
Christian Wolf aus Mollie-Margot VD ist Mooh-Lieferant.
Daniel Salzmann
Landwirt Christian Wolf aus Mollie-Margot VD setzte an der Delegiertenversammlung der Schweizer Milchproduzenten (SMP) den eindrücklichen Schlusspunkt. Unter «Varia» trat er ans Rednerpult und sagte, er wolle für den Milchpreis sensibilisieren, den er im Februar erhalten.
«Ungerechtigkeit und mangelnde Solidarität»
Er bewirtschafte im voralpinen Hügelgebiet 70 Hektaren und halte 50 Kühe. «Die 46 Rp./kg sind aus meiner Sicht eine Ungerechtigkeit und das Resultat von mangelnder Solidarität. Ein Kollege von mir hat sogar nur noch 41 Rp./kg erhalten.» Er liefere an die Milchhandelsorganisation Mooh, und zwar während sieben Monaten im Jahr, da er im Sommer auf die Alp gehe, wo er Etivaz-AOP-Alpkäse produziere. Darum sei ihm bei der Mooh das Planungsmodell verwehrt (welches einen Zuschlag gäbe, das heisst, Wolf ist im Basismodell). Doch er habe nicht mehr Milch abgeliefert als im Vorjahr.

Die Gesichter der SMP-Führungsleute passen zur aktuellen Marktlage: Direktor Stephan Hagenbuch (.) und Präsident Boris Beuret .
Daniel Salzmann
«Die Mooh muss mir 17% C-Milch à 20 Rp./kg verrechnen, weil andere Betriebe bei anderen Abnehmern gar keine C-Milch haben. Das ist mangelnde Solidarität», kritisierte Wolf. In der Bundesverfassung stehe, dass die Agrarpolitik zur dezentralen Besiedelung beitragen müsse. «Das aktuelle Funktionieren des Milchmarkts bestraft aber dezentral gelegene Betriebe», hielt er fest. Wolf erwähnte, dass er zusätzlich zu den 46 Rp./kg noch 5 Rp./kg Milchzulage vom Bund erhalte. Doch von den 46 Rp./kg würden ihm auch 5 Rp./kg zugunsten der Exportfonds der Branchenorganisation Milch (BOM) abgezogen.
Das Problem mit den Alpkäsereien
Die Marketingbeiträge hinterfrage er nicht, er habe auch schon in einem Video für Swissmilk mitgewirkt. Man sieht dort, wie er mit behornten Simmentaler Kühen auf die Alp Rodomont-Derrière geht. Bei den Beiträgen für die Interessenvertretung der SMP und an die BOM allerdings habe er das Gefühl, dass er damit ein System zum Nachteil seines Betriebs unterstütze.
Branchenkenner weisen darauf hin, dass eine Schwierigkeit darin liegt, dass Betriebe, deren Milch im Sommer zu Alpkäse verarbeitet wird und im Sommer in die Industrie geht, zu Schwankungen in der Milcheinlieferung führen, die eigentlich nicht zum Absatz passt. Bei den Molkereiprodukten ist der Absatz über das Jahr hinweg fast konstant. Darum belohnt das System Betriebe, die das ganze Jahr über monatlich möglichst gleich viel Milch liefert, mit Zuschlägen.
«Wollt ihr Eure Berufskollegen wirklich ausbluten lassen?»
Es gibt Betriebsleiter im Tal, die sagen, die Alpbetriebe müssten froh sein, dass sie im Winter überhaupt Milch in die Molkereien liefern dürften. Denn nur mit Alpkäsereien würden die Molkereien im Sommer austrocknen. Andererseits besteht ein gesellschaftliches Interesse an Alpbetrieben. Die Schwierigkeit für einen Betrieb wie den von Wolf ist jetzt, dass im Winter 2025/2026 von einem Jahr aufs andere die Milch, die er während sieben Monaten an die Industrie liefert, viel weniger gilt als in den früheren Jahren. Auf jeden Fall braucht es differenzierte Lösungen für ein komplexes Problem.

