
Wegen der Trockenheit müssen die Kühe auf Markus Ritters Betrieb rund zwei Wochen früher als üblich von der Alp zurückgeholt werden. (Symbolbild)
Daniel Salzmann
Eine solche Trockenheit habe er persönlich noch nie erlebt, sagte Markus Ritter in einem Interview mit «Schweizheute.ch». Am ehesten lasse sich die aktuelle Situation mit dem Jahr 1947 vergleichen. Auch 2003 habe es einen extremen Hitzesommer gegeben, damals habe es bis Anfang Juni jedoch noch viel geregnet. Dadurch seien die Böden mit Wasserreserven in den Sommer gestartet. Dieses Jahr habe dagegen bereits zu Beginn der warmen Jahreszeit ein deutliches Defizit bestanden.
Für die Bauern bedeute die Trockenheit eine enorme Belastung. Besonders schwierig sei die Lage für Viehhalter. Zusätzliches Futter zu beschaffen, sei schwierig, weil es überall knapp sei. Die Heupreise seien um bis zu 50 Prozent gestiegen. Da sich die Tiere unter den aktuellen Bedingungen kaum verkaufen liessen, würden viele schliesslich zum Metzger gebracht. Bereits 1947 seien Zehntausende zusätzliche Kühe geschlachtet worden.
Steigt der Druck auf Schlachtviehmarkt weiter?
Ob es dieses Jahr zu ähnlichen Dimensionen komme, hänge auch davon ab, ob in den kommenden Wochen ausreichend Regen falle, erklärte Ritter gegenüber «Schweizheute.ch». Fest stehe jedoch, dass im Juni und Juli im Vergleich zum Vorjahr bereits 7000 Kühe mehr geschlachtet worden seien. Der Aufruf des Schweizerischen Bauernverbands, die Tiere gestaffelt zu liefern, habe Wirkung gezeigt. Wichtig sei, dass die Bauern Ruhe bewahrten, denn sonst drohe der Preis zu zerfallen.

Markus Ritter in seinem Zuhause in Krans in Altstätten. Rechts im Bild der neue Milchviehstall der Familie Ritter.
Daniel Salzmann
Mit dem Alpabzug dürfte jedoch der Druck auf den Schlachtviehmarkt weiter steigen. Ritter geht davon aus, dass nun mehr Kühe von den Alpen zurückkehren werden. Er hoffe allerdings, dass der Abzug möglichst gestaffelt erfolge und die Tiere in höheren Lagen noch etwas länger bleiben könnten. Aus tiefer gelegenen Alpen seien bereits Tiere zurückgekehrt. Auf seinem eigenen Betrieb müssten die Rinder wegen der Trockenheit rund zwei Wochen früher als üblich zurückgeholt werden.
Hohe finanzielle Schäden erwartet
Wie hoch die wirtschaftlichen Schäden durch die diesjährige Trockenheit ausfallen werden, lasse sich noch nicht zuverlässig beziffern. Im Jahr 2003 schätzte der Schweizerische Bauernverband die Verluste aufgrund der Hitzewelle auf bis zu 500 Millionen Franken. Diesmal dürften die Schäden laut Ritter jedoch höher ausfallen, da sämtliche Regionen betroffen seien. In Österreich werden die Schäden bereits auf rund eine Milliarde Franken geschätzt.
Bei Kartoffeln und Zuckerrüben müsse die Ernte erst noch zeigen, wie gross die Verluste tatsächlich seien. Die Bestände sähen teilweise schlecht aus. Auch beim Mais seien geringere Erträge zu erwarten. Bei der Milchproduktion werde entscheidend sein, wie stark die Kuhbestände reduziert würden.
«Landwirtschaft zahlt am meisten drauf»
Für die Konsumenten könnten die geringeren Ernten zu höheren Lebensmittelpreisen führen. «Am meisten draufzahlen werden aber nicht die Konsumenten, sondern die Landwirtschaft selbst», sagt Ritter gegenüber «Schweizheute.ch». Die Detailhändler hätten zwar signalisiert, dass sie bereit seien, gewisse dürrbedingte Mehrkosten anzuerkennen. Für die Produzenten reiche das aber nicht unbedingt aus. Wenn beispielsweise ein Gemüseproduzent ein Drittel weniger Ertrag habe und die Produzentenpreise gleichzeitig um zehn Prozent stiegen, bleibe ihm unter dem Strich deutlich weniger Einkommen.
