
Scheue Schmaltiere fühlen sich in den naturverjüngten Flächen mit den wohlschmeckenden jungen Baumtrieben sehr wohl.
Kantonsforstamt SG
Alle zwei Jahre erstellt das Amt für Wald und Naturgefahren des Kantons Bern ein Wildeinflussgutachten. Dieses zeigt, in welchem Ausmass Wildtiere die Waldverjüngung im Kanton beeinflussen, und es dient als Grundlage für jagdliche und waldbauliche Massnahmen. Aus einer Mitteilung des Kantons Bern geht hervor, dass die Waldverjüngung zunehmend kritisch wird (siehe Tabelle unten).
Den entsprechenden Handlungsbedarf greift der Kanton Bern seit vergangenem November mit der Strategie Wald-Wild-Lebensraum auf ( -> Wenn der Wald nicht nachwächst: Bern setzt auf neue Strategie ). Für den Verband Berner Waldbesitzer (BWB) ist eine konsequente Umsetzung dieser Strategie von entscheidender Bedeutung. «Für die nachhaltige Sicherung der Waldleistungen ist die wirtschaftliche Eigenständigkeit zentral. Doch diese ist nur gewährleistet, wenn der Wald überhaupt nachwachsen kann», schreibt der BWB in einer Mitteilung.
Wald muss nachwachsen können
Der Kanton Bern schliesst sich dieser Feststellung an: «Die Waldverjüngung ist entscheidend, weil sie die Grundlage für einen stabilen, vielfältigen und klimaresilienten Wald bildet, der seine Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktionen langfristig erfüllen kann». Der BWB hebt zudem hervor, dass im Kanton Bern jährlich rund eine Million Kubikmeter Holz erfolgreich vermarktet werden.
«Die Waldeigentümer zahlen die hohen Kosten von jährlich über 1 Million Franken für den Schutz vor Wildeinfluss seit Jahren selbst», ergänzt der BWB. Der Verband betont die Bedeutung einer aktiven Waldbewirtschaftung und die Notwendigkeit einer kantonalen Strategie, damit all diese Leistungen langfristig erhalten bleiben können: «Hoffnung besteht nun, dass der Kanton seiner gesetzlichen Pflicht nachkommt und die Schalenwildbestände auf ein waldverträgliches Mass reduziert.»
Verjüngungsziel zunehmend bedroht
Im Wildeinflussgutachten (WEG) wird unterschieden, ob das Verjüngungsziel erreicht werden kann (tragbar), ob es unsicher ist (kritisch) oder ob es nicht erreicht werden kann (untragbar).

Die Tabelle zeigt den Status der Verjüngungsziele der letzten Jahre.
Kanton Bern
Wie das Wildeinflussgutachten 2025 zeigt, ist der Anteil tragbarer Flächen weiter gesunken. Gleichzeitig haben die kritischen Flächen stark zugenommen. Während der Anteil untragbarer Flächen im Mittelland gebietsweise abgenommen hat, ist er im Oberland weiter gestiegen. Über den Gesamtkanton gesehen sei er in etwa stabil, hält der Kanton fest.
Der Wildeinfluss ist im Kanton Bern regional sehr unterschiedlich ausgeprägt. Im Mittelland nimmt die Zahl der kritischen Flächen zu. In den Alpen wachsen vor allem die untragbaren Flächen. Im Jura und in den Voralpen bleibt die Situation hingegen gegenüber 2023 weitgehend unverändert.
Gemäss dem BWB kann sich der Wald im Kanton Bern auf 100'000 Hektar der insgesamt 183'000 Hektar nicht oder nur mangelhaft verjüngen. «Der Verband der Berner Waldbesitzer verfolgt diese Entwicklungen aufmerksam und wird nötigenfalls wieder politisch aktiv», sagt Beat Zaugg, Präsident des BWB.

Mithilfe dieser Karte lässt sich erkennen, wo die Verjüngungsziele im Jahr 2025 erreicht werden können (tragbar, grün), wo sie unsicher sind (kritisch, gelb) und wo sie nicht erreicht werden können (untragbar, rot).
Kanton Bern
Gezielte Jagd als strategische Massnahme
Ein zentrales Element der Strategie sei die gezielte Jagdsteuerung, hebt der Kanton weiter hervor. Im Jahr 2025 konnten 1323 Rothirsche erlegt werden, was einer Steigerung von rund einem Viertel im Vergleich zu 2023 entspricht. Die Jagd konzentriere sich vor allem auf Tiere, die das Wachstum der Population bestimmen. So dürfen in der ersten Jagdwoche nur weibliche Tiere und deren Nachwuchs geschossen werden.
Der Anteil weiblicher Tiere an der Gesamtstrecke konnte in den letzten zwei Jahren um 11 Prozent auf 63 Prozent gesteigert werden. Auch für den BWB ist die Jagd die bevorzugte Strategie, um die Waldverjüngung zu sichern. «Aus den zahlreichen Massnahmen der Strategie stehen für uns die jagdlichen Massnahmen zur Bestandesreduktion für die Zielerreichung im Vordergrund, sagt Beat Zaugg, Präsident des BWB.