Ohne Bewässerung wächst kaum etwas

Die anhaltende Trockenheit macht vielen Landwirtinnen und Landwirten zu schaffen. Die Kulturen wachsen nicht mehr, das Futter für die Tiere wird knapp. Was der Schweizer Bauernverband dazu sagt. Und er muss auch Kritik einstecken.

sda/blu |

Stark getroffen von der wochenlangen Dürre ist vor allem die Landwirtschaft. Zwar seien die Auswirkungen auf Ernte und Erträge in ihrer Gesamtheit noch schwierig einzuschätzen, sagte der Schweizerische Bauernverband (SBV) auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Preise müssen rauf

Und weiter: « Wir haben Regionen, dort ist der Boden braun. Es hat nicht mal mehr gelbes Gras, und Felder mit bereits vertrockneten Kulturen. In anderen Regionen sieht es besser aus, aber überall wächst ohne Bewässerung eigentlich nicht mehr viel und die Qualität leidet.»

Wie es am Schluss für die ganze Schweiz aussehe, dazu könne man aktuell noch nichts sagen: «Bereits geerntet wurde vor allem das Getreide, dort sieht es wahrscheinlich nicht so schlecht aus, weil es bereits am Abreifen war, als die Hitze und Trockenheit einsetzte», so der Bauernverband. Aber wie es am Ende national betrachtet bei Kartoffeln, Zuckerrüben oder Sonnenblumen aussehe, werde sich erst zeigen, so SBV-Sprecherin Sandra Helfenstein.

Grosse Hürden für Futter-Zukauf

Im Gemüsebau müsse extrem viel bewässert werden, was die Produktionskosten erhöhe. «Hier müssen die Produzentenpreise steigen, damit die Rechnung aufgeht. Ebenfalls wird es dieses Jahr mehr Akzeptanz der Abnehmer betreffend der Qualität brauchen», so Helfenstein. Wegen der Hitze bleibe alles eher kleiner, und es gebe auch mehr Verformungen. Gleiches gelte bei Obstbäumen und Beeren, da die Früchte ebenfalls litten.

Das Problem betrifft laut dem Bauernverband auch die Viehwirtschaft: «Die Milchviehbetriebe in vielen Regionen machen sich sorgen um das Futter und versuchen aktuell irgendwo zuzukaufen», hiess es. Das sei allerdings nicht einfach, weil die Situation auch im umliegenden Ausland gleich angespannt sei.

SBV wird hart kritisiert

Anfang Woche zeigte sich eine Gruppe von über 300 Landwirtinnen, Älplern und Agronomen verärgert über den Schweizer Bauernverband (SBV). In einem offenen Brief werfen sie dem Verband Untätigkeit vor. Er schweige sich «beharrlich über diese historische Trockenheit» aus. Vor allem Ritters Aussage, Ruhe zu bewahren, stösst ihnen sauer auf. «Der SBV und Markus Ritter sollen aufhören, die aktuelle Situation zu verharmlosen», sagt Landwirt Finn Suter im Namen der Gruppe zum «Schweizer Bauer».

Der Verband solle sich dafür einsetzen, dass weniger essenzielle Industrien als die Lebensmittelproduktion Wasser sparen sollen. Als Beispiel nennen sie Rechenzentren, die Wasser zur Kühlung benötigen. Und er müsse seine Rolle als Sprachrohr ernst nehmen. «Zu viele Menschen in der Schweiz wissen nicht um die Bedingungen in der Landwirtschaft», führt Suter aus, der auf einem Betrieb im Mittelland den Anbau verantwortet.

Verband wehrt sich

Die Gruppe fordert vom SBV, dass er klima- und umweltpolitische Vorlagen nicht mehr bekämpft sowie die Klima- und Biodiversitätskrise anerkennt. Um die aktuelle Lage zu meistern, brauche es für stark von der Hitze und Trockenheit betroffene Betriebe kurzfristige Hilfen. Die Lockerung der RAUS-Bestimmungen (regelmässiger Auslauf ins Freie) wird deshalb unterstützt. Langfristig seien finanzielle und organisatorische Unterstützung beim Umbau von Ställen, bei der Implementierung wassereffizienter Bewässerungssysteme und bei landschaftlichen Anpassungen wie Agroforst nötig. Zudem müsse der SBV mit Umweltverbänden zusammenarbeiten, anstatt sie zu bekämpfen. Die Erderhitzung müsse abgebremst werden.

Beim Bauernverband zeigt man sich über den offenen Brief überrascht. Man teile die Sorgen der Menschen, die den offenen Brief unterschrieben haben, bezüglich der Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft. «Der Vorwurf, dass der SBV sich nicht für den Klimaschutz einsetzt, ist falsch», sagt Mediensprecherin Sandra Helfenstein gegenüber «Schweizer Bauer». So habe man beispielsweise bei der Abstimmung über das CO2-Gesetz die Ja-Parole beschlossen. Um dem Futtermangel zu lindern, habe der Verband beim Bundesamt für Landwirtschaft beantragt, die Zölle auf importiertes Futter auf null Franken zu setzen.

Der Verband wirft den Absendern des Briefs eine politisch motivierte Aktion vor, «um Aufmerksamkeit zu generieren und nicht, um effektiv etwas zu bewirken».

->  «Bauernverband soll Trockenheit nicht verharmlosen»

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