
Eine Studie hat grosse Einkommensunterschiede zwischen den einzelnen landwirtschaftlichen Betriebszweigen aufgedeckt. (Symbolbild)
KI erstellt
Eine neue Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz kommt zu dem Schluss, dass die Produzentenpreise in mehreren wichtigen Bereichen der Schweizer Landwirtschaft langfristig nicht ausreichen, um die Vollkosten zu decken und den Landwirten ein angemessenes Einkommen zu ermöglichen.
Die vom Verein «Faire Märkte Schweiz» in Auftrag gegebene Studie «Faire Preise in der Landwirtschaft in der Schweiz – Grundlagen und Ergebnisse aus Vollkostenrechnungen» zeigt, dass Bauernfamilien in den meisten zentralen Betriebszweigen das gesetzlich vorgesehene angemessene Einkommen nicht erzielen. Besonders deutlich zeige sich dies bei der Milchproduktion, aber auch bei der Mutterkuhhaltung, Rinder- und Schweinemast.
Massive Unterschiede
Die in der Studie berechneten Stundenlöhne zeigen, welcher Betrag nach Abzug der Vollkosten für die geleistete Arbeit übrigbleibt. Als Referenz dienen die 24 Franken, die in den anderen Sektoren durchschnittlich als Stundenlohn ausbezahlt werden. Die effektiven Stundenlöhne der einzelnen Betriebszweige unterscheiden sich der Studie zufolge massiv voneinander.
Im Pflanzenbau reichen die Stundenlöhne von 19,40 Franken pro Stunde beim Futtergetreide mit reduziertem Pflanzenschutz bis zu 73,60 Franken bei Raps. Bei Zuckerrüben werden 55,90 Franken und bei Körnermais 48,40 Franken Stundenlohn ausgewiesen. Brotweizen mit Pflanzenschutz kommt auf 22,80 Franken, während Brotweizen mit reduziertem Pflanzenschutz 35,30 Franken erreicht.

Schematische Darstellung einer Vollkostenrechnung für Weizen.
Screenshot der Studie «Faire Preise in der Landwirtschaft in der Schweiz»
Die Studie weist jedoch darauf hin, dass einzelne Betriebszweige nicht isoliert betrachtet werden können. So ergeben sich etwa bei Raps und Zuckerrüben zwar hohe kalkulierte Stundenlöhne. Diese Kulturen können aufgrund von Fruchtfolge und begrenzter Fläche nicht beliebig ausgeweitet werden. Zudem werden viele Arbeiten durch Lohnunternehmen ausgeführt. Ein Betrieb könne deshalb nicht allein von diesen besonders rentablen Kulturen leben.
Milchbauern besonders unter Druck
Deutlich schlechter sieht die Situation in mehreren Bereichen der Tierhaltung aus. So kommt die Milchproduktion im Durchschnitt lediglich auf einen Stundenlohn von 8,30 Franken, die Rindermast auf 7,90 Franken und die Mutterkuhhaltung sogar nur auf 4,30 Franken. Bei der Schweinemast sind es 13,80 Franken. Demgegenüber werden in der Schweinezucht 43,20 Franken, in der Pouletmast 41,50 Franken und in der Eierproduktion durchschnittlich mit 38.50 Franken pro Arbeitsstunde erzielt.

Die Abbildung zeigt das Verhältnis zwischen den tatsächlich bezahlten Produzentenpreisen und den kalkulierten, vollkostendeckenden Preisen (ohne Risikoprämien).
Screenshot der Studie «Faire Preise in der Landwirtschaft in der Schweiz»
Gerade bei der Milch sei die Diskrepanz zwischen dem erzielten Preis und dem notwendigen Preis gross. Zwischen 2016 und 2023 wurden durchschnittlich 66 Rappen pro Kilogramm Milch bezahlt. Laut der Studie wären jedoch 117 Rappen pro Kilogramm nötig gewesen.
Regionale Unterschiede
Auch regional zeigt die Studie grosse Unterschiede auf. In der Talzone liegt der durchschnittliche Stundenlohn der Milchproduktion bei 9 Franken, in der Hügelzone bei 8,3 Franken und in der Bergzone bei nur 7,5 Franken. Bei den kleinsten Betrieben der Hügelzone sinkt er sogar auf 5,40 Franken pro Stunde.
Selbst die grössten Talbetriebe kommen lediglich auf 14,80 Franken. In der Bergzone erzielen die kleinsten Milchbetriebe 6,40 Franken pro Stunde. Die höheren Direktzahlungen in diesen Zonen reichen laut Studie nicht aus, um die wirtschaftlichen Nachteile gegenüber der Talzone auszugleichen.
Direktzahlungen reichen nicht
Wie die Mutterkuhhaltung zeige, führen hohe Direktzahlungen nicht automatisch zu einem angemessenen Einkommen. Dort stammten rund 48 Prozent der Einnahmen aus Direktzahlungen, trotzdem liege der Stundenlohn bei nur 4,30 Franken. Pouletmast und Eier erzielen dagegen deutlich höhere Stundenlöhne bei einem wesentlich geringeren Anteil an Direktzahlungen. Die Studie kommt deshalb zum Schluss, dass die Agrarpolitik nicht allein über höhere Direktzahlungen versuchen sollte, die Einkommensprobleme zu lösen.

Effektiver Stundenlohn und Variationskoeffizient nach Betriebszweig.
Screenshot der Studie «Faire Preise in der Landwirtschaft in der Schweiz»
Die Studie fordert zudem, auch die beispielsweise mit dem Klimawandel verbundenen Risiken für die Landwirtschaft zu berücksichtigen. «Risiken und die daraus abgeleiteten Risikoprämien müssen künftig in die Berechnung angemessener Einkommen und fairer Preise einfliessen», lautet eine Kernbotschaft der Studie, wie Faire Märkte Schweiz mitteilt.
Empfehlungen der Studie
Die präsentierten Ergebnisse basieren auf der Stichprobe «Betriebsführung» von Agroscope «Da es sich bei dieser Stichprobe nicht um eine Zufallsauswahl handelt, erheben die Ergebnisse keinen Anspruch auf Repräsentativität», heisst es in der Studie.
Für die Verbesserung der Situation sei gemäss der Studie entscheidend, dass die Bauern einen grösseren Anteil an der Wertschöpfung erhalten. Empfohlen werden kürzere regionale Absatzwege, neue Vertriebsformen und eine stärkere Zusammenarbeit der Produzenten. Besonders wichtig sei eine stärkere Verhandlungsmacht gegenüber den Abnehmern. So verweist die Studie beispielsweise darauf, dass Schweizer Bauern in Bereichen wie Getreide auf wenige grosse Abnehmer treffen. -> Billige Backwaren setzen Schweizer Getreidemarkt unter Druck