Bei den Kartoffeln seien die Detailhändler immerhin zu gewissen Anpassungen bereit. Ein Teil dieser Ware könnte jedoch in der Tierfütterung landen. Dadurch könnten Viehhalter ihre Kühe möglicherweise noch zwei bis drei Monate länger durchbringen. Aus der Westschweiz habe er bereits gehört, dass Zuckerrüben geerntet würden, um damit die Kühe zu füttern.
Keine Panik in der akuten Krise
Eine ausserordentliche Lage, wie sie von SVP-Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbands Ernst Wandfluh gefordert wurde, hält Ritter derzeit nicht für notwendig. Er sei in dieser Frage zurückhaltend. «Das Allerwichtigste ist, nicht in Panik zu geraten», sagte Ritter gegenüber dem Online-Portal.
-> Wegen Dürre: Ausserordentliche Lage und höherer Milchpreis gefordert

Der oberste Schweizer Älpler, Ernst Wandfluh, forderte aufgrund der Trockenheit eine ausserordentliche Lage.
Daniel Salzmann
Der Bauernverband stehe in engem Austausch mit der Bundesverwaltung und dem Bundesrat, um mögliche Lösungen zu prüfen. So werde beispielsweise Wasser auf bestimmte Alpen geflogen und die Zölle auf Futtermittelimporte seien gestrichen worden. Zudem seien in den vergangenen Jahren bereits viele Massnahmen eingeleitet worden, etwa die finanzielle Unterstützung für die Bewässerung von Ackerflächen. Diese Anstrengungen müssten fortgesetzt werden. In der akuten Krise neue politische Prozesse anzustossen, bringe dagegen wenig, da diese zu lange dauerten.
-> Bundesrat: Keine ausserordentliche Lage wegen Dürre
«Es wird sehr anspruchsvoll»
Mit Blick auf die kommenden Jahrzehnte erwartet Ritter grosse Herausforderungen. Auf dem eigenen Betrieb würden beispielsweise Naturwiesen zunehmend zum Problem. Wo möglich, müssten deshalb Kunstwiesenmischungen mit tieferwurzelnden Pflanzen angesät werden. Gefragt seien hitzebeständigere Pflanzen und grössere Futterreserven. So könnten im Ackerbau beispielsweise Sonnenblumen gegenüber Raps an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig müsse stärker in Wasserspeicherung und Bewässerung investiert werden. «Es wird sehr anspruchsvoll», sagte Ritter gegenüber «Schweizheute.ch».
Nun hoffe er vor allem auf Regen und darauf, dass eine weitere Hitzewelle im Herbst ausbleibt. Sein Vater habe ihm von 1947 erzählt, als die letzte Hitzewelle erst im September gekommen sei. Damals seien auf dem elterlichen Hof in Altstätten Birnen gesammelt und mit der Bahn abtransportiert worden. Im Kanton Bern seien sie an Kühe verfüttert worden, damit die Tiere noch etwas zu fressen hatten.
die Anzahl Zeichen scheinen limitiert zu sein, Fortsetzung ...... Es besteht absolut keine Notwendigkeit die Schlachtviehpreise zu drücken: Erstens haben die Konsumenten in der Vergangenheit gezeigt, dass sie bereit sind, die Preise im Laden zu zahlen und alle die zwischen Bauer und Konsument sind, haben auch ihr Geschäft gemacht, siehe Gewinnmitteilung von Bell. Zweitens wird munter weiter Rindfleisch importiert. Man müsse der Nachfrage gerecht werden. Fazit: es hat zu wenig Schlachtkühe in der Schweiz also darf der Preis nicht sinken. Auch der SBV weiss, dass es einfacher sein sollte einen Preisrückgang zu verhindern als höhere Preise durchzusetzen. Jeder Bauer weiss, runter gehts schnell, rauf, wenn überhaupt, nur in homöopathischen Dosen. Also SBV, den Hebel am richtigen Ort ansetzen, die Bauernfamilien brauchen euch jetzt dringend.
Keine Panik Frauen und Kinder zuerst ! Das sagten sie schon auf der Titanik aber am Schluss muss sich jeder selber helfen sonst ist die Bühne bald leer.