
Experten warnen vor einer «Rüssler-Invasion» in der nächsten Saison.
SFZ
Die Ernte 2026 dürfte laut der Schweizer Zucker (SZU) AG eine der kleinsten der letzten Jahre werden. Der Kampagnenstart wurde auf Mitte September festgelegt. Überlegungen, die Rüben, die aufgrund der Rüsslerschäden schon faulen, früher zu verarbeiten, gebe es nicht, erklärt Raphael Wild, Kommunikationschef der SZU. Denn faule Rüben könnten sowieso nur schlecht oder gar nicht verarbeitet werden.
Schutz der Kulturen ausweiten
Laut der SZU ist davon auszugehen, dass Rüben von mehreren Hundert Hektaren nicht mehr zu Zucker verarbeitet werden können. Betroffen von Fäulnis sind vor allem ungespritzte Rüben aus dem Bio- und dem IP-Suisse-Anbau und aus dem Bundesprogramm zum Pflanzenschutzmittelverzicht. «Wir sind aber laufend im engen Kontakt mit den Verladeorganisationen, um die Situation im Auge zu behalten», beteuert Raphael Wild.
-> Trockenheit setzt Rüben zu – hunderte Hektaren verloren
Die Branche empfiehlt den Pflanzern, in Zukunft alle verfügbaren Massnahmen zum Schutz der Kulturen zu nutzen. Den Grund dafür weiss Samuel Jenni von der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau: «Die Rüssler, die diesen Sommer geschlüpft sind, überwintern in Grasstreifen. Wenn es nächstes Jahr wieder einen heissen Sommer gibt, kann es zu einer massiven Invasion kommen.» Lukas Inderfurth von Bio Suisse ordnet den Aufruf der Branche als allgemein gehalten ein. Auch Biobauern würden ihre Kulturen schützen – einfach nicht chemisch-synthetisch. «Unsere Massnahmen werden durch die Betriebsmittelliste vorgegeben.»
Wenig Hoffnung auf Schnitzel
Heuer konnte das Insektizid Acetamiprid bei den konventionellen Rüben dank Notzulassung eingesetzt werden, es hat gegen die Rüssler gewirkt. Noch sei offen, ob es im kommenden Jahr wieder eine solche Notzulassung gebe, weiss Samuel Jenni. «Darüber entscheiden die Behörden, eine solche Zulassung gilt jeweils nur für eine Saison.»

Die Schweizer Zucker AG wird Mitte September die neue Kampagne starten.
bki
Viele Bäuerinnen und Bauern stehen vor leeren Futterlagern. Mit der kleinen Ernte zerschlägt sich nicht zuletzt die Hoffnung, mit Rübenschnitzeln einen Teil des fehlenden Raufutters ersetzen zu können. Raphael Wild sagt: «Die Schnitzelballen von 2025 sind ausverkauft, und es gibt keine mehr an Lager. Die frischen Schnitzel gelangen mehrheitlich an die Rübenlieferanten, die sie anteilig zurücknehmen, und nur ein kleinerer Teil kommt überhaupt in den Handel.»