Thomas Spring, Miba-Präsident und Mooh-Lieferant, drohte, ohne Lösungen werde man die Beiträge nicht mehr bezahlen.
Daniel Salzmann
Die Mooh hat deshalb so viel C-Milch, weil Molkereien und Käsereien von ihren Direktlieferanten mehr Milch einkaufen, weil diese aufgrund des Futters mehr Milch liefern, und dafür weniger bei der Mooh einkaufen. Also fällt sehr viel der Übermenge bei der Mooh an. Thomas Spring, Präsident des Milchverbands Basel (Miba) und Mooh-Lieferant, drohte ohne Lösungen für die aktuelle und zukünftige Krisen damit, die Beiträge nicht mehr bezahlen.
Spring forderte eine gerechte Lastenverteilung und sagte zu den Milchproduzenten im Saal: «Wir Milchproduzenten sitzen alle im selben Boot, da braucht es Solidarität. Wir haben die Mengen gedrosselt. Die Lastenverteilung muss endlich gerecht umgesetzt werden. Wollt ihr wirklich eure Berufskollegen ausbluten lassen und den kommenden Generationen die Milchproduktion so unrentabl und unsozial aussehen lassen? Denkt daran, es kommt wieder einmal eine andere Zeit, wenn die ganze Branche froh ist, wenn genügend Rohstoff zur Verfügung steht.» Bei den SMP müsse das Wohlergehen der Milchproduzenten wieder im Vordergrund stehen, forderte er und sagte damit indirekt, dass dies aus seiner Sicht derzeit nicht der Fall sei.

SMP-Präsident Boris Beuret führte souverän durch die Delegiertenversammlung.
Daniel Salzmann
«So ist flächendeckende Milchproduktion gefährdet»
SMP-Präsident Boris Beuret sagte zu Wolf, er habe Recht, das aktuelle System gefährde die Aufrechterhaltung der flächendeckenden Milchproduktion in der Schweiz. Schon in seinem Eingangsvotum hatte Beuret ausgeführt, dass es aktuell auf dem Milchmarkt vielerorts nicht so laufe, wie es sollte. Später sagte Beuret, wie die SMP bis im Herbst innerhalb der BOM Lösungen fordern, da sei eine Arbeitsgruppe gebildet worden.
Es sei inakzeptabel, wenn je nach Abnehmer die Milch des Nachbarn, die in die gleiche Molkerei gehe, 20 Rappen besser bezahlt sei. Man wolle da eine Lastenverteilung (Segmentverteilung) einfordern und via ein Controlling die monatliche Transparenz der C-Milchmengen sicherstellen.
Bislang nur Aaremilch zu Transparenz bereit
Auf einer Liste von Organisationen, die immerhin C-Milch aufweisen, war nur die Aaremilch hervorgehoben, weil sie als bisher einzige Organisation die Einwilligung zur Datenweitergabe unterschrieben habe. Genannt waren auf der Liste auch Arnold, Cremo, Emmi, Mooh, FTPL (Tessiner Milchproduzenten), Nestlé, ZMP und Milco. Das heisst, dass diese bis zum Zeitpunkt der DV die sogenannte «Einwilligung zur Datenweitergabe gemäss Datenschutz der monatlichen C-Milch-Daten des Erstmilchkäufers an die BO Milch» noch nicht unterschrieben.
Beiträge: Milchprüfung in 2026 teilweise bezahlt
Die Delegierten der Schweizer Milchproduzenten (SMP) beschlossen den Einzug von 0,17 Rp./kg für die Interessenvertretung, von 0,525 Rp./kg für das Milchmarketing und von 0,2 Rp./kg für das Käsemarketing. Weil im Jahr 2025 mehr Milch anfiel als geplant, gingen bei den SMP auch mehr Beiträge ein als geplant. Die SMP werden darum heuer als einmalige Aktion bei denen, die den Beitrag Interessenvertretung bezahlen, 44 Franken an die Restkosten für die Milchprüfung übernehmen.
