
Bundesrat Guy Parmelin wies in seiner Rede auf die schwierige Lage der Bauernfamilien hin.
Daniel Salzmann
Bei der Eröffnung steht nebst hohen Politikern ein Säuli im Zentrum des Geschehens. Entspannt war beim traditionellen Ferkel-Halten allerdings nur einer. Säuli Vivienne wehrte sich mit lautem Quieken gegen den gemeinsamen Auftritt.
«Wichtig, mit Experten im Kontakt zu sein»
«Die junge Vivienne ist etwas nervös», sagte Parmelin mit dem sich wehrenden Ferkel in den Armen. Der Landwirtschaftsminister versuchte, das Tier mit Streicheln über den Kopf zu beruhigen, allerdings mit mässigem Erfolg.
Für ihn als Landwirtschaftsminister sei der Besuch der Olma wichtig, sagte er. Es sei gut, mit den Experten in Kontakt zu stehen, und natürlich mit den Tieren. Ob er selber nach seinem Austritt aus dem Bundesrat als Weinbauer wieder in die Landwirtschaft einsteigt, ist offen. Zuerst werde er sechs Monate aufräumen und Zeit mit Familie und Freunden verbringen, sagte Parmelin. Dann werde er weitersehen.
Begegnungsort
In seiner Rede hob der Bundespräsident die Wichtigkeit der Olma hervor. «Diese Messe ist wahrlich eine Schweizer Institution. Seit ihrer ersten Austragung im Jahr 1943 steht die Landwirtschaft im Zentrum der Veranstaltung. Heute sind Landwirtschaft und Ernährung hier untrennbar miteinander verbunden», führte er aus.
Mit über 330’000 Besucherinnen und Besuchern und rund 640 Ausstellenden sei die Olma ein «herausragender Begegnungsort» zwischen Stadt und Land, Produzenten und Konsumenten.
Nun kam Parmelin auf das schwierige Landwirtschaftsjahr zu sprechen. Die Trockenheit und Hitze hätten den Kulturen zugesetzt. «Das bedeutet weniger grüne Wiesen. Mais, der schlecht wächst. Tiere, die unter der Hitze leiden. Wasser, das zur ständigen Sorge wird», führte er aus.
«Hinter jedem Ertragsausfall steht eine Familie»
Landwirtinnen und Landwirte wüssten, dass die Natur den Rhythmus ihrer Arbeit vorgebe. Man könne viel Technologie einsetzen und Abläufe optimieren. «Letztlich sind es aber auch die Launen der Natur, die über Erträge und damit über Einkommen entscheiden», rief er in Erinnerung. Der Bundesrat sei sich der Ernsthaftigkeit der Lage bewusst.
«Zahlreiche Betriebe sind in Schwierigkeiten geraten. Hinter jedem Ertragsausfall steht ein Betrieb. Eine Familie. Manchmal die Arbeit mehrerer Generationen», sagte Parmelin. Der Bundesrat könne keinen Regen befehlen. Er könne aber helfen. Der Bundespräsident zählte einige Massnahmen auf, die der Bund zusammen mit den Kantonen in die Wege geleitet habe: «So haben wir beispielsweise Mittel zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen bereitgestellt und die Einfuhr von Heu sowie einiger weiterer Futtermittel erleichtert.»
«Mehr Zeit fürs Bauern statt fürs Büro»
Für Parmelin ist aber klar, dass die Landwirtschaft auf das sich verändernde Klima vorbereitet werden muss. «Wir müssen unsere Böden widerstandsfähiger gegen Trockenheit, Hitze und Wasserknappheit machen – durch Forschung und Innovation, durch einen intelligenten Umgang mit Wasser und durch gezielte Investitionen», hielt er fest. Diese Ziele sollen mit Agrarpolitik 2030 (AP30+) erreicht werden.
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Parmelin sprach in seiner Rede von mehr unternehmerischem Handlungsspielraum, höherer Wertschöpfung, effizienterem Einsatz der Ressourcen und weniger administrativem Aufwand. «Wer Verantwortung trägt für seinen Boden, seine Tiere, seine Mitarbeitenden und seinen Betrieb, sollte mehr Zeit für seinen eigentlichen Beruf haben – und weniger für immer wiederkehrende administrative Arbeiten», sagte der Agrarminister.
«Keine Verklärungen und Belehrungen»
Er kam auch auf die hohen Erwartungen der Gesellschaft an die Landwirtschaft zu sprechen. Die Gesellschaft erwarte hochwertige Lebensmittel, mehr Tierwohl, gepflegte Landschaft, mehr Biodiversität und einen Beitrag zur Ernährungssicherheit. Dies habe aber seinen Preis. Am Ende müsse ein Einkommen generiert werden.
«Was sind wir bereit zu tun, damit jene, die sie tragen, auch von ihr leben können? Genau deshalb ist der Dialog unverzichtbar», stellte Parmelin klar. «Romantische Verklärungen oder Belehrungen, wie Landwirtinnen und Landwirte ihren Beruf ausüben müssen, bringen uns nicht weiter», fuhr er fort. Es brauche Gespräche zwischen jenen, die produzieren, verarbeiten, verkaufen, konsumieren und die Regeln festlegen.