
Der Markteintritt von Discountern wie Aldi und Lidl habe an der Marktmacht von Migros und Coop nichts geändert, heisst es.
KI erstellt
Der Schweizer Preisüberwacher hat aufgrund der Preise im Biosegment im Herbst 2023 eine Marktbeobachtung zum Schweizer Lebensmittel-Detailhandel eingeleitet. Da kein klarer Preismissbrauch festgestellt wurde, wurde diese Beobachtung nun eingestellt.
Der Markt werde zwar weiterhin stark von wenigen grossen Anbietern dominiert, es gebe jedoch keine ausreichenden Hinweise darauf, dass diese Marktmacht zu unfair hohen Preisen führt. Der «Schweizer Bauer» hat darüber berichtet: -> Darum zieht sich der Preisüberwacher zurück.
In einer Mitteilung zeigt sich der Verein Faire Märkte Schweiz (FMS) nun erstaunt darüber, dass der Preisüberwacher seine Marktbeobachtung zum Schweizer Lebensmitteldetailhandel abgeschlossen hat ohne weitere Massnahmen zu ergreifen. Dadurch bleibe auf der Ebene der Produktion und Verarbeitung eine regulatorische Lücke bestehen. Zuständig hierfür wäre hier die Wettbewerbskommission (Weko), die bislang jedoch nicht aktiv geworden ist, schreibt der FMS und fordert konkrete Massnahmen.
Geringer Wettbewerbsdruck begünstige Ineffizienzen
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen hohe Kostenstrukturen und einen begrenzten Wettbewerbsdruck im Schweizer Lebensmittel-Detailhandel. Der Preisüberwacher führt dies laut FMS unter anderem auf die «anhaltende Dominanz von Coop und Migros» zurück. Auch der Markteintritt von Discountern wie Aldi und Lidl hat daran nichts Grundlegendes geändert. «Die Marktkonzentration bleibt hoch – ein weiterer Punkt, den die FMS seit langem kritisiert».

«Der Schweizer Lebensmittel-Detailhandel ist weiterhin stark konzentriert ist – daran konnten die Markteintritte von Aldi und Lidl nichts ändern», schreibt der Preisüberwacher im Newsletter (siehe Link unten).
SB
Zudem bestätige der Preisüberwacher, dass aufgrund hoher Bruttomargen ein unausgeschöpftes Potenzial für Preissenkungen besteht. Der geringe Wettbewerbsdruck begünstige Ineffizienzen und trage dazu bei, dass die hohen Kostenstrukturen bestehen bleiben.
Fokus auf Konsumentenpreise greift zu kurz
Laut FMS besteht ein wesentlicher blinder Fleck der Untersuchung darin, dass der Fokus ausschliesslich auf die Konsumentenpreise gerichtet wurde. «Zu Produzenten- und Verarbeitungspreisen äussert sich der Preisüberwacher nicht, obwohl gerade dort der Druck durch die Tiefpreisstrategien der marktmächtigen Detailhändler enorm zugenommen hat», schreibt FMS.

Laut FMS berücksichtigt der Preisüberwacher die Kostensituation der Landwirtinnen zu wenig.
Ramona Riedener
Die festgestellten Effizienzprobleme im Detailhandel würden dazu führen, dass der Preisdruck entlang der Wertschöpfungskette weitergegeben werde, insbesondere an Bäuerinnen und Bauern.
FMS fordert konkrete Massnahmen
Aus Sicht vom FMS hat sich der heutige Marktzustand unter anderem deshalb verfestigt, weil die Weko auf entsprechende Hinweise nicht entschieden genug reagiert hat. FMS fordert die Weko daher auf, dass sie die vom Preisüberwacher festgestellten strukturellen Probleme nicht nur zur Kenntnis nimmt, sondern auch konkrete Massnahmen in die Wege leitet. Das Ziel müsse ein fairer Wettbewerb entlang der gesamten Wertschöpfungskette sein, von den Produzenten bis zu den Konsumentinnen und Konsumenten.
«Denn der Bericht [des Preisüberwachers] bestätigt gerade jene strukturellen Probleme, vor denen FMS seit mehreren Jahren warnt: Eine hohe Marktkonzentration, die anhaltende Dominanz von Coop und Migros, sowie die Möglichkeit von missbräuchlichem Verhalten aufgrund deren marktbeherrschenden Stellung», schreibt FMS.