Und daraus geht auch hervor, dass die Direktlieferanten der Züger Frischkäse AG keine C-Milch abgerechnet bekommen. SMP-Direktor Stephan Hagenbuch sagte an der DV, dass sich Produzenten mit C-Milch melden sollen, wenn ihre Organisation nicht auf der Liste steht. Es sind dort auch nur grössere Erstmilchkäufer erfasst, Käsereien sind nicht berücksichtigt.
Lange Liste von Massnahmen, die SMP anpacken will
Stephan Hagenbuch legte zwei Folien auf, in denen die Stossrichtungen und die Prioritäten der SMP festgehalten sind. Rot eingefärbt und damit prioritär sind dabei in der Liste der kurzfristigen Massnahmen die folgenden.
Auf Stufe Milchbranche:
- Stabilität: Export Rah, Butter (ca. 5000 Tonnen Milchfett) beschlossen und Transparenz gestützte Exporte
- Appell zur Drosselung Einlieferungen (Kapazitäten)
- Aufruf an Detailhandel für mehr «Swissness» (Januar 2026)
- Monatliche Transparenz C-Milchmengen (Controlling) sicherstellen
- Lastenverteilung (Segmentverteilung) einfordern
Auf Stufe Politik (Bund):
- Aktiver Veredelungsverkehr: Abschaffung Bewilligungs-«Automatismus»
Auf Stufe Produktion:
- Segmentierung in Verträgen überall durchsetzen (Lücke kleinere Verarbeiter)

SMP-Noch-Direktor Stephan Hagenbuch berichtete, was die SMP in der aktuellen Situation alles unternehmen.
Daniel Salzmann
SMP setzen auf BOM, erwähnen aber einen Plan B
Auf der Liste der mittel- und längerfristigen Massnahmen auf der Stufe Milchbranche stand auf den Folien: «Kapazitäten- / Mengenmanagement sicherstellen in Branche; sonst/oder Plan B prüfen».
Hierzu hatten die SMP in ihrer Medienmitteilung vom 31. März geschrieben: «Der SMP-Vorstand ist einstimmig der Meinung, dass die Lösungen auf Branchenebene erfolgen müssen. Entsprechend setzt er auf die angelaufenen Arbeiten innerhalb der Branchenorganisation Milch und auf praxistaugliche, agile Lösungen für die Zukunft.» Damit erteilte der Vorstand den Ideen im Zürcher Bauernverband eine Absage.
Zürcher Modell mit keinem Wort erwähnt
Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbands, hatte im Januar im «Zürcher Bauer» dargelegt, dass man mit Allgemeinverbindlichkeit in Produzentenhand (also von den SMP beantragt) einen Fonds mit Produzentengeldern äufnen könnte, aus dem beim Heranziehen eines Milchüberschusses Beiträge ausbezahlt werden können fürs Nichtliefern von Milch bzw. für eine Reduktion gegenüber dem Vorjahr. SMP-Noch-Direktor Stephan Hagenbuch sagte an der Delegiertenversammlung: «Die primäre Diskussionsplattform muss in der BOM stattfinden, das ist für uns klar. Dort sind alle Player am Tisch. Es ist zwar manchmal mühsam, aber wir müssen tragfähige, resiliente Lösungen haben, die auch nach der Krise Bestand haben.»
Laut Branchenkennern ist es unsicher, ob in der BOM beispielsweise die Käser mitziehen, die dort über eine Sperrminorität verfügen. Gerade aktuell leben die Käser gut: Ihre Stammlieferanten dürfen mehr liefern als sonst, ohne dass ihnen C-Milch verrechnet. Dafür kaufen die Käser ergänzend eine kleinere Menge von der Mooh ein. Und weil es zuviel Milch gibt auf dem Markt und die Mooh nicht weiss wohin damit, kann diese Milch sehr günstig eingekauft werden. Das ermöglicht gute Geschäfte. Aber man muss betonen, dass auf der Folie stand: «sonst/oder Plan B prüfen».
