
Der Import von ausländischen Halbfertig- und Fertigbackwaren hat sich in den letzten zehn Jahren massiv erhöht.
KI erstellt
Der Import von ausländischen Halbfertig- und Fertigbackwaren, wie beispielsweise tiefgekühlten Teiglingen, hat sich in den letzten zehn Jahren massiv erhöht. Diese Billigkonkurrenz setzt den Schweizer Brotmarkt zunehmend unter Druck. Während Schweizer Getreideproduzenten mit hohen Produktionskosten und sinkenden Preisen kämpfen, nimmt die Einfuhr von verarbeiteten und teilverarbeiteten Getreideprodukten stetig zu.
-> «Importmenge hat sich nahezu verdreifacht»
Der Verein «Faire Märkte Schweiz» (FMS) vermutet, dass viele Unternehmen im Detailhandel und in der Gastronomie «die Lücken im Grenzschutz bewusst ausnutzen und massiv vom Importgeschäft profitieren». In einer Mitteilung fordert der Verein deshalb die Importe von Halb- und Fertigprodukten über das Öffentlichkeitsgesetz transparent zu machen. Lücken im Grenzschutz würden das System in Schieflage bringen, so FMS.
Grenzschutz sinkt mit zunehmendem Verarbeitungsgrad
Je stärker ein landwirtschaftliches Produkt verarbeitet wird, desto geringer fällt der Schutz gegenüber Importen aus. Während der Grenzschutz bei Brotgetreide aus der EU gemäss einer Studie rund 67 Prozent des Importpreises ausmacht, sind es bei Mehl knapp 60 Prozent. Bei Teiglingen sinkt der Anteil auf 44 Prozent, bei vorgebackenen Backwaren sogar auf nur noch 11 Prozent. Laut der Studie liegt das daran, dass Zölle auf Rohstoffe wie Mehl, Eier, Butter oder Zucker erhoben werden, nicht aber auf die im Ausland anfallenden Kosten für Arbeit, Energie und Maschinen.
-> Ein unfairer Wettbewerb – das sind mögliche Massnahmen

Die Importe von verarbeitetem Weizen steigen massiv.
SB/Quelle: BAZG
FMS nennt dazu zwei konkrete Beispiele. Ein in Frankreich hergestelltes, aber in der Schweiz aufgebackenes Buttercroissant wird für rund 60 Rappen verkauft. Der Zoll auf einen entsprechenden Teigling beträgt etwa 6 bis 8 Rappen. Bei einem 500 Gramm schweren Toastbrot aus Österreich für 1.20 Franken liege der Zoll bei rund 20 bis 25 Rappen.
-> «Es wurde massiv Wertschöpfung vernichtet»
«Schweizer Produkte können nicht mithalten»
FMS kritisiert deshalb, dass das bestehende System einen wirtschaftlichen Anreiz schafft, Getreideprodukte möglichst im Ausland zu verarbeiten und anschliessend in die Schweiz zu importieren. Aus Sicht von FMS entstehen dadurch Wettbewerbsbedingungen, bei denen die Schweizer Wertschöpfungskette kaum mithalten kann. Gleichzeitig fehle es an Transparenz darüber, welche Unternehmen in welchem Umfang was importieren. Der Ständerat wird sich in der Herbstsession mit dem Import von Fertigprodukten beschäftigen.

Ein Sujet für die neue Werbekampagne von Schweizer Brot.
Schweizer Brot
FMS fordert deshalb, gestützt auf das Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung, vom Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit Einsicht in die entsprechenden Importdaten. «Ziel der geforderten Veröffentlichung ist es, die betreffenden Unternehmen zu einer konsequenten und gesetzeskonformen Deklaration zu bewegen», schreibt FMS. Die Importeure sollen ihrer Verantwortung als führende Anbieter landwirtschaftlicher Produkte nachkommen und den Anteil Schweizer Produkte in ihrem Sortiment gezielt erhöhen.
-> «Grenzschutz allein löst das Problem nicht»
«Patriotische» Konsumentscheide als Alternative
Seit Ende Januar 2025 muss in der Schweiz bei Brot und Feinbackwaren im Offenverkauf das Herkunftsland schriftlich angegeben werden. Das heisst die Konsumenten erhalten Transparenz darüber, ob beispielsweise ein aufgebackenes Gipfeli aus der Schweiz oder aus dem Ausland stammt. Die Kennzeichnung wird von der Branche zwar begrüsst, von den Konsumenten bisher jedoch nur bedingt beachtet.
-> Brot: «Ja zur Schweizer Herkunft»

Bäcker Roman Schär backt sein Truttiker Brot in Formen. Dafür verwendet er Urdinkelmehl, das sein Bruder im eigenen Dorf für ihn anbaut.
Christian Zufferey
Positive Erfahrungen macht Bäcker Roman Schär aus Truttikon ZH. Im Jahr 2025 verarbeitete seine Bäckerei knapp 14 Tonnen Urdinkel aus der Region. «Viele Leute sind bereit 20 oder 30 Rappen mehr für Brot aus Getreide zu zahlen, das praktisch vor unserer Haustür wächst», sagte Schär gegenüber dem «Schweizer Bauer». Beim Kauf eines Gipfelis sollte man also nicht nur auf den Preis achten.