Druck auf Schweizer «Schnäppli‑Bauern» wächst

Der Streit um die Schweizer Landnahme im deutschen Grenzgebiet spitzt sich zu. Während Schweizer Bauern von günstigen Ackerflächen, Zollfreiheit und sogar EU-Agrargeldern profitieren, beklagen deutsche Landwirte Wettbewerbsnachteile. Nun fordern deutsche Politiker und Verbände von Bern striktere Regeln.

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Ein fast 70 Jahre altes deutsch‑schweizerisches Abkommen aus dem Jahr 1958 ermöglicht es Schweizer Bauern, in einer zehn Kilometer breiten Grenzzone auf deutschem Boden Land zu erwerben, zu pachten und zu bewirtschaften.

Zollfrei

Die dort produzierten landwirtschaftlichen Güter dürfen sie zollfrei in die Schweiz einführen. Dieses Abkommen, das ursprünglich zur Förderung der nachbarschaftlichen Beziehungen geschaffen wurde, führt heute zu erheblichen Spannungen zwischen deutschen und Schweizer Landwirten.

Schweizer Landwirte wurden in deutschen Medien deshalb auch als «Schnäppchen‑Bauern» bezeichnet, da sie in Deutschland vergleichsweise günstiges Land kaufen und die Erzeugnisse profitabel in der Schweiz verkaufen können. Obwohl auch deutsche Bauern theoretisch ebenfalls Schweizer Land erwerben dürften, lohnt sich dies für sie wirtschaftlich kaum.

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Deutsche Kritik und politische Forderungen

Deutsche Bauern fühlen sich zunehmend verdrängt, da Schweizer Landwirte inzwischen rund 5700 Hektar in Südbaden bewirtschaften. Sie argumentieren, dass Schweizer Bauern durch tiefere Produktionskosten, zollfreie Importe und höhere Verkaufspreise in der Schweiz einen unfairen Wettbewerbsvorteil haben und ihnen dadurch nicht nur Land, sondern auch Marktanteile streitig machen würden.

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Deutsche Politiker und Verbände fordern deshalb eine Reform des Abkommens, damit deutsche Bauern ebenfalls zollfrei in die Schweiz liefern dürfen oder Schweizer Bauern ihre Produkte verzollen müssen.

Warum Schweizer Bauern EU‑Gelder erhalten

Die bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der EU seit 1999 haben die Situation zusätzlich zugunsten der Schweizer verändert. Rund 80 Schweizer Betriebe bewirtschaften deutsches Land und erhalten im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zudem EU‑Agrargelder. Im Jahr 2024 flossen etwa 720'000 Franken an Schweizer Bauern, vor allem im Kanton Schaffhausen.

-> Wieso Schweizer Bauern EU-Gelder erhalten

Deutsche Bauern kritisieren, dass Schweizer Landwirte nicht nur günstiger Land erwerben, sondern zusätzlich EU‑Gelder erhalten. Während Schweizer Bauern betonen, dass sie lediglich bestehende rechtliche Rahmenbedingungen nutzen, werden die Unmutsbekundungen und die politischen Reformforderungen auf deutscher Seite immer lauter.

Deutsche Bauern fordern neues Abkommen

Der Badische Landwirtschaftsverband (BLHV) warnt in einem offenen Brief vor einer zunehmenden Wettbewerbsverzerrung durch Schweizer Landwirte. Der Verband kritisiert, dass Schweizer Betriebe nur eingeschränkt kontrolliert werden können und dass Rückforderungen bei Verstössen kaum durchsetzbar sind. Dies gefährde «die finanziellen Interessen der Europäischen Union», heisst es in dem Brief. Deshalb fordert der BLHV einen sofortigen Auszahlungsstopp ab 2026 sowie deutlich strengere Kontrollen für alle Antragsteller mit Betriebssitz ausserhalb der EU.

Künftig sollen EU‑Beihilfen nur noch an Bewirtschafter fliessen, die eine Betriebsstätte innerhalb der EU unterhalten. Zudem verlangt der Verband, dass deutsche Landwirte ihre Produkte aus der Grenzzone ebenfalls zollfrei in die Schweiz liefern dürfen. Bund, Bundesland und EU sollen diese Forderungen in neuen Agrarabkommen verankern und die heimischen Betriebe politisch unterstützen.

BLW reagiert auf politischen Druck aus Deutschland

Wie der «Blick» berichtet, trage das Landwirtschaftsministerium von Baden‑Württemberg den Konflikt nun offiziell nach Bern. Die deutschen Behörden informierten die Schweiz darüber, dass die Situation in der Grenzregion bei Betrieben und Verbänden «erhebliche Unruhe» auslöse. Der «Blick» zitiert einen Sprecher des Ministeriums, der betone, «dass es insbesondere darum geht, bestehende Abkommen […] nicht einseitig auszunutzen und Überschreitungen zu beseitigen».

Das Bundesland Baden‑Württemberg habe deshalb «strengere Kontrollen durch die schweizerischen Behörden erbeten, um eine Bremswirkung zu erzielen». In Bern hätten das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und die Zollverwaltung signalisiert, die Problempunkte künftig verstärkt zu prüfen. Genannt wird unter anderem die zollfreie Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte.

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