«An BOM-Fonds hängen 200 Mio. kg Milch»
An die Adresse der Milchproduzenten, welche die 5 Rp./kg zuhanden der Branchenorganisation Milch (BOM) kritisieren, sagte Hagenbuch, dass an diesen Geldern, die bei der BOM in verschiedene Fonds gingen, der Export von rund 200 Millionen Kilogramm Milch hingen, vor allem als Bestandteil von Babynahrung und als Vollmilchpulver in der Schokolade.
«Wer das nicht will, müsste bereit sein, mindestens 10% weniger Molkereimilch zu liefern.» Mit diesen Beiträgen werde die Nachfolgelösung des abgeschafften Schoggigesetzes sichergestellt. Als das Schoggigesetz abgeschafft wurde im Jahr 2019, wurden die damaligen Bundesgelder umgelagert in die Milchzulage von 5 Rp./kg.
Zusätzliche Marketingaktion: Schweizer Milchwochen

Ab dem 1. Juni sollen die "Schweizer Milchwochen" für Mehrabsatz bei Schweizer Milchprodukten sorgen.
Daniel Salzmann
Mit dem wegen höheren Milchmengen zusätzlich angefallenen Marketingbeiträgen veranstalten die SMP ab 1. Juni im Detailhandel für mindestens acht Wochen «Schweizer Milchwochen». Wer Schweizer Milch und Milchprodukte kauft, kann an Gewinnspielen teilnehmen. «Wir sind mit allen Detailhändlern im Gespräch», so Marketingchef Stefan Arnold.
Die Aktion ist eine «Sofortaktivierung» und soll für Mehrabsatz sorgen. Man darf gespannt auch sein, ob auch einer der deutschen Discounter Aldi und Lidl, die derzeit Marktanteile gewinnen, aber mehr Importmilchprodukte im Regal haben als Coop und Migros, an der Aktion mitmacht.
Hagenbuch so verabschiedet, als ginge er ganz
Für die abtretenden Vorstandsmitglieder Hanspeter Egli und Marc Benoît wurden Reto Schaufelberger (Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost) und Vincent Gruet (Prolait) gewählt. Letzere haben jeweils das Präsidium ihrer Organisation übernommen. Der per 1. Juli abtretende Direktor Stephan Hagenbuch wurde geehrt und sein Engagement verdankt, Hagenbuch richtete auch ein Votum an die Delegierten, in dem er sagte, seine Funktion sei ihm eine grosse Ehre gewesen und er danke für das Vertrauen. Auch ein Geschenk und einen Händedruck bekam Hagenbuch von Beuret. Aber als der Schweizer Bauer online getitelte hatte « SMP: Direktor Hagenbuch geht» , kam dies auf der Geschäftsstelle der SMP nicht gut an. Vermutlich merkte Beuret an der DV, dass es jetzt fast wie eine definitive Verabschiedung wirkte, und fügte darum nach der Geschenkübergabe an, Hagenbuch bleibe ja noch erhalten.
Schon im Eingangsvotum hatte er betont, dass Hagenbuch weiterhin in der Organisation verbleibe und so sein Wissen und sein Netzwerk erhalten blieben. Er strich auch hervor, dass dieser Wechsel an der Spitze nichts mit der Marktsituation zu habe. Allerdings weiss der «Schweizer Bauer», dass eine Basisorganisation von Milchbauern am Abend des Tages, an dem am Nachmittag der Rücktritt von Hagenbuch als Direktor bekannt geworden war, den Rücktritt von Hagenbuch gefordert hätte, und zwar wegen der miserablen Marktsituation. Neu sind Stefan Arnold und Micaël Müller Co-Geschäftsführer, die beide bereits in der Geschäftsleitung sitzen. Hagenbuch konzentriert sich laut der damaligen Medienmitteilung als «Beauftragter des Vorstandes für Agrar- und Marktpolitik und Sonderprojekte» auf die strategische Beratung der SMP.





