der Studie

Die präsentierten Ergebnisse basieren auf der Stichprobe «Betriebsführung» von Agroscope «Da es sich bei dieser Stichprobe nicht um eine Zufallsauswahl handelt, erheben die Ergebnisse keinen Anspruch auf Repräsentativität», heisst es in der Studie.

Für die Verbesserung der Situation sei gemäss der Studie entscheidend, dass die Bauern einen grösseren Anteil an der Wertschöpfung erhalten. Empfohlen werden kürzere regionale Absatzwege, neue Vertriebsformen und eine stärkere Zusammenarbeit der Produzenten. Besonders wichtig sei eine stärkere Verhandlungsmacht gegenüber den Abnehmern. So verweist die Studie beispielsweise darauf, dass Schweizer Bauern in Bereichen wie Getreide auf wenige grosse Abnehmer treffen. -> Billige Backwaren setzen Schweizer Getreidemarkt unter Druck

-> Hier können Sie die Studie nachlesen.

Kommentare (5)

Sortieren nach: Likes | Datum
  • zufriedener Milchbauer | 17.09.2026
    Was soll das? Bauern ist freiwillig. Wenn jemand mit seinem Einkommen nicht zufrieden ist, soll er bitte etwas anderes in seinem Leben machen. Wenn ich die Zahlen in der Studie anschaue, sehe ich sehr viel Potential um den Stundenlohn zu verbessern, man muss halt betriebswirtschaftlich denken. Ich kann mich mit dem ewigen Gejammer nicht identifizieren. Also ich verdiene mit meinen Milchkühen genug, diese Studie spricht nicht für uns.
  • Cyrill Schmid | 16.09.2026

    Nach dem 3ten mal lesen: Ich glaub, viel spannender als diese CHF 8 ist:


    Warum produziert unser Agrarsystem ausgerechnet bestimmte Lebensmittel in Strukturen, in denen weder Marktpreis noch Direktzahlungen offenbar ausreichen, um die eingesetzte Arbeit angemessen zu entschädigen?


    Und:


    Produzieren wir davon die richtige Menge am richtigen Standort mit den richtigen Ressourcen? Wie viel importiertes Kraftfutter steckt darin? Wie unterscheiden sich Betriebe nach GVE/ha, Eigenfutteranteil, Tal-/Berglage und Betriebsgrösse? Und welche Produktion wollen wir aus Gründen der Ernährungssicherheit tatsächlich in der Schweiz erhalten? Und welche Aussenhandelsbeziehungen sind ebenso wichtig um dieses Ziel zu erreichen? Und, und, und...

  • Mittelostschweizer | 16.09.2026
    Warum setzen denn im Ackerbaugebiet ganz viele auf grosse und noch grössere Melkroboterställe ohne ausreichend Eigenland und Futtergrundlage, wenn es sich nicht rentiert?
  • Jakob | 13.09.2026
    So eine verrissene Studie wie diese, kann man in der Pfeife rauchen.
    • Cyrill Schmid | 14.09.2026
      Lieber Jakob, könntest du uns «Unwissende» etwas an deinen Erkenntnissen teilhaben lassen? Dein Kommentar bringt mich leider noch nicht auf den nächsten Wissenslevel. Danke tusig! 😉
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