«Ich wünsche mir mehr als das Bekämpfen von Vorstössen»

David Jacobsen war im Pro-Komitee der Ernährungsinitiative. Der Landwirt und Berufsschullehrer erklärt, was er sich von Markus Ritter wünscht und wie der Ackerbau gefördert werden kann.

jzb/blu |

David Jacobsen, weshalb ist die Initiative aus Ihrer Sicht gescheitert?

Vor wenigen Monaten waren Befürworter und Gegner ja noch gleichauf. Es hat aber so viel Gegenwind gegeben, vor allem auch aus der Politik. Das hatte zur Folge, dass viele das Gefühl hatten, dass die Initiative keine Chance hat. Und deshalb gingen sie nicht abstimmen.

Die Initiative hat vor allem in der Landwirtschaft polarisiert. Wie geht es weiter? Gibt es neue Initiativen? Bringen Sie sich in der Agrarpolitik 2030 ein?

Hat die Initiative wirklich polarisiert? Wenn ich auf die Amtszeit von Bauernverbandspräsident Markus Ritter von 2012 bis 2028 blicke, fällt mir vor allem auf, dass die Anzahl Landwirtschaftsbetriebe um 20 Prozent abnehmen wird. Während dieser Zeit hatte er das Gefühl, er müsse viele Vorstösse und Initiativen bekämpfen. Ich wünsche mir, dass er nun einmal etwas kreiert statt bekämpft.

Führen Sie aus.

Er muss versuchen, alle abzuholen. Schauen wir die Ernährungsinitiative an. Wir haben versucht, einen Mittelweg zwischen Biodiversität und Produktion zu gehen. Für uns gibt es nicht ein Schwarz oder Weiss. Wir müssen ein Gleichgewicht anstreben. Das heisst: Wir wollen die Produktion, aber auch die Produktionsgrundlage stärken. Bei Letzterer ist die Biodiversität ein Teil davon. Wir müssen in diese Richtung gehen. Landwirtinnen und Landwirte, die ja täglich auf dem Feld arbeiten, sehen das.

Teile der Initianten kritisierten, dass der Bund die tierische Produktion zu stark fördere. Wie sehen Sie das?

Ich persönlich würde nicht sagen, dass ein Teil zu stark gefördert wird. Es ist schade, dass wir bei der ackerbaulichen Produktion viel importieren. Getreide können wir beispielsweise in der Schweiz gut produzieren. So gehen finanzielle Mittel für die Landwirtschaft verloren.

Die Gegner warnten vor höheren Kosten.

Ja, bei einer Annahme wären einige Produkte teurer geworden. Aber wäre es nicht okay, wenn die Bauern für ihre Erzeugnisse einen besseren Preis erzielen? Wenn man will, dass die Bauernfamilien von ihren Produkten leben können, müssen sie einen grösseren Anteil vom Verkaufspreis erhalten. Und das gilt für tierische wie pflanzliche Produkte.

Es fehlt also auch an Grenzschutz?

Genau. Hier müssen wir ansetzen. Im Ackerbau braucht es aber neben mehr Grenzschutz auch Verkaufsstrategien vom Handel, damit die Produkte auch gekauft werden. Er ist hier in der Pflicht. Anpassungen braucht es auch bei der Absatzförderung des Bundes.

Was stellen Sie sich da vor?

Mit den Mitteln der Absatzförderung wurde ja teilweise die Gegenkampagne zur Ernährungsinitiative finanziert. Zum Beispiel die Vegan-Zwang-Kampagne. Besser wäre, wenn ein Teil dieser Bundesgelder in die Aufklärung fliessen würde. Wie bereitet man pflanzliche Produkte zu? Und wie lassen sie sich kombinieren, auch mit Fleisch?

-> Was Martin Rufer vom Schweizer Bauernverband sagt

Herren: «Ich habe nichts falsch gemacht»

Grosse Verliererin ist Initiantin Franziska Herren. Räumt sie Fehler bei der Initiative ein? «Nein, ich habe nichts falsch gemacht. Wenn man auf den Sommer 2026 zurückblickt, sieht man: Wir haben grosse Probleme mit der Wasserversorgung und in der Landwirtschaft. Seit 2003, dem letzten Hitzesommer, wissen wir, dass wir bei der nationalen Wasserstrategie, dem Gewässerschutz und der Bodenfruchtbarkeit vorwärtsmachen sollten. Und die Landwirtschaft wurde nicht auf den Klimawandel vorbereitet, obwohl wir viel Geld ausgeben», sagte sie zu SRF.

Im Parlament erhielt sie von keiner einzigen Person Unterstützung. Warum? «Wir haben es versucht. Es war surreal, dass sich eine ganze Politik gegen die Ernährungs- und Trinkwassersicherheit stellt. Die Politik, die sich gegen uns wendet, müsste dafür sorgen, dass die Landwirtschaft auf den Klimawandel vorbereitet wird», sagte sie zu SRF. Die Landwirtschaft müsse uns binnen eines Jahres ernähren können, das stehe in der Verfassung. «Und es gibt ein Bundesgesetz und einen Sachplan, die sind behördenverbindlich», sagte Herren zu SRF.

An eine dritte Initiative nach der Trinkwasserinitiative und der nun letztlich abgelehnten Ernährungsinitiative, denke sie im Moment noch nicht, sagte Herren. «Das steht komplett im Raum.»

Kommentare (1)

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  • Schlichter Verfasser | 27.09.2026

    Eine Tatsache ist; dass im Voralpinen Hügelgebiet der Schweiz, wo noch vor 50 Jahren Getreide angebaut wurde, nicht mehr angebaut wird, weil viele Parzellen mit einem Mähdrescher gar nicht erreicht werden können, von den steilen Hanglagen gar nicht zu sprechen.



    Heute von Hand ernten und zuhause Dreschen ? Hm......

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