Wenn das Familienerbe zur Last wird

Ein Familienerbe kann Segen oder Last sein. Wer innere Zweifel und Ängste klärt, trifft Entscheidungen für Hof und Leben, die wirklich tragen – und oft überraschend anders ausfallen als gedacht.  Barbara Eiselen gibt Einblicke in ihre Erfahrungen als Coach in der Landwirtschaft und erklärt, wann das Erbe zur Last wird und wie man aus der Situation raus kommt.

Barbara Eiselen |

Wie erstellt man eigentlich eine Hofstrategie, also die Ausrichtung des Hofes für die Zukunft? Reichen eine Marktanalyse, eine Stärken-Schwächen-Analyse oder ein ausgefüllter Betriebsvoranschlag?

Das klingt intensiv, kopflastig und wird wohl von den wenigsten umgesetzt – was völlig in Ordnung ist. Denn bei einer guten Hofstrategie geht es primär nicht um die Analysen, sondern um Entscheidungen: nicht nur grosse, sondern auch kleine, die meist die grösste Herausforderung darstellen.

Ängste ernst nehmen

Häufig liegen alle Entscheidungsgrundlagen bereit: Idee, Bauplan, Finanzierungsabklärung, manchmal sogar die Baubewilligung – und trotzdem ist die Entscheidung noch nicht gefallen. Die Hoffnung, dass plötzlich alles klar wird oder ein Berater das letzte OK gibt, hilft wenig, wenn innere Zweifel und Ängste nicht geklärt sind. Diese Fragen betreffen Beziehungen, Lebensqualität und persönliche Belastbarkeit – sie sind oft diffus, aber entscheidend.

Zweifel sind wertvoll, weil sie auf ungelöste Fragen hinweisen. Wer sie ignoriert, bleibt im «nicht besseren» Leben stecken. Frust und Resignation sind die Folge. Analysen, Berechnungen und Pläne sind zwar wichtig, doch entscheidend ist der Mensch mit seinen Ängsten, Leidenschaften und Wünschen. Erst wenn diese geklärt sind, entstehen wirklich nachhaltige Entscheidungen, oft anders als ursprünglich geplant, aber tief verankert.

Kolumne mit Barbara Eiselen

Barbara Eiselen ist Agronomin und war viele Jahre in der landwirtschaftlichen Lehre und Forschung in den Bereichen Betriebswirtschaft, Agrarpolitik und -märkte tätig. Sie schreibt einmal im Monat für den «Schweizer Bauer» und greift in ihrer Kolumne Themen auf, die unsere Leser beschäftigen.

In ihrer beruflichen Laufbahn erkannte sie, dass es sich bei Hofstrategien und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen meistens um tieferliegende Themen handelt.

Barbara Eiselen bildete sich fort in den Bereichen Coaching, Psychologie und Familiensysteme und ist heute selbstständige Beraterin. Sie hat die Vision, die Hemmschwelle für Tabu-Themen in der Landwirtschaft zu brechen, so dass man sich frühzeitig Hilfe für die wahren Probleme holen darf.

Sie nennt es «den Service für die Seele, die Psyche und die Ehe, genauso wie der Traktor auch seinen jährlichen Service bekommt». Eiselen ist Bauerntochter und Schwiegertochter einer Bauernfamilie.

Innere Klarheit schafft nachhaltige Strategien

Ein Familienerbe umfasst nicht nur Gebäude, Land und Hofgeschichte, sondern auch ungelöste Konflikte und emotionale Lasten, die oft über Generationen weitergegeben werden. Junge Hofübernehmerinnen und -übernehmer sollten sich dessen bewusst sein: Ein Familienbetrieb bedeutet neben Chancen auch Verantwortung und manchmal fast schon einen «Fluch».

Die Auseinandersetzung mit diesen Themen ist nicht immer leicht, oft holprig und anspruchsvoll – aber sie lohnt sich. Wenn innere Fragen geklärt sind, lassen sich Hof und Leben gezielt verändern. Äusserlich sind grosse Änderungen oft gar nicht nötig, wenn die innere Haltung stimmt.

Kommentare (1)

Sortieren nach: Likes | Datum
  • SS | 05.01.2026
    Familie sucht einen Landw betrieb zum übernehmen danke
×

Schreibe einen Kommentar

Kommentar ist erforderlich!

Google Captcha ist erforderlich!

You have reached the limit for comments!

Das Wetter heute in

Lesershop

Hier gehts zum Lesershop

Umfrage

Geht Ihr holzen?

% Ja
% Nein
% Weiss noch nicht
% Habe keinen Wald

Teilnehmer insgesamt 0

Zur aktuellen Umfrage

Bekanntschaften

Suchen Sie Kollegen und Kolleginnen für Freizeit und Hobbies? Oder eine Lebenspartnerin oder einen Lebenspartner?