
Die Cremo hat ihren Sitz in Villars-sur-Glâne bei Fribourg.
Cremo
25 Grossrätinnen und Grossräte des Kantons Freiburg haben im Februar beim Staatsrat den parlamentarischen Vorstoss «Cremo, eine systemische Herausforderung für unseren Kanton!» eingereicht. Sie verweisen dabei auf die gravierenden Auswirkungen, sollte es der Cremo nicht gelingen, die wirtschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen.
Sie forderten deshalb vom Kanton die Einsetzung einer Expertenkommission, die Vorschläge und Massnahmen ausarbeiten soll. Der Kanton weisst in seiner Antwort nun auf andere Aspekte hin.
«Verwaltungsrat findet keine tragfähigen Lösungen»
Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der ungewissen Zukunft des Unternehmens werden erhebliche Folgen für Milchproduzenten, Mitarbeitende, die kantonale Wirtschaft und die betroffenen Regionen befürchtet. Die Verfasser stellen fest, dass der Verwaltungsrat bisher keine tragfähige Lösung gefunden hat. Dies sei unter anderem durch den sofortigen Rücktritt des letzten Direktors deutlich geworden.
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Sie fordern den Staatsrat deshalb auf, die Risiken und möglichen Auswirkungen einer Krise bei Cremo umfassend zu analysieren und rasch eine Expertenkommission einzusetzen. Diese soll die Konsequenzen für die Landwirtschaft, die Arbeitsplätze, die Wirtschaft allgemein, die kantonale Strategie im Bereich Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie die Glaubwürdigkeit des Kantons prüfen und konkrete Vorschläge für geeignete Massnahmen erarbeiten.
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Schliessung hätte weitreichende Folgen
Der Staatsrat anerkennt in seiner Antwort, dass eine Schliessung des Standorts Villars-sur-Glâne weitreichende Folgen für die gesamte Schweizer Milchwirtschaft hätte. Rund 1800 Milchproduzentinnen würden einen wichtigen Milchabnehmer verlieren. Zudem würde mit Cremo als zweitgrösstes Unternehmen auf dem Schweizer Milchmarkt eine zentrale Verarbeitungskapazität für Butter und Milchpulver wegfallen. Dies könnte zu erheblichen Milchüberschüssen und zusätzlichen Marktstörungen führen.
Die Cremo
Die Cremo S.A. ist eine privatrechtliche Aktiengesellschaft. Ihre wichtigsten Aktionäre sind der Freiburgische Milchverband (45,97 %), Prolait (9,23 %) und Aaremilch (9,03 %). Cremo ist als zweitgrösste Schweizer Molkerei und wichtigster Milchabnehmer der Region von grosser Bedeutung. Zum Vergleich (Zahlen von 2024):
- Emmi: 926 Millionen Kilo Milch; rund 3000 Mitarbeitende in der Schweiz
- Cremo: 363 Millionen Kilo Milch; 660 Mitarbeitende (davon mehr als die Hälfte am Hautpsitz)
- Elsa Group: 310 Millionen Kilo Milch; 1041 Mitarbeitende.
63 % der 363 Millionen Kilogramm Milch werden von der Cremo zu Butter und Milchpulver verarbeitet, ungefähr 10 % zu Käse, insbesondere zu Vacherin Fribourgeois AOP. Quelle: Staatsrat Freiburg
Der Freiburger Staatsrat stellt fest, dass der Hauptaktionär der Cremo, der Freiburgische Milchverband (FMV), dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung weiterhin sein Vertrauen ausspreche. Der FMV begrüsse die im Juni 2026 beschlossene Reform des Verwaltungsrats, die die Unternehmensführung stärken und die Voraussetzungen für eine langfristige Neuausrichtung und Sicherung des Unternehmens schaffen soll.
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«Der Kanton soll sich nicht einmischen»
Der Staatsrat verfolge die Entwicklung von Cremo zwar aufmerksam, ist jedoch der Auffassung, dass der Kanton nicht in die Führung eines privaten Unternehmens eingreifen soll. «Der Staatsrat ist der Ansicht, dass der Kanton es vermeiden muss, sich in die Angelegenheiten eines privaten Unternehmens einzumischen, das auf einem wettbewerbsorientierten Markt tätig ist, da dies einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen würde».
Er verweist weiter darauf, dass Cremo Sanierungsmassnahmen und strukturelle Reformen eingeleitet habe und die Möglichkeit erhalten müsse, die wirtschaftlichen Herausforderungen eigenständig zu bewältigen. Eine staatliche Einmischung könnte den laufenden Sanierungsprozess beeinträchtigen.
Der Staatsrat erkläre sich jedoch bereit, bestehende Förderinstrumente wie Subventionen, Darlehen oder Bürgschaften zu prüfen und den Grossen Rat regelmässig über die Entwicklung der Situation zu informieren. Aus diesen Gründen beantragte er die Ablehnung des Auftrags.