
Die Bäuerinnen der Vereinigung «Bibi Fatima» im Süden Indiens haben den Hirseanbau mit Hilfe agroökologischer Methoden wiederbelebt und damit die Ernährungssicherheit in ihrer Gemeinschaft verbessert.
Sri Kolari/SWISSAID
Je nach Region stammen zwischen 50 und 80 Prozent der weltweiten Nahrungsmittelproduktion von Frauen. In Subsahara-Afrika hängen 66 Prozent der Arbeitsplätze für Frauen vom Agrar- und Ernährungssektor ab, in Südasien steigt dieser Anteil sogar auf 71 Prozent. Das schreibt die Schweizerische Stiftung für Entwicklungszusammenarbeit (Swissaid) anlässlich des UNO-Jahres der Bäuerinnen. Die Organisation setzt sich nach eigenen Angaben dafür ein, die Hindernisse zu beseitigen, mit denen Bäuerinnen in Ländern des Südens konfrontiert sind.
«Die Zahlen zeigen: Frauen spielen eine zentrale Rolle für die Ernährungssicherheit und die lokale Entwicklung. Trotzdem sind 150 Millionen mehr Frauen als Männer von Ernährungsunsicherheit betroffen, und die strukturellen Hindernisse, die ihren Alltag prägen, sind nach wie vor zahlreich», betont Valentina Maggiulli, Themenverantwortliche Gender bei Swissaid, laut dem Schreiben zum UNO-Jahr.
Serie Women Farmer 2026
Auch der «Schweizer Bauer» berichtet im Rahmen des «International Year of the Woman Farmer 2026». Diese internationalen Landwirtinnen aus dem Ausland haben wir bereits vorgestellt:
-> Ting-Yu Tsai, Berufsimkerin aus Taiwan: Die Junglandwirtin und ihre Bienenköniginnen
-> Consolata Kazungu von der Ostküste Kenias: Sie entwickelte Farm zu einem florierenden Unternehmen
-> Isabelle Hielscher aus Witzhelden in Deutschland: Sie teilt das Leben auf dem Bauernhof so, wie es ist
-> Charlotte Rietveld aus Neuseeland: Farm statt Bank: Sie hält 10’000 Schafe
Kampf um Land
In vielen Ländern würden Frauen beispielsweise bei Landrechten diskriminiert: Sie dürfen weder Land besitzen noch erben. So begleitete Swissaid eine Frauengruppe in der Region Oio im Norden von Guinea-Bissau, die entschlossen war, gemeinsam landwirtschaftliche Flächen zu erwerben. Heute bauen die Bäuerinnen auf dem eigenen Land Obst, Gemüse und Getreide an.
Auch setzt sich Swissaid nach eigenen Angaben für die wirtschaftliche und politische Selbstständigkeit von Bäuerinnen ein, damit diese mehr Kontrolle über ihr eigenes Einkommen haben und aktiv in lokalen Entscheidungsgremien mitwirken können. Zum Beispiel in Kolumbien mit dem Projekt «Frauen erheben ihre Stimme und kämpfen für ihre Rechte».
Angesichts der Klimakrise: Agrarökologie
Angesichts der Klimakrise mit Dürren und sintflutartigen Regenfällen, die immer öfter Ernten zerstören, verweist die Organisation auf die Wichtigkeit von kurzen Verwertungsketten und der Verwendung von lokalem Saatgut. Dies ermögliche es, besser an die klimatischen Unwägbarkeiten angepasst zu sein und ohne teure künstliche Pestizide oder Dünger von Grosskonzernen auszukommen.
Ein Projekt im Dorf Teertha im Süden Indiens zeige dies exemplarisch: Die Frauengruppe «Bibi Fatima Self-Help Group» hat dort den Hirseanbau mithilfe agroökologischer Methoden wiederbelebt. Dadurch seien die Böden regeneriert, eine gesündere Ernährung gefördert und die landwirtschaftlichen Einkommen verbessert worden. Die Initiative ist mit dem Equator Prize 2025 der Vereinten Nationen ausgezeichnet worden.
Machtverhältnisse verändern
Das Hilfswerk verweist abschliessend auf die Zahlen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), laut denen durch gezielte Programme zugunsten von Frauen in ländlichen Gebieten das Einkommen von 58 Millionen Menschen gesteigert und die Widerstandsfähigkeit von weiteren 235 Millionen verbessert werden kann.
Swissaid fordert darum einen tiefgreifenden Wandel der Agrar- und Ernährungssysteme und der Machtverhältnisse. «Die Rolle der Bäuerinnen voll und ganz anzuerkennen, ist ein erster Schritt, reicht aber nicht aus: Es ist dringend notwendig, ihre Rechte auf Land, Ressourcen, Bildung und Entscheidungsfindung zu gewährleisten. Die Handlungsmöglichkeiten von Frauen auf dem Land zu stärken, bedeutet, zu widerstandsfähigeren, gerechteren und besser ernährten Gemeinschaften beizutragen», erklärt Valentina Maggiulli im Schreiben von Swissaid.